Corona-Tests:Fälschen, um zu sparen?

Coronavirus-Schnelltest - Niedersachsen bekommt neue Verordnung

Auf dem Weg zum Restaurant noch schnell zum Testen: Vom 11. Oktober an ist das nicht mehr umsonst.

(Foto: Julian Stratenschulte/DPA)

Corona-Schnelltests kosten vom 11. Oktober an Geld, sind im PDF-Format aber leicht zu manipulieren. Das könnte zum Betrug verleiten - dabei erhöhen falsche Tests das Ansteckungsrisiko. Experten sind besorgt.

Von Linus Freymark und Leonard Scharfenberg, Berlin

Es ist ziemlich simpel, sich selbst ein falsches Zertifikat über einen aktuellen negativen Corona-Schnelltest auszustellen. Ein abgelaufener, im PDF-Format ausgestellter Testbefund, ein paar Klicks im Internet: Fertig ist die gefälschte Bescheinigung, mit der man Zutritt zu jenen Bereichen des öffentlichen Lebens erhält, in denen die 3-G-Regel gilt. Denn PDF-Dokumente lassen sich mithilfe frei verfügbarer Programmen in wenigen Sekunden so umwandeln, dass man sie bearbeiten kann - bis hin zur Veränderung des Testdatums oder des Namens der getesteten Person.

Bislang waren gefälschte Testbescheide noch kein Thema, mit dem sich die Politik auseinandersetzen musste. Doch vom 11. Oktober an müssen ungeimpfte Personen die bislang kostenlosen Schnelltests selbst bezahlen. Weil erst 64,7 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland vollständig geimpft sind, geht in einigen kommunalen Gesundheitsbehörden deshalb nun eine Sorge um: Dass ab Mitte Oktober womöglich mehr gefälschte Testzertifikate im Umlauf sein werden.

Aus dem Münchner Gesundheitsreferat etwa ist zu hören, die Zahlungspflicht bei Tests könnte "zu vermehrten Betrugsfällen führen". Auch das Bayerische Gesundheitsministerium hegt Befürchtungen: Es will die Situation genau beobachten und die Problematik gegebenenfalls im Bund ansprechen, heißt es auf Anfrage von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR. Denn für die Regeln zu Corona-Schnelltests ist (laut COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung) die Bundesregierung zuständig. Genauer: das Bundesgesundheitsministerium.

Das von Jens Spahn (CDU) geführte Haus hält sich auf Anfrage bedeckt. Das Ministerium belässt es dabei, auf den Tatbestand der Urkundenfälschung hinzuweisen, dieser sei durch die Fälschung von Schnelltest-Zertifikaten erfüllt. Und es verweist auf die CovPass-Check-App und die Corona-Warn-App: Über diese beiden Apps würden mittlerweile viele Schnelltest-Ergebnisse ausgegeben, Manipulationen seien hier nur sehr schwer möglich. Gerade mit der CovPass-Check-App existiere "ein wirksames Instrument, die Gültigkeit von digitalen Testzertifikaten zu überprüfen."

Doch nicht jeder Bürger besitzt ein Smartphone und hat eine der beiden Apps installiert, mit der er seinen Testbefund vorzeigen kann. Deshalb werden die Nachweise nach wie vor auch als PDF-Dokumente ausgestellt, obwohl diese alles andere als fälschungssicher sind. Aus Gründen der gesellschaftlichen Teilhabe sei es dennoch wichtig, eine Alternative zu den Apps beizubehalten, heißt es aus dem Bayerischen Gesundheitsministerium. Das Münchner Gesundheitsreferat aber warnt, es könne sich im Extremfall verheerend auswirken, dass PDF-Dokumente so leicht zu fälschen sind: "Der Missbrauch von gefälschten Tests durch infizierte Personen würde ein Infektions- und Gesundheitsrisiko für die Münchner Bürger*innen darstellen".

Allerdings stehen hohe Strafen auf das Fälschen der Zertifikate. In besonders schwerem Fall kann eine Urkundenfälschung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet werden. Das könnte potenzielle Täter abhalten. Andererseits ist die Gefahr, dass der Betrug auffliegt, vergleichsweise gering. Manipulationen sind bei Kontrollen schwer zu erkennen - erst recht, wenn sie von Kellnern und Kellnerinnen durchgeführt werden, die eher damit beschäftigt sind, Gäste mit Speisen und Getränken zu versorgen, als die Richtigkeit ihrer Testnachweise zu überprüfen.

Im Bundestag hat man das Problem inzwischen wahrgenommen. Die Grünen etwa fordern, die Schnelltest-Zertifikate sicherer zu machen, indem man die Regelung so ändert, dass Ergebnisse nur noch über die Apps oder mit einem fälschungssicheren QR-Code ausgestellt werden dürfen. "Mit einer bloßen Bescheinigung wird dem Betrug Tür und Tor geöffnet", sagt die gesundheitspolitische Sprecherin Kordula Schulz-Asche. Durch das Ende der Kostenübernahme, drohe hier eine "große Gefahr". Ähnlich klingt Spahns Parteikollege Erwin Rüddel (CDU): "Gerade jetzt, wo man etwas zahlen muss, kann ich mir vorstellen, dass das ein Problem wird", sagt der Gesundheitsausschuss-Vorsitzende, dann müsse man dem "zügig einen Riegel vorschieben". Fälscher gefährdeten schließlich Menschen, die sich durch das Zertifikat in Sicherheit wiegen.

"Formulare in PDF- oder Papierform bergen immer ein Fälschungspotenzial", räumt eine Sprecherin des Bayerischen Gesundheitsministeriums ein. Auch im Münchner Gesundheitsreferat denkt man deshalb darüber nach, ob die Testnachweise sicherer werden können. Bislang ohne praktikables Ergebnis: "Möglichkeiten, das Papier fälschungssicher zu machen, sind mit einem hohen Aufwand verbunden und müssten berücksichtigen, dass die Kontrollanforderungen für die kontrollierenden Stellen praktikabel und zumutbar sein müssen."

Aus dem Bundesgesundheitsministerium, der eigentlich zuständigen Stelle, kommt auf die Frage, wie sich das Fälschen von Testergebnissen erschweren ließe, keine Antwort.

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