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Coronavirus:Wirrwarr um Beherbergungsverbote

Das park inn Hotel und der Fernsehturm am Alexanderplatz in Berlin-Mitte. Im Vordergrund links ein Wohnhaus und rechts e

Die Bundesländer haben ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus inländischen Corona-Risikogebieten beschlossen.

(Foto: Volker Hohlfeld/imago images)

Mehrere Bundesländer erlassen strenge Regeln für Urlauber aus inländischen Risikogebieten. Berlin, Nordrhein-Westfalen und andere wollen sich dem Kompromiss aber nicht anschließen.

Von Nico Fried, Berlin

Die Mehrzahl der Bundesländer, darunter Bayern, hat sich auf ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus deutschen Corona-Risikogebieten verständigt. Das ist das Ergebnis einer Schaltkonferenz zwischen dem Chef des Kanzleramtes, Helge Braun, und seinen Kolleginnen und Kollegen in den Staatskanzleien der Landesregierungen. Allerdings wollen einige Länder, darunter Berlin, den Kompromiss nicht umsetzen. Damit ist der Versuch, mehr Einheitlichkeit in die Regelungen zu bringen, nur teilweise geglückt.

Die von mehreren Ländern getroffene Regelung gilt für Personen, die aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen kommen, wie aus dem Beschlusspapier hervorgeht, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Sie gilt nicht, wenn die Reisenden einen negativen Corona-Test vorlegen, der höchstens 48 Stunden alt ist.

Den vereinbarten Schwellenwert von 50 Infektionen erreichten am Mittwoch laut Robert-Koch-Institut fünf Berliner Bezirke sowie zwei Städte in Nordrhein-Westfalen, ein Landkreis in Niedersachsen und am Mittwochabend auch der Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Außerdem liegt in zahlreichen Regionen die Zahl der Infizierten bereits über der Marke von 35 auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen, die als eine Art Vorwarnstufe gilt.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte schon vorab ein entsprechendes Beherbergungsverbot für Reisende verkündet, das bereits am Donnerstag in Kraft treten soll. Dagegen wollen Berlin, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen sich dem Verbot nicht oder noch nicht anschließen, auch in Nordrhein-Westfalen soll das Verbot vorerst nicht gelten. Niedersachsen prüft noch.

Angesichts steigender Corona-Zahlen in Deutschland rücken die Großstädte in den Fokus. Dort habe man "sprunghaft ansteigende Zahlen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Deshalb sei zu befürchten, "dass es zu einer weiteren diffusen Verbreitung des Virus kommen kann". Kanzleramtschef Braun forderte die Großstädte auf, energischer gegen die Ausbreitung des Virus vorzugehen. Sonst könne die Kontaktnachverfolgung nicht mehr geleistet werden, sagte er der Bild-Zeitung.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) räumte im ZDF ein: "Die Pandemie wird in den Metropolen entschieden." In Berlin gilt von diesem Samstag an eine Sperrstunde zwischen 23 und sechs Uhr. Bars, Restaurants und die meisten Geschäfte müssen dann schließen, Alkohol darf nicht mehr verkauft werden. Im Freien dürfen sich nachts nur noch fünf Personen oder Menschen aus zwei Haushalten treffen - bei privaten Feiern in Gebäuden maximal zehn Leute.

Bundesweit ist die Zahl der Neuinfektionen weiter gestiegen. Das Robert-Koch-Institut meldete 2828 neue Fälle binnen 24 Stunden. In München stieg die Zahl der seit Ausbruch der Pandemie Infizierten auf mehr als 12 000. Hamburg meldete einen Tageszuwachs von 112, Köln 72 neue Fälle. Besonders hohe Zunahmen gibt es noch immer in Berlin, wo allein in den fünf am stärksten betroffenen Bezirken 196 neue Fälle gezählt wurden.

© SZ vom 08.10.2020/jsa
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