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Coronavirus:China riegelt drei Millionenstädte ab

Bewohner der betroffenen Metropolen protestieren gegen die harte Linie Pekings zur Eindämmung des Erregers - WHO sieht keine internationale Notlage.

Im Kampf gegen die neue Lungenkrankheit hat Chinas Regierung am Donnerstag drei stark betroffene Großstädte abgeriegelt. Unter anderem in der Elf-Millionen-Stadt Wuhan in Zentralchina fielen von morgens an alle Flüge, Züge, Fähren und Fernbusse aus. Die Ausfallstraßen wurden gesperrt, Bahnhöfe waren teilweise mit Soldaten umstellt. Etliche Besucher konnten die Stadt vorerst nicht mehr verlassen. Tausende mussten ihre Reisen absagen. Der Flughafen in Wuhan durfte nicht mehr angeflogen werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzichtete aber zunächst darauf, einen internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Es sei "noch etwas zu früh" dafür, sagt der Vorsitzende des zuständigen Komitees am Donnerstagabend.

Durch die De-facto-Quarantäne der Städte will die Regierung der Ausbreitung des neuen Virus aus China Einhalt gebieten. Die Krankheit war Ende Dezember in Wuhan ausgebrochen. Es wird vermutet, dass die Infektion von illegal verkauften Tieren auf einem Fischmarkt auf Menschen übertragen wurde. Die WHO sprach von einer weltweit beispiellosen Maßnahme. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus lobte die Abschottung von Wuhan als eine "sehr, sehr starke Maßnahme". Dies zeige die Bereitschaft der chinesischen Behörden, die Risiken zu minimieren. Gegen das neue Virus gibt es bisher keinen Impfstoff. Es löst bei Infizierten eine Lungenerkrankung aus. Bislang erkrankten mindestens 637 Menschen an dem neuen Virus, 17 Menschen starben.

In den drei benachbarten Städten Wuhan, Ezhou und Chibi leben rund 20 Millionen Menschen. Über die Abriegelung habe China ohne Rücksprache mit der WHO entschieden, hieß es von der UN-Sonderorganisation. Auch die Bevölkerung wurde von der Entscheidung am Mittwochabend überrascht. Viele Menschen versuchten noch in der Nacht, die Stadt zu verlassen. Später ließ die Regierung auch die Autobahn-Mautstellen schließen, wodurch die Ausfahrten abgeschnitten wurden. Einige Menschen in der Stadt protestierten vor den geschlossenen Bahnhöfen gegen den drastischen Schritt. Im Rest des Landes wurde die Entscheidung unterstützt. Mit der anhaltenden Reisewelle zum chinesischen Neujahr am Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Virenkrankheit. Inzwischen gibt es unter anderem Fälle in Peking, Shanghai, Macau und Hongkong. Auch im Ausland sind Fälle des Virus nachgewiesen worden. Betroffen sind Länder wie Thailand, Südkorea, Japan, Taiwan, Singapur und die USA. Die Behörden in China forderten die Bewohner landesweit auf, in den kommenden Tagen nirgendwo mehr hinzureisen. Zugtickets können kostenfrei erstattet werden. Zehntausende machten bis Donnerstag von dem Angebot Gebrauch. An den chinesischen Aktienmärkten brachen die Kurse ein.

Die Bundesregierung hat bislang keine Reisewarnungen wegen des Virus ausgesprochen. Das Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung sei sehr gering, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

© SZ vom 24.01.2020
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