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Coronavirus in Deutschland:RKI meldet mehr als 18 000 Neuinfektionen

Coronavirus - Kontaktnachverfolgung in Hamburg

Kontaktnachverfolgung in Hamburg (Archivbild)

(Foto: dpa)
  • Die Zahl der Neuinfektionen ist im Vergleich zum Freitag leicht gesunken.
  • US-Pharmakonzern Pfizer wird die Liefermenge des Corona-Impfstoffes an europäische Länder vorübergehend senken.
  • Merkel und Länderchefs treffen sich bereits am Dienstag.
  • Die aktuellen Meldungen zum Coronavirus weltweit.

In Deutschland haben sich innerhalb von 24 Stunden mehr als 18 000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 18 678 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden, wie das RKI bekanntgab. Am Vortag waren 22 368 Neuinfektionen gemeldet worden. Dabei ist zu beachten, dass die tatsächliche Gesamtzahl noch deutlich höher liegen dürfte, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Außerdem wurden 980 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Der bisherige Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am Donnerstag erreicht worden.

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Samstagmorgen bei 139,2. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch aktuell enorm: Die höchsten Inzidenzen haben Thüringen mit 268,3 und Sachsen mit 255,8. Den niedrigsten Wert hat Bremen mit 80,0. Bundesweit ist die 7-Tage-Inzidenz in den vergangenen Tagen nach RKI-Daten vom Freitag leicht gesunken. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 45 974. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1 657 900 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht vom Freitag bei 0,99 (Vortag: 1,02). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 99 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Pfizer senkt Liefermenge des Corona-Impfstoffes

Der US-Pharmakonzern Pfizer wird vorübergehend die Liefermenge seines gemeinsam mit Biontech entwickelten Corona-Impfstoffes an europäische Länder senken. Pfizer teilte mit, der Grund dafür sei ein Ausbau der Produktionsanlagen. Dies wirke sich auf die Impfstoff-Lieferungen von Ende Januar bis Anfang Februar aus. Ab Ende Februar stünde dann mehr Impfstoff zur Verfügung.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es, "die Deutschland für Montag zugesagten Impfstoff-Lieferungen" erfolgten "wie geplant". Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte bei einem Facebook-Auftritt: "Wir gehen davon aus, dass es leicht weniger wird." Wichtig sei, dass erst einmal die Lieferungen am Montag und Dienstag sicher seien. "Über die EU-Kommission finden wir gerade heraus, welche Bedeutung die Umstellung hat." Dass Pfizer in dem belgischen Werk die Produktion hochfahren wolle, sei ja eine positive Nachricht.

Die deutschen Gesundheitsminister nähmen die "sehr kurzfristige wie unerwartete Mitteilung" mit Bedauern zur Kenntnis, sagte ein Ministeriumssprecher. "Dies umso mehr, da es verbindlich vom Unternehmen zugesagte Liefertermine bis Mitte Februar gegeben hatte." Man erwarte jetzt, dass die EU-Kommission in den Verhandlungen mit Pfizer "schnellstmöglich Klarheit und Sicherheit für die weiteren Lieferungen und Lieferdaten schafft". Zugesagt sei in jedem Fall, dass die angekündigten Mengen vollständig im ersten Quartal geliefert würden.

Dänemark, Finnland, Schweden und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen appellierten am Freitag in einem gemeinsamen Schreiben an EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, die EU-Kommission solle sicherstellen, dass die Impfstoffproduktion von Pfizer und Biontech effektiv sei und die Impfstoffchargen schnell geliefert würden. Das teilte die finnische Regierung am späten Nachmittag mit. Die Kommission müsse alles daran setzen, dass die Impfstoffproduktion von Biontech/Pfizer gesteigert und die Verteilung der Chargen gemäß dem EU-Kaufvertrag und den Bestellungen der Mitgliedstaaten gewährleistet sei, hieß es von den Finnen.

Biontech hat derweil grünes Licht für die Produktion seines Covid-19-Impfstoffs in Marburg erhalten. Nachdem das zuständige Regierungspräsidium Gießen am Freitag die nötige Genehmigung erteilt hat, lägen die Voraussetzungen für die Produktion des Impfstoffs vor, teilt das Land Hessen mit. Über den tatsächlichen Beginn der Produktion entscheide Biontech.

Merkel und Länderchefs treffen sich bereits am Dienstag

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder werden sich am kommenden Dienstag erneut treffen, um über die Corona-Lage in Deutschland zu beraten. Das bestätigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Damit hat sich Merkel durchgesetzt mit ihrem Wunsch, das eigentlich für den 25. Januar geplante Treffen vorzuziehen. Bund und Länder seien sich einig: "Entscheidungen stehen dann an, wenn sie anstehen," so Seibert. Alle Verantwortlichen sähen sich die aktuellen Entwicklungen sehr genau an und seien zu dem Schluss gekommen, dass es an der Zeit sei, erneut über die aktuelle Situation zu beraten.

Die Zahl der Neuinfektionen sei weiterhin viel zu hoch, trotz der bereits geltenden einschneidenden Beschränkungen, so Seibert weiter. Man nähere sich dem ausgegebenen Ziel, die Sieben-Tage-Inzidenz auf 50 zu senken, nur sehr langsam. Auch die in Großbritannien und Irland aufgetretene Mutation beobachte die Bundesregierung sehr genau. Die oberste Maxime sei weiterhin die Kontaktbeschränkung, sagte Seibert. Das Virus sei nicht von allein mobil. Es brauche Menschen, um sich zu verbreiten. Es sei deshalb notwendig, nicht nötige Kontakte weiter zu reduzieren. Wer könne, solle im Home-Office arbeiten, sagte Seibert. Der Aufruf von DGB-Chef Hoffmann und Arbeitgeberpräsident Dulger liege ganz auf der Linie der Bundesregierung. Mit welchen weiteren Maßnahmen das passieren könnte, wollte Seibert nicht vorwegnehmen.

Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 sei weiterhin das ausgegebene Ziel. Nur wenn die Zahl der Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen unter 50 läge, sei es den Gesundheitsämtern möglich, Infektionsketten nachzuvollziehen, sagte Regierungssprecher Seibert.

Es sei nicht geplant, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einzustellen, kommentierte Seibert entsprechende Gerüchte. Es gehe vielmehr darum, zu überlegen, wie man Kontakte von Fahrgästen "ausdünnen" könne.

Mehr als zwei Millionen Corona-Infektionen in Deutschland

In Deutschland haben sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie bereits mehr als zwei Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) 22 368 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden, wie das RKI am Freitagmorgen bekannt gab. Damit stieg die Zahl der seit Beginn der Pandemie bekannt gewordenen Fälle auf 2 000 958. Dabei ist zu beachten, dass die tatsächliche Gesamtzahl noch deutlich höher liegen dürfte, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Außerdem wurden 1113 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Der bisherige Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am Donnerstag erreicht worden. Grundsätzlich ist die Interpretation der Daten momentan noch etwas schwierig, weil um den Jahreswechsel herum Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden.

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Freitagmorgen bei 146,1. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch aktuell enorm: Die höchsten Inzidenzen haben Thüringen mit 287,6 und Sachsen mit 274,1. Den niedrigsten Wert hat Bremen mit 78,7.

Kretschmer: "Der ÖPNV, da dürfen nicht so viele Leute mitfahren"

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erwartet eine neue Bund-Länder-Runde über Corona-Maßnahmen bereits kommende Woche und nicht erst am 25. Januar. "Wir werden sicher nächste Woche mit den Ministerpräsidenten und der Bundesregierung darüber sprechen, was wir insgesamt in Deutschland noch tun können. Kindergärten komplett runterfahren, Schulen abschließen, wirklich Betretungsverbote in den Pflegeheimen, wenn kein negativer Schnelltest vorliegt - solche Dinge müssen wir besprechen", sagte der CDU-Politiker am Donnerstagabend im ZDF. Auch ein Blick auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sei angesagt. "Der ÖPNV, da dürfen nicht so viele Leute mitfahren. Das ist aus meiner Sicht jetzt auch Gebot der Stunde."

Die Infektionszahlen seien durch den derzeitigen Lockdown nicht so zurückgegangen, "wie wir es gewollt haben und wie wir es brauchen". Kretschmer verwies an dieser Stelle auch auf die aufgetauchten Virusmutationen, die womöglich deutlich ansteckender sind - und damit die Infektionszahlen weiter in die Höhe treiben könnten.

Lauterbach: Schließung von Betrieben wegen Corona-Krise kann drohen

Bei anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen kann dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zufolge die Schließung von Betrieben drohen. "Der Lockdown ist nicht so erfolgreich, wie er sein muss", sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). Die Unternehmen müssten stärker in den Lockdown einbezogen werden. "Wir sollten das Home-Office verpflichtend machen - dort, wo es geht."

Die Firmen selbst seien gut beraten, ihren Beitrag zu leisten, um den Lockdown erfolgreich zu Ende zu bringen. "Andernfalls können wir irgendwann gezwungen sein, auch Betriebe zu schließen", sagte Lauterbach. "Möglicherweise müssten wir sogar an die Industrieproduktion heran." Das könne niemand wollen. Die bisherige Wirkung des Lockdowns nannte Lauterbach enttäuschend. "Wir sind in einer sehr prekären Situation." Würden sich ansteckendere Corona-Varianten stärker in Deutschland verbreiteten, "hätten wir ein Riesenproblem".

Ein neuer Höchstwert bei Corona-Toten schiebt die Debatte über neue Beschränkungen in Deutschland an. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstag, dass innerhalb von 24 Stunden 1244 Menschen gestorben sind, die positiv auf das Virus getestet worden waren.

© SZ/dpa/Reuters/AFP/epd/mcs/cwe/hij/tba/jsa/gal/klu
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