Corona:Apotheken stellen keine Impfzertifikate mehr aus

In ganz Deutschland haben Apotheken die Ausgabe von Corona-Impfnachweisen gestoppt. Der Grund: IT-Experten haben sich offenbar durch eine Sicherheitslücke Zugang zum System verschafft - und konnten so gefälschte Impfdokumente ausdrucken.

Apotheken in ganz Deutschland können seit Mittwoch keine Corona-Impfzertifikate mehr ausstellen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) teilte am Donnerstag mit, dass die Ausstellung von Zertifikaten in Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium gestoppt worden sei.

Nach Darstellung des Verbandes war es der Wirtschaftszeitung Handelsblatt gelungen, "mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten" auf dem DAV-Server einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber zu erzeugen. Unter dieser "gefälschten Apotheken-Identität" seien dann zwei Impfzertifikate ausgestellt worden. Nach einem entsprechenden Hinweis der Zeitung habe der Verband die Ausstellung der digital nutzbaren Zertifikate bereits am Mittwoch gestoppt. Aktuell würden deshalb die angemeldeten Apothekenbetriebe einer Überprüfung unterzogen. Doch habe es bis zum Donnerstag keine Hinweise auf andere unberechtigte Zugänge gegeben.

Das Handelsblatt teilte mit, es sei richtig, dass es eine gravierende Sicherheitslücke bei der Erstellung digitaler Impfnachweise aufgedeckt habe. "Jedoch hat nicht das Handelsblatt selbst sich einen Zugang zum System verschafft; zwei IT-Sicherheitsspezialisten haben die Schwachstelle offengelegt und damit demonstriert, dass es bei dem Portal deutliche Mängel gibt", sagte eine Verlagssprecherin.

Laut DAV sind von den fast 17 900 Apotheken, die digitale Impfausweise ausstellen, nur 470 über einen Gastzugang an das Portal zur Ausgabe der mit einem QR-Code versehenen Zertifikate angeschlossen. Bei diesen Gästen handelt es sich demnach um Apotheken, die nicht Mitglied in einem der Landesapothekerverbände sind. Diese müssten zur Registrierung unter anderem ihre amtliche Betriebserlaubnis vorlegen. Einen unberechtigten Zugang "in betrügerischer Absicht" zu erlangen, sei "nur mit erheblichem Aufwand und krimineller Energie denkbar", erklärte der Verband.

Daher sei davon auszugehen, dass die über 25 Millionen Impfzertifikate, die bisher ausgestellt worden seien, alle von rechtmäßig registrierten Apotheken stammen. Wann die Apotheken wieder Impfzertifikate ausstellen können, steht nach Angaben des DAV noch nicht fest.

© SZ/dpa/sz/jbb
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