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Corona-Pandemie:Mit Vorsicht um die Welt

Zum 1. Oktober endet die globale Reisewarnung. Danach soll ein differenzierteres System das Virus in Schach halten.

Von Daniel Brössler, Berlin

Es war ein dramatischer, in der Geschichte der Bundesrepublik nie dagewesener Akt. Am 17. März verkündete Außenminister Heiko Maas (SPD) eine weltweite Reisewarnung. Vor "nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland" wurde wegen der Corona-Pandemie und ihrer Folgen gewarnt. Ausnahmen galten nur für die Staaten der EU und des Schengen-Raums sowie Großbritannien. Nach mehr als einem halben Jahr läuft diese globale Warnung nun aus. Ab 1. Oktober gilt stattdessen ein differenzierteres System, das auch bei Ländern außerhalb Europas die tatsächliche Gefahrenlage berücksichtigt. Das kommt den Wünschen der Reisebranche entgegen, ändert in der Praxis aber erst einmal wenig.

Wirklich grünes Licht kommt vom Auswärtigen Amt zunächst nur für zwei Staaten: Tunesien und Georgien. Sie gehören weltweit zu großen Ausnahmen, weil sie einerseits vom Robert-Koch-Institut nicht als Risikogebiete eingestuft werden, sich aber auch andererseits nicht aus Angst vor steigenden Infektionszahlen vor Touristen abschotten. Allerdings kann auch dort sich die Lage schnell ändern. Wo heute keine Warnung gilt, kann sie morgen ausgesprochen werden - und umgekehrt.

Im Prinzip kehrt das Auswärtige Amt nun zur Praxis zurück, die auch vor der Pandemie galt und wie sie auch schon für Europa angewandt wird. Jedes Land wird für sich betrachtet. Damit teilt sich die Welt für Deutsche, die sie bereisen wollen, in drei Kategorien: Länder, vor denen als Reiseziel für Touristen gewarnt wird. Länder, von denen als Reiseziel abgeraten wird. Und schließlich die auf absehbare Zeit kleine Zahl von Ländern außerhalb Europas, für die eine "Freigabe" gilt.

Wenn Reisewarnungen ausgesprochen werden, können Touristen in der Regel kostenfrei stornieren. Bei der Aktualisierung der Listen orientiert sich das Auswärtige Amt an denselben Regeln wie sie bereits für Europa angewandt werden, wo etwa vor Reisen in Teile Frankreichs und Österreichs oder nach Tschechien gewarnt wird. Das Auswärtige Amt stimmt sich hierfür einmal wöchentlich mit dem Robert-Koch-Institut sowie mit dem Innen- und dem Gesundheitsministerium ab. Wichtigstes Kriterium ist die Zahl der Neuinfektionen pro Hunderttausend Einwohner. Liegt sie im Verlauf einer Woche bei über 50, führt das zur Einstufung als Risikogebiet. Das gilt derzeit für die meisten Staaten Afrikas, Südamerikas, aber etwa auch für Indien. In einigen Staaten ist die Lage zwar entspannter. Aber gerade dort wird Touristen häufig die Einreise verwehrt, etwa in Australien, Kanada und China. Von Reisen in diese Länder rät das Auswärtige Amt ab. Für die Türkei bleibt es bei einer Sonderregelung für vier Küstengebiete, in denen sich Touristen vor der Rückreise testen lassen müssen. Damit bleibt ihnen ein Corona-Test in Deutschland erspart. Reiseverbote kann das Auswärtige Amt nicht aussprechen. Wer als Tourist aus Risikogebieten zurückkehrt, unterliegt aber den Quarantäne-Regeln.

© SZ vom 30.09.2020

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