bedeckt München -2°

Coronavirus in Deutschland:"Jetzt lieber einmal richtig - anstatt eine Endlosschleife bis in den Sommer hinein"

Berlin, Ralph Brinkhaus äußert sich zur Wahl von Armin Laschet Ralph Brinkhaus (Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfrak

Befürwortet harten, aber kurzen Lockdown: Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus

(Foto: imago images/Christian Spicker)
  • Vor den Bund-Länder-Beratungen am Dienstag plädieren mehrere Politiker von Union und SPD für einen zwar kurzen, aber harten Lockdown.
  • Die Lage in den deutschen Ausflugsgebieten ist am Samstag ruhig geblieben.
  • Die Zahl der dem RKI gemeldeten Neuinfektionen ist am Samstag im Vergleich zum Freitag leicht auf etwa 18 000 gesunken.
  • US-Pharmakonzern Pfizer wird die Liefermenge des Corona-Impfstoffes an europäische Länder vorübergehend senken.
  • Sachsens Ministerpräsident Kretschmer fordert stärkere Beschränkungen im öffentlichen Nahverkehr.
  • Die aktuellen Meldungen zum Coronavirus weltweit.

Vor den nächsten Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise am Dienstag wird verstärkt über eine Verschärfung der Pandemie-Regeln diskutiert. Für eine umfassende Ausweitung der Maßnahmen sprach sich Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) in der Neuen Osnabrücker Zeitung aus: "Jetzt lieber einmal richtig - anstatt eine Endlosschleife bis in den Sommer hinein."

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte der Rheinischen Post, einzelne Verschärfungen wie eine FFP2-Maskenpflicht oder mehr Home-Office würden die anhaltend hohen Infektionszahlen kaum beeinflussen. "Deswegen bin ich für die Alternative: einen wirklich harten Lockdown, der aber nicht so lange ginge."

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther forderte hingegen, nicht allein über neue Beschränkungen zu reden. "Wir müssen auch beschreiben, was heißt das in den Monaten Februar, März, April, wenn bestimmte Inzidenzwerte unterschritten werden, welche Bereiche können wir auch dann dauerhaft wieder öffnen", sagte der CDU-Politiker am Samstag im Sender Phoenix.

Der neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet mahnte zu einer sorgsamen Abwägung in der Frage, wie lange Schulen noch geschlossen sein müssen. Ziel müsse sein, wieder zu guter Bildung zu kommen, sagte Laschet in der ARD-Sendung "Farbe bekennen". "Das darf man nicht über Monate aussetzen."

Wenig Ausflugsverkehr in deutschen Wintersportgebieten

Die Sperrungen und Appelle haben offenbar Wirkung gezeigt, denn der befürchtete Ansturm auf Deutschlands Wintersportorte ist zumindest am Samstag weitgehend ausgeblieben. Wegen der Corona-Pandemie waren Ausflüge in vielen Gegenden verboten. Dort, wo Skifahren und Rodeln erlaubt war, hielten sich die Menschen überwiegend an die Regeln. So herrschte zum Beispiel im oberbayerischen Landkreis Miesbach nach der Sperrung der dortigen Skigebiete für Tagesausflügler weitgehende Leere. Bei Nebel und leichtem Schneefall kamen nur sehr wenige Menschen, wie auf den zahlreichen Webcams des geschlossenen Skigebiets am Spitzingsee zu sehen war. Dort hatten sich am vergangenen Wochenende noch Tausende vergnügt. Auch in anderen Bundesländern gab es in den Ausflugsgebieten keine im Hinblick auf den Infektionsschutz kritischen Szenen.

RKI meldet mehr als 18 000 Neuinfektionen

In Deutschland haben sich innerhalb von 24 Stunden mehr als 18 000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 18 678 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden, wie das RKI bekanntgab. Am Vortag waren 22 368 Neuinfektionen gemeldet worden. Dabei ist zu beachten, dass die tatsächliche Gesamtzahl noch deutlich höher liegen dürfte, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Außerdem wurden 980 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Der bisherige Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am Donnerstag erreicht worden.

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Samstagmorgen bei 139,2. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch aktuell enorm: Die höchsten Inzidenzen haben Thüringen mit 268,3 und Sachsen mit 255,8. Den niedrigsten Wert hat Bremen mit 80,0. Bundesweit ist die 7-Tage-Inzidenz in den vergangenen Tagen nach RKI-Daten vom Freitag leicht gesunken. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 45 974. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1 657 900 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht vom Freitag bei 0,99 (Vortag: 1,02). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 99 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Pfizer senkt Liefermenge des Corona-Impfstoffes

Der US-Pharmakonzern Pfizer wird vorübergehend die Liefermenge seines gemeinsam mit Biontech entwickelten Corona-Impfstoffes an europäische Länder senken. Pfizer teilte mit, der Grund dafür sei ein Ausbau der Produktionsanlagen. Dies wirke sich auf die Impfstoff-Lieferungen von Ende Januar bis Anfang Februar aus. Ab Ende Februar stünde dann mehr Impfstoff zur Verfügung.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es, "die Deutschland für Montag zugesagten Impfstoff-Lieferungen" erfolgten "wie geplant". Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte bei einem Facebook-Auftritt: "Wir gehen davon aus, dass es leicht weniger wird." Dass Pfizer in dem belgischen Werk die Produktion hochfahren wolle, sei ja eine positive Nachricht. Biontech hat außerdem die behördliche Genehmigung für die Produktion seines Covid-19-Impfstoffs in Marburg erhalten. Das zuständige Regierungspräsidium in Gießen hat am Freitag sein Okay gegeben.

Merkel und Länderchefs treffen sich bereits am Dienstag

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder werden sich am kommenden Dienstag erneut treffen, um über die Corona-Lage in Deutschland zu beraten. Das bestätigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Damit hat sich Merkel durchgesetzt mit ihrem Wunsch, das eigentlich für den 25. Januar geplante Treffen vorzuziehen.

Die Zahl der Neuinfektionen sei weiterhin viel zu hoch, trotz der bereits geltenden einschneidenden Beschränkungen, so Seibert. Man nähere sich dem ausgegebenen Ziel, die Sieben-Tage-Inzidenz auf 50 zu senken, nur sehr langsam. Auch die in Großbritannien und Irland aufgetretene Mutation beobachte die Bundesregierung sehr genau. Die oberste Maxime sei weiterhin die Kontaktbeschränkung, sagte Seibert. Wer könne, solle im Home-Office arbeiten, sagte Seibert. Der Aufruf von DGB-Chef Hoffmann und Arbeitgeberpräsident Dulger liege ganz auf der Linie der Bundesregierung.

Es sei nicht geplant, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einzustellen, kommentierte Seibert entsprechende Gerüchte. Es gehe vielmehr darum, zu überlegen, wie man Kontakte von Fahrgästen "ausdünnen" könne.

Mehr als zwei Millionen Corona-Infektionen in Deutschland

In Deutschland haben sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie bereits mehr als zwei Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) 22 368 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden, wie das RKI am Freitagmorgen bekannt gab. Damit stieg die Zahl der seit Beginn der Pandemie bekannt gewordenen Fälle auf 2 000 958. Dabei ist zu beachten, dass die tatsächliche Gesamtzahl noch deutlich höher liegen dürfte, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Außerdem wurden 1113 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Der bisherige Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am Donnerstag erreicht worden. Grundsätzlich ist die Interpretation der Daten momentan noch etwas schwierig, weil um den Jahreswechsel herum Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden.

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Freitagmorgen bei 146,1. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch aktuell enorm: Die höchsten Inzidenzen haben Thüringen mit 287,6 und Sachsen mit 274,1. Den niedrigsten Wert hat Bremen mit 78,7.

Kretschmer: "Der ÖPNV, da dürfen nicht so viele Leute mitfahren"

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erwartet eine neue Bund-Länder-Runde über Corona-Maßnahmen bereits kommende Woche und nicht erst am 25. Januar. "Wir werden sicher nächste Woche mit den Ministerpräsidenten und der Bundesregierung darüber sprechen, was wir insgesamt in Deutschland noch tun können. Kindergärten komplett runterfahren, Schulen abschließen, wirklich Betretungsverbote in den Pflegeheimen, wenn kein negativer Schnelltest vorliegt - solche Dinge müssen wir besprechen", sagte der CDU-Politiker am Donnerstagabend im ZDF. Auch ein Blick auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sei angesagt. "Der ÖPNV, da dürfen nicht so viele Leute mitfahren. Das ist aus meiner Sicht jetzt auch Gebot der Stunde."

Die Infektionszahlen seien durch den derzeitigen Lockdown nicht so zurückgegangen, "wie wir es gewollt haben und wie wir es brauchen". Kretschmer verwies an dieser Stelle auch auf die aufgetauchten Virusmutationen, die womöglich deutlich ansteckender sind - und damit die Infektionszahlen weiter in die Höhe treiben könnten.

Lauterbach: Schließung von Betrieben wegen Corona-Krise kann drohen

Bei anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen kann dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zufolge die Schließung von Betrieben drohen. "Der Lockdown ist nicht so erfolgreich, wie er sein muss", sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). Die Unternehmen müssten stärker in den Lockdown einbezogen werden. "Wir sollten das Home-Office verpflichtend machen - dort, wo es geht."

Die Firmen selbst seien gut beraten, ihren Beitrag zu leisten, um den Lockdown erfolgreich zu Ende zu bringen. "Andernfalls können wir irgendwann gezwungen sein, auch Betriebe zu schließen", sagte Lauterbach. "Möglicherweise müssten wir sogar an die Industrieproduktion heran." Das könne niemand wollen. Die bisherige Wirkung des Lockdowns nannte Lauterbach enttäuschend. "Wir sind in einer sehr prekären Situation." Würden sich ansteckendere Corona-Varianten stärker in Deutschland verbreiteten, "hätten wir ein Riesenproblem".

Ein neuer Höchstwert bei Corona-Toten schiebt die Debatte über neue Beschränkungen in Deutschland an. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstag, dass innerhalb von 24 Stunden 1244 Menschen gestorben sind, die positiv auf das Virus getestet worden waren.

© SZ/dpa/Reuters/AFP/epd/mcs/cwe/hij/tba/jsa/gal/klu
Zur SZ-Startseite

Bund-Länder-Beschlüsse
:Das sind die neuen Corona-Regeln

Der Lockdown wird verlängert, die Kontaktbeschränkungen verschärft und der Bewegungsradius in Hotspots eingeschränkt. Die Corona-Maßnahmen in der Übersicht.

Von Philipp Saul

Bildung vorm Bildschirm: Wie kann das gelingen?:Zur Leserdiskussion

Lesen Sie mehr zum Thema