bedeckt München 21°

Merkel zu Corona-Auflagen:Verdopplung der Infektionen - in Berlin in zwölf, in Bayern in etwa sechs Tagen

Doch zwischen den Ländern gibt es deutliche Unterschiede. In Berlin vergehen derzeit bereits zwölf Tage, bis sich die Fallzahl auf das Zweifache erhöht. Auch Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg liegen in dieser Hinsicht im Vorderfeld. Bayern dagegen hat nicht nur bei den absoluten Fallzahlen alle anderen Länder hinter sich gelassen - auch bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit liegt der Freistaat mit etwas mehr als sechs Tagen bis zur Verdoppelung inzwischen an der Spitze. Es ist deshalb denkbar, dass in anderen Ländern der Ruf nach Lockerung der Maßnahmen lauter wird, zumal in jenen Regionen, wo die Fallzahlen von Anfang an vergleichsweise niedrig waren und das Wachstum nun ebenfalls zurückgeht. Dazu gehören mit Ausnahme Sachsens die ostdeutschen Flächenstaaten sowie Bremen. Hamburgs Bürgermeister Tschentscher warnte allerdings vor so einem Vorgehen. Das pandemische Geschehen könne sich binnen kurzer Zeit auch wieder verändern, sagte er. Das Virus kenne keine Landesgrenzen.

Auch Epidemiologen warnen: Auch dort, wo sich die Lage verbessert, könnte eine Abkehr von den strengen Auflagen zu früh kommen. Die Wissenschaftler halten Einschränkungen über wenige Wochen für wenig effektiv. Diese würden den Höhepunkt der Epidemie nur aufschieben, aber kaum abschwächen. Nach einer Lockerung wäre dann mit einem rasanten Wiederanstieg der Fallzahlen zu rechnen.

Aktuelles zum Coronavirus - zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages - zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Experten halten eine Lockerung der Auflagen für verfrüht

Dazu kommt, dass die Fallzahlen nur jene Infektionen enthalten, die mittels eines Tests bestätigt wurden. Viele Infizierte haben keine oder nur schwache Symptome; sie bleiben meist unerkannt, können aber trotzdem weitere Menschen anstecken.

Um nach dem Lockern der Auflagen nicht sofort wieder in eine exponentielle Ausbreitungsphase zu geraten, müssen neue Ausbrüche schnell erkannt und bekämpft werden: durch konsequentes Testen und Isolieren der Erkrankten, indem man die Kontaktpersonen ausfindig macht und unter Quarantäne stellt. Im Gespräch ist dazu auch weiter eine App, mit der Infektionsketten nachverfolgt werden könnten. Ein entsprechendes System wird derzeit in Berlin von Soldaten der Bundeswehr getestet. Es geht dabei um eine App, die Bürger freiwillig installieren könnten und die sie ohne Preisgabe von Namen oder Standortdaten anonymisiert warnt, wenn sie Kontakt mit einem bestätigten Infizierten hatten. Die Kanzlerin sprach sich für eine solche App aus und ist bereit, auch ihre eigenen Daten einzugeben.

© SZ vom 02.04.2020
Zur SZ-Startseite
SPD-Parteichefin Saskia Esken im Deutschen Bundestag

MeinungCorona-Soli
:Eskens Idee ist gut, kommt aber zur falschen Zeit

Es spricht einiges dafür, besonders Vermögende stärker an den Kosten der Krise zu beteiligen. Doch die SPD-Co-Vorsitzende hat ein schlechtes Timing - und verfolgt womöglich ein ganz anderes Ziel.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB