Süddeutsche Zeitung

Coronavirus:"Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm"

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Von Anna Ernst

Seit Wochenbeginn gelten bundesweite Ausgangsbeschränkungen. Aber was haben sie bislang effektiv gebracht? In der Bundespressekonferenz in Berlin mahnt Gesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstagmittag weiterhin die Einhaltung aller Regeln an. Über die aktuelle Situation der Virus-Ausbreitung sagt der Minister: "Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm." Natürlich werde es "eine Zeit nach Corona geben". Es werde aber auch eine Zeit geben, in der sich das Leben erst schrittweise wieder normalisieren müsse.

Zum jetzigen Zeitpunkt allerdings könne noch keine Angabe gemacht werden, ob sich die Lage derzeit bereits abschwäche, sagt Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Institus (RKI). In einigen Landkreisen würden die Fälle noch stark steigen, in anderen würden weniger neue Infektionen gemeldet. Die individuell verschiedenen politischen Maßnahmen seien daher sinnvoll.

In der EU sind dem RKI zufolge derzeit 174 000 Corona-Infektionen gemeldet. Allein in Deutschland gebe es seit Mittwoch etwa 5000 neu gemeldete Fälle. Die etwa 200 Verstorbenen in Deutschland waren Wieler zufolge im Durchschnitt 81 Jahre alt. Männer seien nach wie vor häufiger vom Virus betroffen als Frauen.

Bei der Anzahl der Corona-Tests sieht Spahn Deutschland derzeit als weltweiten Spitzenreiter. Mehr als 360 000 Tests könnten derzeit wöchentlich vogenommen werden. Wer sich testen lassen soll und darf, war zuletzt auf Empfehlung des RKI angepasst worden: "Generell sollten nur Menschen getestet werden, die Symptome zeigen", sagt Wieler. Die Ärzteschaft befürwortet das. "Wir haben nicht die Kapazitäten, um 83 Millionen Menschen einfach mal durchzutesten", unterstreicht Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung. Die ärztliche Empfehlung zu einem Test sei nötig und wichtig, um mit den Testkapazitäten "schonend und sinnvoll" umzugehen.

Allein in Berlin seien mehr als hundert Praxen bereits geschlossen worden - entweder als Quarantänemaßnahmen oder aus Materialknappheit, weil nicht genügend Schutzausrüstung zur Verfügung steht. Die Preise für Masken, die früher Centbeträge gekostet hätten, würden derzeit auf mehrere Euro steigen, unterstreicht Gesundheitsminister Spahn auf Nachfrage. Es sei eine Situation "wie am Goldmarkt".

Um bei steigenden Fallzahlen künftig einen Überblick über freie Intensivbetten zu haben, ist ein neues Portal geschaffen worden: 670 Kliniken in Deutschland - das seien 60 bis 70 Prozent - haben sich derzeit eingeschrieben und melden live, wie viele Kapazitäten vorhanden sind, erklärt Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. RKI-Präsident Wieler fordert, die Zahl der Beatmungsplätze in den Kliniken mindestens zu verdoppeln.

Parallel läuft die Forschung weiter: In mehreren klinischen Studien wird getestet, welche Medikamente zur Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden können. Diese Studien finden nicht nur weltweit, sondern auch vor Ort in den deutschen Gesundheitszentren statt, erklärt Susanne Herold, Lungenärztin des Uniklinikums Gießen.

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