bedeckt München 26°

Coronavirus:Wissenschaftler rechnen erst 2021 mit einem Impfstoff

Damit eine der Strategien überhaupt funktionieren kann, muss die Zeit, die ein Land durch die Stilllegung des öffentlichen Lebens gewinnt, richtig genutzt werden. Einerseits gilt es, das Gesundheitssystem zu rüsten, mit Betten, Personal und genug Schutzausrüstung, damit sich die Mitarbeiter nicht selbst infizieren. Andererseits müssen auch die Kapazitäten ausgebaut werden, die notwendig sind, um kleine Ausbrüche sofort einzugrenzen. Dazu zählen Tests auf das Virus, aber auch sogenannte Contact Tracer, eine Art Gesundheitsfahnder, die das Virus jagen, die Kontaktpersonen von Infizierten aufspüren und unter Quarantäne stellen. Erst wenn alle Vorbereitungen getroffen wurden und die Zahl der täglichen Neuinfektionen so weit gesunken ist, dass die Behörden mit individuellen Maßnahmen wie Virustests im Umfeld des Infizierten und akribischem Contact Tracing verhindern können, dass sie sich zu neuen Ausbrüchen auswachsen, kann man darüber nachdenken, die Einschränkungen zu lockern.

Vor allem die Testkapazitäten müssten deutlich ausgebaut werden. Auch über technische Möglichkeiten zum Nachverfolgen von Kontaktpersonen müsste diskutiert werden. Das Papier des Innenministeriums erwähnt in seinem Szenario 1 ("Schnelle Kontrolle") ausdrücklich die "Identifikation von Kontaktpersonen über elektronische Bewegungsprofile". Bislang scheitert diese am Datenschutz. Und immer bleibt das Risiko, dass man eine erneute Ausbreitung des Virus zu spät bemerkt und in einen exponentiellem Anstieg gerät. Es käme zu einem zackenartigen Verlauf der Epidemiezahlen (Grafik), nach Lockerungen wären erneut strenge Ausgangsbeschränkungen nötig.

Wie man aus dem Lockdown wieder herauskommt, probiert China gerade aus. Dort besteht die Strategie darin, das öffentliche Leben langsam wieder hochzufahren und nicht abrupt. Betriebe nehmen nacheinander ihre Arbeit auf, je nachdem, als wie wichtig sie eingestuft werden. Produktion ist da zum Beispiel wichtiger als Unterhaltung. Gleichzeitig wird die gesundheitliche Überwachung verstärkt. Wahrscheinlich wird jedes Land ohnehin seinen eigenen Weg finden müssen, um wieder in einen halbwegs normalen Alltag zu kommen, und seine Strategie regelmäßig überdenken.

Fest steht, dass sich die Gesellschaft entscheiden muss, was ihr wichtig ist. Denn ohne Einschränkungen wird es auch mit der besten Virus-Überwachung nicht gehen. Da müssen zum Beispiel Massenveranstaltungen gegen Schulschließungen abgewogen werden. Der Zugang zu Altenheimen muss überwacht werden.

Wenn sich das Leben in Deutschland im Sommer wieder halbwegs normalisieren sollte und das Virus unter Kontrolle bleibt, wird es im Herbst wieder spannend. Dann erwarten Epidemiologen eine zweite Infektionswelle, die hoffentlich auf ein gestärktes Gesundheitssystem und eine vorbereitete Gesellschaft trifft. Besiegt wird das Virus erst sein, wenn ein Impfstoff verfügbar ist - und damit rechnen Wissenschaftler erst im Laufe des Jahres 2021.

© SZ vom 28.03.2020/swi
Oct 11 2013 Jakarta Bintaro Bekasi Jakarta Bintaro Bekasi Indonesia An addicted smoker with

Coronavirus
:Für wen Covid-19 besonders bedrohlich ist

Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören: Das Laster erleichtert dem Coronavirus den Angriff. Auch Herz- und Krebsleiden erhöhen das Risiko. Doch es gibt Mittel, sich zu wappnen.

Von Werner Bartens

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite