Corona und die FilmindustrieTraumfabrik verlegt

Lesezeit: 2 Min.

Hollywood dreht wieder - aber kaum noch in Hollywood.

Von David Steinitz

Tom Cruise muss nicht in Corona-Quarantäne. Das verhandelte der 58-jährige Hollywoodstar mit der britischen Regierung per Videokonferenz. Kulturstaatssekretär Oliver Dowden verkündete auf Twitter, es sei "toll" gewesen, mit Cruise zu sprechen, und man werde für Filmemacher, die in England drehen wollen, eine Ausnahmeregelung einführen.

US-Großproduktionen sind für England ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Cruise möchte auf dem Gelände der Warner-Studios in Hertfordshire nördlich von London die Dreharbeiten zu "Mission: Impossible" Teil sieben und acht fortsetzen. Die Aufnahmen zu den beiden Sequels, die am Stück gedreht werden, waren im Frühjahr durch die Pandemie unterbrochen worden, als die Crew gerade in Italien Station machte.

Ähnlich erging es dem Produktionsteam von "Jurassic World: Dominion", das erst vier von zwanzig Drehwochen geschafft hatte, als Covid-19 zuschlug. Auch für den nächsten Teil der Dino-Reihe soll es in dieser Woche in London weitergehen. Das Studio Universal hat laut der Branchenzeitschrift Variety um die fünf Millionen Dollar für zusätzliche Sicherheits- und Hygienemaßnahmen am Set ausgegeben, unter anderem für ein eigenes Ärzteteam.

Es sieht so aus, als würde die Pandemie einen Effekt verstärken, der sich schon vor dem Viruswahnsinn abgezeichnet hat: Hollywoodfilme werden fast überall auf der Welt gedreht - nur immer seltener in Hollywood. Bislang lag die Flucht aus Kalifornien vor allem daran, dass andere Bundesstaaten und europäische Länder wie England oder Ungarn gezielt mit finanziellen Anreizen um Hollywoodfilme geworben haben, zum Beispiel mit Steuernachlässen oder staatlichen Fördergeldern. Denn Filmproduktionen bringen nicht nur Glamour und Prestige mit sich, sie geben vor Ort auch meist deutlich mehr aus, als man ihnen gibt und stärken einen Standort ökonomisch.

Weil Kalifornien derzeit besonders von Corona betroffen ist, und weil sich die Behörden ausgerechnet dort, in Hollywoods Heimat, lange Zeit gelassen haben mit der Verabschiedung von Leitlinien für Dreharbeiten, weitet sich die Flucht aus. Neben Europa ist der US-Bundesstaat Georgia mit seiner Hauptstadt Atlanta schon länger ein beliebter Produktionsstandort. Dort sind die Infektionszahlen auch nicht niedrig, aber niedriger als in Kalifornien - und man war zwei Wochen schneller mit den Sicherheitskonzepten. Außerdem werden dort laut Hollywood Reporter mehrere neue Filmstudios gebaut, bei denen die Infrastruktur auch potenzielle künftige Pandemien mit Hygienekonzepten berücksichtigen soll. Sylvester Stallone soll bald eintreffen, um den Actionfilm "Samaritan" zu drehen, Netflix will in Georgia die nächste Staffel der Hit-Serie "Stranger Things" realisieren.

Dass endlich wieder gedreht wird, egal wo, darauf warten besonders dringend die Firmen für digitale Spezialeffekte mit ihren Heerscharen an Programmierern. Jonny Slow, Chef der Trickschmiede Pixomondo, die unter anderem die Drachen für "Game of Thrones" animiert hat, schlug kürzlich Alarm, dass der Branche langsam die Aufträge ausgingen. Er dürfte sich also freuen, dass Tom Cruise nicht in Quarantäne muss.

© SZ vom 07.07.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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