Corona-Opfer:Auffällig viele Tote

Coronavirus - Landkreis Regen

In Deutschland starben 2020 bis Mitte November mehr Menschen als im Durchschnitt der Vorjahre.

(Foto: Armin Weigel/picture alliance/dpa)

Wie sich mit Statistik die Corona-Toten erfassen lassen.

Von Christian Endt

952 neue Todesfälle meldete das Robert-Koch-Institut im Zusammenhang mit Covid-19 am Mittwoch, ein trauriger Rekord. Zum Teil lässt sich die hohe Zahl damit erklären, dass am Vortag vergleichsweise wenig gemeldet wurde, aus Sachsen etwa kein einziger Verstorbener. Das hatte mit einer Übermittlungspanne zu tun, aber stärkere Schwankungen in der Statistik treten immer wieder auf, weil etwa am Wochenende weniger Meldungen eingehen.

Darüber hinaus wird die Aussagekraft der Todeszahl immer wieder in Zweifel gezogen, schließlich lässt sich nicht unmittelbar feststellen, ob ein Teil der Verstorbenen schon vor der Infektion dem Lebensende nahe war. Andererseits dürfte es Patienten geben, die an Covid-19 versterben, ohne dass ein Labor die Infektion vorher bestätigt hatte - sie fehlen dann in der Statistik. Als besonders unbestechlicher Indikator für die Folgen der Pandemie gilt die Gesamtsterblichkeit in der Bevölkerung. Hierbei zählen Statistiker alle Verstorbenen in einem bestimmten Zeitraum, unabhängig von der Todesursache. Diese Zahl lässt sich mit einem Mittelwert aus den Vorjahren vergleichen. Liegt das aktuelle Ergebnis deutlich über diesem Durchschnitt, gibt es eine sogenannte Übersterblichkeit.

Die erste Welle lief vergleichsweise glimpflich ab

Ein Blick auf die Sterblichkeit bestätigt den Eindruck, dass Deutschland die erste Welle im Frühjahr vergleichsweise gut gemeistert hat. Für diesen Zeitraum entspricht die Zahl der Verstorbenen in etwa dem Mittel der Vorjahre. Die schwere Grippewelle des Jahres 2018 führte dagegen zu einer deutlichen Übersterblichkeit.

Die Statistikbehörden veröffentlichen die Sterbezahlen mit einer Verzögerung von mehreren Wochen. Für Herbst und Winter lässt sich daher noch nicht allzu viel ablesen. Zwischen 1. Januar und 15. November sind in Deutschland demnach 835 106 Menschen verstorben, das sind 14 947 mehr als im Durchschnitt der Vorjahre. Die Übersterblichkeit ist bis Mitte November also moderat, liegt aber etwas höher als die Zahl der in diesem Zeitraum gemeldeten Corona-Toten (13 544). Im derzeit besonders schwer von der Pandemie getroffenen Sachsen liegt die Sterblichkeit dagegen deutlich über Normalmaß. Allein in der zweiten Novemberwoche starben dort 1321 Menschen, der Mittelwert liegt bei 1040. Einer Auswertung von Statistikern an der Ludwig-Maximilians-Universität München zufolge betrifft die Übersterblichkeit vor allem die Altersgruppe der Über-80-Jährigen; bei Unter-60-Jährigen gebe es sogar eine leichte Untersterblichkeit.

Da die Zahl der täglich gemeldeten Covid-Toten weiter steil ansteigt, dürfte auch die Übersterblichkeit in den kommenden Wochen deutlich zunehmen.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass eine unzureichend gebremste Infektionswelle mit einem drastischen Anstieg der Sterblichkeit einhergeht. In England, Italien und Spanien lag die Mortalität im Frühjahr zeitweise doppelt so hoch wie sonst; auch in Frankreich, Schweden und den USA war sie deutlich erhöht. Im Herbst verzeichnen bislang etwa Belgien, Frankreich und die Schweiz eine deutliche Übersterblichkeit, Italien und Spanien trifft es erneut.

Die zusätzlichen Toten in der Statistik sind nicht zwangsläufig alle an Covid-19 direkt gestorben. Eine Rolle können auch indirekte Folgen etwa der Lockdown-Maßnahmen spielen sowie eine schlechtere medizinische Versorgung durch ein überlastetes Gesundheitssystem. Dazu können Faktoren kommen, die unabhängig von der Pandemie sind - in Deutschland etwa eine Hitzewelle im Sommer.

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