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Corona-Lage:Traurige Rekorde

Kaliforniens Behörden rufen die Menschen dazu auf, zu Hause zu bleiben. In anderen Bundesstaaten geht man laxer mit dem Virus um.

(Foto: Frederic J. Brown/AFP)

Die USA registrieren mehr als 3000 Corona-Tote pro Tag - und das könnte noch einige Zeit so weitergehen

Von Alan Cassidy

Noch ist nicht einmal klar, was all die Familientreffen und Reisen zu Thanksgiving ausgelöst haben, von denen die Gesundheitsfachleute den US-Amerikanern vergangene Woche so dringend abgeraten hatten. Doch bereits jetzt ist sicher, dass sich die Pandemie in den USA weiter rasch ausbreitet. Das Land hat inzwischen mehrere Alarmmarken überschritten. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität starben am Mittwoch 3150 Menschen an den Folgen einer Corona-Erkrankung, so viele wie noch nie. Auf dem Höhepunkt der ersten Welle Mitte April waren an einem Tag 2600 Tote gezählt worden. Gleichzeitig wurden erstmals mehr als 100 000 Menschen mit einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus behandelt. Fast 20 000 liegen auf den Intensivstationen. In manchen Gegenden steht das Gesundheitssystem kurz vor der Überlastung. Alleine am Mittwoch wurden zudem mehr als 200 000 Neuinfektionen bekannt - mehr als fünfmal so viele wie auf dem Höhepunkt der ersten Welle. Die Behörden rechnen damit, dass diese Zahlen weiter ansteigen, wenn sich zeigt, wie viele Menschen sich über das Thanksgiving-Wochenende Ende November mit dem Virus angesteckt haben. Bis zum Frühling könnte es laut wissenschaftlichen Modellen 450 000 Corona-Tote geben.

Überall traurige Rekorde also - und neue Warnungen. Robert Redfield, der Direktor der Gesundheitsbehörde CDC, sagte am Mittwoch, dass in den kommenden Monaten regelmäßig mit mehr als 3000 Toten pro Tag gerechnet werden müsse. Der Winter werde die "schwierigste Zeit in der Gesundheitsgeschichte dieser Nation". Die Regierung in Washington bereitet sich auf eine rasche Verteilung der Impfstoffe der Unternehmen Pfizer und Moderna vor, die allerdings von der US-Zulassungsbehörde FDA noch genehmigt werden müssen. US-Präsident Donald Trump soll Medienberichten zufolge frustriert sein, dass diese Genehmigungen nicht schon längst erteilt wurden. Trotzdem geht die Administration davon aus, dass bereits bis Ende Dezember 40 Millionen Dosen der Impfstoffe an die Bundesstaaten ausgeliefert werden können. Die drei früheren Präsidenten Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton haben angekündigt, dass sie sich bei der Verabreichung des Impfstoffs filmen lassen, um Vertrauen zu schaffen. Für die aktuelle Corona-Welle kommen die Vakzine allerdings zu spät.

Präsident und Außenminister halten trotz allem Weihnachtsempfänge ab

Obwohl die Pandemie längst jede Ecke des Landes erreicht hat, gibt es in den USA keine Corona-Maßnahmen auf nationaler Ebene. Der Kampf gegen die Pandemie bleibt Sache der Bundesstaaten und Lokalbehörden, die unterschiedlich dagegen vorgehen. Mehrere republikanische Gouverneure, darunter jene von Florida und Georgia, wehren sich bis heute selbst gegen simple Maßnahmen wie eine Maskenpflicht. Dafür wurden der demokratische Gouverneur in Kalifornien sowie die Bürgermeisterin von San Francisco dabei erwischt, wie sie entgegen ihren eigenen Empfehlungen auswärts in Restaurants aßen. Nichts geändert hat sich zudem im Weißen Haus, das schon wiederholt zu einem Corona-Hotspot wurde. Donald Trump hält trotz steigender Fallzahlen mehrere Weihnachtsempfänge ab, und auch Außenminister Mike Pompeo hat zu Feiern in den Räumen des State Departments geladen. Eingeladen sind mehr als 900 Personen.

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