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Coronavirus weltweit:Neuseeland verschiebt wegen Pandemie Parlamentswahl

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Die Parlamentswahl in Neuseeland wird um vier Wochen verschoben. Sie habe die Entscheidung getroffen, nachdem sie sich mit den Chefs aller im Parlament vertretenen Parteien beraten habe, sagte Premierministerin Jacinda Ardern. Die Wahl soll nun am 17. Oktober stattfinden. "Letztendlich will ich sicherstellen, dass wir eine gut laufende Wahl haben, die allen Wählern die besten Chancen gibt, alle notwendigen Informationen über Parteien und Kandidaten zu haben, und Sicherheit für die Zukunft bietet", sagte Ardern. Umfragen deuten daraufhin, dass sie mit ihrer Labourpartei eine zweite Amtszeit gewinnt.

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Neuseeland kämpft mit dem jüngsten Ausbruch des Coronavirus in der größten Stadt des Landes, Auckland. Die Oppositionsparteien hatten um eine Verschiebung der Wahl gebeten, nachdem die Regierung für Auckland eine zweiwöchige Ausgangssperre verhängt hatte, wodurch auch der Wahlkampf unterbrochen wurde.

Libanons Gesundheitsminister fordert zweiwöchigen Lockdown

Der Gesundheitsminister der libanesischen Übergangsregierung, Hamad Hassan, schlägt Alarm wegen drastisch steigender Covid-19-Fälle. "Wir brauchen eine mutige Entscheidung, das Land für zwei Wochen zu schließen", sagte er laut örtlichen Medien im Sender "Stimme des Libanon". Die Pandemie im Land drohe außer Kontrolle zu geraten.

Ähnlich besorgt äußerte sich der Direktor eines Regierungskrankenhauses in Beirut, Firas Abiad. Er warnte vor einem bereits jetzt durch Wirtschaftskrise und die Folgen der Explosion vom 4. August angeschlagenes Gesundheitssystem. Ein Anstieg der Corona-Fälle drohe die Kapazitäten der Krankenhäuser zu übersteigen.

Libanon hat in der vergangenen Woche Rekordzahlen bei den Neuinfektionen verzeichnet, darunter am Sonntag mit 439 neuen Coron-Fällen die höchste Zahl an Neuerkrankungen an einem Tag. Die Zahl der Todesfälle stieg auf 103. Nach Angaben der Gesundheitsberaterin des Ministerpräsidenten Hassan Diab, Petra Khoury, stieg der Anteil der positiv getesteten Personen binnen vier Wochen von 2,1 auf 5,6 Prozent. "Eine Rate von mehr als 5 Prozent ist eine echte Bedrohung für unser Land", so Khoury laut Berichten.

Italien schließt Diskotheken wegen Corona-Risiken

Italien schließt wegen wieder steigender Corona-Zahlen alle Diskotheken im Land. Das teilte Gesundheitsminister Roberto Speranza mit. Die Schließung soll am Montag in Kraft treten und bis mindestens zum 7. September gelten. Unter die Verschärfung fallen auch Strand-Diskos im Freien, sowie alle anderen Tanz-Events draußen. Außerdem ordnete die Regierung an, dass in der Zeit zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens auf Plätzen und bei Ansammlungen vor Lokalen eine Maskenpflicht gilt.

Grund für die Verschärfung ist die steigende Zahl von Coronavirus-Infektionen besonders unter jungen Menschen. In den vergangenen Tagen hatte es viele Berichte über Feiern ohne Abstand und Maske gegeben. Wissenschaftler und Politiker hatten gewarnt, dass ein Anstieg der Infektionen die Wiedereröffnung der Schulen in Gefahr bringen könnte. In Italien soll der Unterricht nach den Sommerferien am 14. September wieder beginnen. Minister Speranza schrieb auf Facebook: "Wir können die Entbehrungen nicht wieder zunichtemachen, die wir in den letzten Monaten hinnehmen mussten. Unsere Priorität muss die Wiedereröffnung der Schulen in völliger Sicherheit im September sein."

Am Sonntag registrierten die Behörden 479 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb von 24 Stunden. Samstag hatte der Wert noch höher gelegen, nämlich bei 629. Fast 35 400 Menschen sind in dem Land offiziell seit dem Ausbruch der Pandemie im Februar mit oder an Corona gestorben.

WHO meldet Rekord an Corona-Neuinfektionen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Wochenende innerhalb von 24 Stunden weltweit so viele neue Corona-Infektionen gemeldet wie nie zuvor. Die Zahl lag bei fast 300 000, wie die WHO am Samstagabend berichtete. Insgesamt sind damit seit Bekanntwerden des neuen Coronavirus Ende vergangenen Jahres weltweit mehr als 21 Millionen Infektionen gemeldet worden. Die Dunkelziffer ist nach Einschätzung von Experten erheblich. In manchen Ländern werden viele, in anderen nur wenige Menschen auf das Virus getestet.

Den vorherigen Rekord verzeichnete die WHO am 31. Juli mit etwas über 292 000 neu gemeldeten Fällen innerhalb von 24 Stunden. Nach absoluten Zahlen sind die bevölkerungsreichen Länder USA, Brasilien und Indien mit mehr als jeweils 100 000 neuen Fällen innerhalb von sieben Tagen am stärksten betroffen.

Britische Urlauber verlassen hastig Frankreich

Britische Frankreichtouristen haben zu Tausenden ihren Urlaub abgebrochen, um noch vor Inkrafttreten einer Quarantäneregel wieder im Vereinigten Königreich zu sein. Flugzeuge, Züge und Fähren waren am Freitag gut gefüllt. Der Betreiber des durch den Ärmelkanaltunnel verkehrenden Autozugs berichtete, in der Stunde nach Bekanntwerden der neuen Regel seien 12 000 Tickets gebucht worden. Sonst seien ein paar Hundert üblich, sagte ein Sprecher.

Den Exodus hatte die britische Regierung ausgelöst, als sie Frankreich am Donnerstagabend von der Liste der Staaten nahm, für die eine Ausnahme von der Quarantäne-Regel gilt. Das bedeutet, wer nach Samstag 4 Uhr von einer Frankreichreise heimkehrt, muss zwei Wochen zu Hausse in Isolation bleiben. Besonders hart trifft das Menschen, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, weil ihnen dadurch Urlaub oder Verdienst verloren geht.

Bei der Fluggesellschaft British Airways hoben die Preise ab. Am Freitagabend kostete ein Ticket von Paris nach London rund 500 Euro. Nach Ablauf der Frist am Samstag waren es dann noch 66 Pfund. Auch die Fährgesellschaften langten kräftig zu. In Frankreich sorgten sich Campingplätze und beliebte Reiseziele etwa in der Bretagne und an der Loire wegen ausbleibender Gäste, zumal viele Briten ihre geplanten Reise jetzt womöglich gar nicht erst antreten.

Die Regierung in Paris ließ durchblicken, dass sie mit ähnlichen Regeln für französische Reisende in Großbritannien reagieren könnte. Frankreich hatte am Freitag 2846 neue Coronavirus-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. In Großbritannien waren es nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität 1461.

Dänemark schafft Sechs-Tage-Regel für Touristen ab

Touristen müssen bei der Einreise nach Dänemark künftig nicht mehr nachweisen, dass sie mindestens sechs Übernachtungen im Land gebucht haben. Darauf einigten sich Regierung und Parlamentsparteien am Freitag nach stundenlangen Verhandlungen. Touristen durften unter den nun gelockerten Bedingungen seit Mitte Juni wieder nach Dänemark einreisen - bislang waren jedoch nur Einwohner Schleswig-Holsteins von der Sechs-Tage-Regel ausgenommen.

Wie aus einer am späten Abend veröffentlichten Vereinbarung hervorgeht, wird die maximale Teilnehmerzahl für Versammlungen weiter bei 100 belassen. Über eine mögliche Lockerung soll demnach im September neu diskutiert werden. Restaurants, Kneipen und Cafés dürfen statt bis Mitternacht jetzt bis 2 Uhr öffnen, Nachtclubs und Diskotheken bleiben bis Ende Oktober weiter dicht.

Dänemark hatte im März zu Beginn der Corona-Krise strikte Maßnahmen ergriffen und die Ausbreitung des Coronavirus damit vergleichsweise schnell unter Kontrolle bekommen. Seit einigen Wochen nehmen die Infektionsfälle aber wieder zu, unter anderem durch lokale Ausbrüche in der zweitgrößten Stadt Aarhus sowie bei einem Schlachtbetrieb in Ringsted.

Frankreich erklärt Paris wieder zum Risikogebiet

Frankreichs Hauptstadt Paris gilt wegen der steigenden Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder als Zone, in der das Virus aktiv zirkuliert. Ein entsprechender Erlass wurde am Freitag veröffentlicht. Auch das Département Bouches-du-Rhône, in dem die Stadt Marseille liegt, ist von der neuen Einstufung betroffen. Das bedeutet, dass die regionalen Behörden dort das öffentliche Leben einschränken können - theoretisch etwa durch das Schließen von Restaurants oder Märkten oder die Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Die Städte Paris und Marseille seien aktuell besonders gefährdet, sagte der Direktor der nationalen Gesundheitsbehörde, Jerôme Salomon, am Freitag. In etwa 20 weiteren Départements sei man aktuell besonders wachsam. Die Behörden hatten zuvor bereits gewarnt, dass die Zahl der Neuinfektionen in den Metropolen besonders bei jungen Menschen steige. "Es sind dicht besiedelte Orte, Orte mit vielen Bevölkerungsströmen, viel Verkehr, vielen jungen Menschen, die intensiv sozial aktiv sind", so Salomon.

Ob es in der Folge konkrete Maßnahmen in Paris oder Marseille geben wird, war noch offen. Schaut man etwa in Paris auf die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner, liegt die Stadt mit mehr als 60 Fällen in der roten Zone. Blickt man allerdings auf die Auslastung der Intensivbetten, ist die Stadt bisher im grünen Bereich gewesen. Insgesamt ist Frankreich mit mehr als 30 000 Toten schwer von der Coronavirus-Pandemie getroffen.

Außerdem gab Frankreich heute bekannt, dass das Land auf die britische Quarantänepflicht für Reisende aus Frankreich reagieren und eine gleichwertige Maßnahme für Reisende aus Großbritannien einführen werde. Man bedauere die britische Entscheidung und hoffe auf eine baldige Rückkehr zur Normalität, teilte Europa-Staatssekrektär Clément Beaune am Freitag via Twitter mit. Reisende aus Frankreich und den Niederlanden müssen nach ihrer Ankunft in Großbritannien von diesem Samstag an wieder in eine zweiwöchige Selbstisolation gehen.

Am Freitag meldete Frankreich 2846 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden und damit bereits den dritten Tagesrekord in Folge seit dem Ende der Ausgangssperren.

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