Corona-Pandemie:Streit ums Skifahren

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Deutschland, Italien und Frankreich wollen erreichen, dass die europäischen Wintersportgebiete schließen. Österreich und die Schweiz wehren sich.

Von Thomas Kirchner, München

Zwischen den Alpen-Anrainern bahnt sich ein heftiger Streit über die Schließung von Skigebieten während der Festtage an. Während Deutschland, Frankreich und Italien in einer gemeinsamen Initiative auf diesen Schritt dringen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen, sperren sich Österreich und die Schweiz. In beiden Ländern ist der Ski-Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Den Anstoß zu der Initiative hatte Italiens Premier Guiseppe Conte gegeben. Er schlug vor, mit der Saisoneröffnung bis zum 10. Januar zu warten - und zwar länderübergreifend. Nach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schloss sich nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an. "Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten", sagte sie am Donnerstag im Bundestag. Einfach werde das nicht, sagte sie mit Blick auf "Verlautbarungen" aus Österreich, "aber wir werden es noch einmal versuchen".

Neben der Infektionsgefahr durch den Ski- und Hüttenbetrieb spielt die Sorge eine Rolle, dass es bei uneinheitlichem Vorgehen zu Wettbewerbsverzerrungen kommt. Darauf wiesen etwa die deutschen Skilift-Betreiber hin, die um ihre Existenz bangen. "Es muss eine europäische Lösung geben: Dass alle aufmachen oder alle zubleiben", sagte ein Verbandsvertreter. Außerdem will die Politik vermeiden, dass die Grenzen zwischen den betroffenen Staaten wieder geschlossen werden müssen.

Österreich will sich dem Vorschlag nicht anschließen. Sie könne ihm nichts abgewinnen, sagte Tourismus-Ministerin Elisabeth Köstinger. Eine Schließung der Skigebiete hänge "immer mit den Infektionszahlen zusammen, und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz. In den bergigen Bundesländern hatte sich lautstarker Protest erhoben. Die Branche verweist darauf, dass man genug Zeit gehabt habe, um Hygienekonzepte zu entwickeln. Es bestehe kaum Ansteckungsgefahr. Für den Fall, dass ausländische Gäste wegbleiben und nur noch Einheimische Ski fahren, wird mit einem Verlust von bis zu einer Milliarde Euro Umsatz gerechnet. Finanzminister Gernot Blümel forderte die EU auf, die Kosten zu übernehmen.

Ähnliche Signale kommen aus der Schweiz, wo einige hoch gelegene Liftanlagen schon in Betrieb sind. Eine Schließung der Gebiete während der Festtagszeit sei "im Moment nicht vorgesehen", erklärte das Bundesamt für Gesundheit. Auch hier betonen die Verantwortlichen, dass man viel unternommen habe und kein Risiko bestehe. "Skifahren findet in erster Linie draußen statt", sagte Urs Zurbriggen, Tourismusdirektor von Leukerbad.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die italienische Initiative schon am Mittwoch begrüßt. Auf den Widerstand der Alpen-Nachbarn reagiert die Staatsregierung, indem sie nun auch bei Tagesausflügen in die betreffenden Länder - etwa zum Skifahren - nach der Rückkehr eine Quarantänezeit von zehn Tagen vorschreibt. Der Verdienstausfall währenddessen wird nicht mehr ersetzt.

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