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Großbritannien:Johnsons Zustand stabil - Sorgen um "Machtvakuum"

FILE PHOTO: British PM Johnson addresses coronavirus outbreak at Downing Street in London

Boris Johnson auf einer Pressekonferenz im März: Es wird wohl noch dauern, bis sich der Premier von seiner Erkrankung erholt hat.

(Foto: Simon Dawson/Reuters)
  • Der am Coronavirus erkrankte Premier Johnson bleibt auf der Intensivstation, er spreche auf die Behandlung an, heißt es aus der Downing Street.
  • Es wird dauern, bis Johnson wieder mit voller Kraft arbeiten kann.
  • Dieser Zustand eines länger abwesenden Regierungschefs ist in Großbritannien nicht wirklich vorgesehen.

Die zweizeilige Nachricht aus der Downing Street war bewusst neutral gehalten: Der Premier bleibe auf der Intensivstation des St. Thomas' Hospitals, sein Zustand sei aber stabil, er spreche auf die Behandlung an. Wie gut, wie schlecht, wie lange noch - über all das mochte sich die Sprecherin des Premiers nicht einlassen, als sie das Ärzte-Bulletin verknappt an die Nation weiterreichte. Klar ist also, was Mediziner schon seit Boris Johnsons Einlieferung in die Klinik am Sonntagabend voraussagten: Es wird dauern, bis der Regierungschef, der schwer an der Infektion mit dem Coronavirus erkrankt ist, wieder mit voller Kraft arbeiten kann.

Dieser Zustand eines länger abwesenden Regierungschefs ist in Großbritannien nicht wirklich vorgesehen. Und so drucken viele Blätter Kommentare über ein "drohendes Machtvakuum", Verfassungsjuristen schlagen vor, spätestens nach Ende dieser Krise auch formal die Funktion eines "Vizekanzlers oder einer Vizekanzlerin" einzuführen. Derweil regiert das Kabinett im Kollektiv, angeführt von Außenminister Dominic Raab.

Das vor etwa zwei Wochen verabschiedete Notgesetz, das der Regierung stark erweiterte Durchgriffsrechte einräumt, sieht vor, dass die derzeitigen Maßnahmen alle 21 Tage überprüft werden - das wäre am Ostermontag. Die Regionalregierung in Cardiff hat aber bereits angekündigt, der Lockdown in Wales bleibe bis auf Weiteres. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan teilte mit, die schrittweise Öffnung von Läden und staatlichen Stellen sei in weiter Ferne. Da die Todeszahlen steigen und von Dienstag auf Mittwoch 828 Menschen nur in England am Virus starben, wäre eine Lockerung überraschend. In Birmingham soll am Freitag noch ein eilig errichtetes Notkrankenhaus eröffnen. Das "Nightingale" in einem Londoner Kongresszentrum nahm am Dienstag erste Patienten auf.

Verwirrung stiftete eine Nachricht vor allem bei Tierliebhabern: Es hatte die Runde gemacht, dass die Britische Gesellschaft der Veterinäre Katzenbesitzer auffordere, ihre Tiere in der Wohnung zu halten. Viele interpretierten das als Hinweis, Katzen könnten das Virus übertragen. Die Tierärzte intervenierten prompt: Gefährlich könnten Katzen nur für Menschen sein, die sich isolierten oder erkrankt seien, weil sie womöglich Anhaftungen im Fell ins Haus trügen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sie das Virus auf Menschen übertrügen.

© SZ vom 09.04.2020/fie

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