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Coronavirus:China enthielt WHO Informationen vor

Ein Labor in Wuhan: Hier machten Forscher bereits im Dezember auf das neue Coronavirus aufmerksam.

(Foto: AP)

Nach außen hin lobte die Weltgesundheitsorganisation Peking für seine Transparenz - intern wurde zurecht gezweifelt.

China hat essenzielle Informationen über das Coronavirus mehr als eine Woche lang zurückgehalten. Die Nachrichtenagentur AP hat dazu interne Dokumente und E-Mails ausgewertet. Demnach besaßen chinesische Behörden bereits tagelang detailliertes Wissen über den genetischen Code des Virus - Wissen, mit dem Tests, Medikamente und Impfstoffe entwickelt werden können. Den Recherchen zufolge wurden Informationen auch zurückgehalten, weil private und staatliche Labore miteinander konkurrieren.

Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) China noch öffentlich für dessen Hilfe und die "umgehende" Veröffentlichung des genetischen Codes lobte, gab es WHO-intern Sorgen, dass das Land nicht genügend Informationen über die Risiken des Virus' teilte und damit wertvolle Zeit verspielte. Laut den Recherchen wurde die WHO von China größtenteils im Unklaren gelassen und erhielt nur ein Mindestmaß an Informationen. Dennoch versuchte die Organisation, das Land im besten Licht erscheinen zu lassen, wahrscheinlich, um Peking zu mehr Details zu bewegen. Die WHO muss sich, was gesundheitliche Informationen betrifft, auf die Mitgliedsstaaten verlassen. Internationales Recht verpflichtet diese zwar zur Meldung, doch hat die WHO keine Mittel, das auch durchzusetzen. Das Coronavirus wurde erstmals am 2. Januar decodiert, am 30. Januar erklärte die WHO den weltweiten Notstand.

Die WHO wollte bislang nicht Stellung nehmen. Für sie kommen die Enthüllungen zur Unzeit, nachdem am Freitag US-Präsident Donald Trump die Zusammenarbeit der USA aufgekündigt hat. Sein Vorwurf: Die WHO habe mit China kooperiert, um das Ausmaß der Epidemie zu verschleiern.

© SZ vom 04.06.2020 / AP

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