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Coronavirus:China poliert sein Image

Coronavirus, China

Chinas Präsident Xi Jinping besucht eine Klinik - als "Inspektion der Arbeit zur Vorbeugung und Kontrolle der Epidemie", wie Staatsmedien melden.

(Foto: Xie Huanchi/dpa)
  • China versucht, die Geschichte um den Ausbruch des Coronavirus neu zu schreiben und streut das Gerücht, erst die USA hätten das Virus nach China gebracht.
  • Für eine Verbindung zwischen dem Ausbruch in Wuhan und den USA spricht allerdings bisher nichts. Im chinesischen Internet wird das Gerücht trotzdem befeuert.
  • In den USA kursiert hingegen eine andere Verschwörungstheorie. Danach soll das Virus aus einem biochemischen Labor des chinesischen Militärs stammen.

Die Äußerungen eines chinesischen Diplomaten auf Twitter haben die Spannungen zwischen den USA und China weiter verschärft. "Es könnte die US-Armee gewesen sein, die die Epidemie nach Wuhan gebracht hat", schrieb der Sprecher des Außenministeriums, Zhao Lijian, am Donnerstag auf seinem Twitterkanal. "Die USA schulden uns eine Erklärung." Die Reaktion auf den Tweet, den Zhao auf Englisch veröffentlichte, folgte prompt. Das US-Außenministerium bestellte den chinesischen Botschafter in Washington ein.

Seit die Zahl der Neuinfizierten in China gesunken ist, versuchen die Behörden dort, die Geschichte um den Ausbruch neu zu schreiben. Die Behörden säen Zweifel daran, dass das Virus aus China stammt, und kritisieren andere Staaten, allen voran die USA, für ihren Umgang mit dem Ausbruch. Gleichzeitig rühmt es sich seines eigenen Erfolgs bei der Eindämmung.

Wie 2008 während der globalen Finanzkrise, als die USA ins Straucheln gerieten, nutzt China die Krise, um die internationalen Machtverhältnisse zu seinen Gunsten zu verschieben. Es inszeniert sich als handlungsfähig, während der Rest der Welt an der Herausforderung scheitere. Am Freitag lieferte das Land dringend benötigte Schutzmasken und Beatmungsgeräte nach Italien. Fast zeitgleich schrieb die Staatspresse, der "ideologische Narzissmus des Westens" sei verantwortlich für die "schweren Verluste" in Europa und den USA. China hingegen habe große Opfer gebracht für die Welt.

Eigentlich schien schon klar, woher das Virus kam. Anfang Dezember wurden im Stadtteil Hankou in der zentralchinesischen Stadt Wuhan die ersten Coronavirus-Fälle entdeckt. Den ersten größeren Ausbruch gab es rund um einen Fischmarkt. Dort wurden neben Fischen auch Schlangen und andere Reptilien, Gürteltiere und Fledermäuse verkauft.

Das staatliche Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten in China hatte bereits früh Wildtiere als Quelle für den Erreger ausgemacht. Die Regierung ließ den Handel landesweit verbieten. Die Lokalbehörden haben die Waren des Marktes allerdings zu einem großen Teil zerstört, sodass der Ursprung bisher nicht eindeutig geklärt werden konnte.

China stiftet Verwirrung um den Corona-Ursprungsort

Um einen Imageschaden aufgrund der anfänglichen Vertuschung zu verhindern, ist für die Regierung nun ein zentraler Aspekt ihrer Propagandastrategie, Verwirrung um den Ursprungsort zu stiften. Bei einer Pressekonferenz Ende Februar hatte der bekannte chinesische Epidemiologie Zhong Nanshan zum ersten Mal öffentlich geäußert, dass es nicht eindeutig klar sei, woher das Virus stamme. Eine Woche später schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, China als das Ursprungsland zu stigmatisieren, sei absurd und entbehre jeder Grundlage.

Inzwischen werden Journalisten und Politiker als rassistisch oder von Vorurteilen verblendet verunglimpft, wenn sie Wuhan als Epizentrum bezeichnen. In Australien hat die chinesische Botschaft Journalisten deshalb Drohbriefe geschrieben. Die Strategie der Regierung hat Methode. Die Kommunistische Partei stellt Kritik an ihrer Alleinparteienherrschaft häufig als Angriff auf die Menschen in China dar, um ein Gemeinschaftsgefühl von "wir gegen die" zu kreieren.

Auch in den USA werden Verschwörungstheorien befeuert

Gegenüber den USA ist der Ton bereits seit Wochen ruppig. In einem Artikel der Xinhua drohte Peking Washington, keine Medikamente mehr zu liefern und das Land in den "Höllenschlund der Epidemie" stürzen zu lassen. In dieser Woche legte nun Zhao nach. Auf Twitter forderte er die US-Regierung auf, transparent zu sein: "Wann gab es den ersten Patienten?", fragte er auf dem in China gesperrten Kurznachrichtendienst. Die Theorie dahinter: Die US-Armee hätte das Virus bei ihrer Teilnahme an den Military World Games in Wuhan im Oktober eingeschleppt. Rund zwei Monate, bevor dort der bisher offiziell erste Fall Anfang Dezember entdeckt wurde.

Für eine Verbindung zwischen dem Ausbruch in Wuhan und den USA spricht bisher nichts. Im chinesischen Internet wird das Gerücht trotzdem befeuert. Sonst werden Falschnachrichten dort schnell gelöscht und ungewollte Debatten unterbunden.

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Allerdings hat auch die US-Politik neue Spannungen provoziert. So wiederholte ein republikanischer Senator öffentlich die Verschwörungstheorie, die bereits seit einigen Wochen durchs Netz wabert: Danach soll das Virus aus einem biochemischen Labor des chinesischen Militärs stammen.

Außer Frage steht, dass Peking Ende Januar nach einem anfänglichen Zögern mit umfangreichen Maßnahmen reagiert hat, um den Ausbruch in China einzudämmen. Durch die landesweite Stilllegung von Fabriken, Geschäften und Schulen konnte die Zahl der Neuinfizierten gesenkt werden. Nun vermeldet China vor allem importierte Fälle aus dem Ausland.

China geht gegen kritische Aktivisten vor

Der Unmut über die anfänglichen Versäumnisse und Repressionen gegen Ärzte, die der Epidemie früh auf die Spur gekommen waren, ist in China aber weiter groß. Kurz bevor die Stadt am 23. Januar abgeriegelt wurde, verließen noch mindestens fünf Millionen Menschen Wuhan. Parteichef Xi hat inzwischen selbst erklärt, seit dem 7. Januar von dem Ausbruch zu wissen. Öffentlich äußerte er sich aber erst zwei Wochen später - mehr als sechs Wochen, nachdem es nachweislich mindestens den ersten Fall in der Stadt gab.

Die Regierung zensiert Kritik an diesem Vorgehen weiter, nimmt chinesische Aktivisten und Journalisten fest. Am Wochenende ist der frühere Immobilien-Tycoon Ren Zhiqiang verschwunden, der jüngst in einem Essay Kritik an Präsident Xis Führung in der Krise geäußert hatte.

Chinas Staatsmedien konzentrieren sich nun auf Berichte über die Lage im Ausland. Am Wochenende wurde über eine chinesischstämmige Frau mit Covid-19-Symptomen berichtet, die vergeblich versucht hatte, sich in den USA in drei Krankenhäusern testen zu lassen. Dann flog sie erkrankt nach China, um sich dort untersuchen zu lassen. Die Staatsmedien nannten den Fall einen Beleg für die Unfähigkeit der USA in der Krise.

© SZ vom 16.03.2020/gal/cat

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