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Coronavirus in Italien:"Unsere Hausärzte waren die Ersten, die krank wurden"

Die letzte Begräbnisfeier, die stattfand, bevor die Regierung diese verboten hat, war für Massimo, einen 52-Jährigen, der in der Grafik und der Druckerei arbeitete. Er begeisterte sich für Volleyball, den Sport, den seine drei Töchter im Alter von zwölf, 15 und 25 Jahren betrieben. Don Matteo spendete am Samstagnachmittag, dem 7. März, die letzte Ölung.

"Nur seine Frau und seine Töchter waren anwesend", erzählt der Vikar, "ein paar Freunde warteten in sicherem Abstand auf dem Hauptplatz, ebenso der Leichenwagen. Massimo wurde nie getestet, er starb zu Hause in jenen Tagen, als die Panik anschwoll und der Notstand seinen Höhepunkt erreichte. Unsere Hausärzte waren die Ersten, die krank wurden oder in Quarantäne kamen. Es war schwierig, Antworten zu bekommen, es war ein Chaos. Massimo hatte eine Woche lang hohes Fieber, es schlich sich immer weiter hoch, dann begann er, Atembeschwerden zu bekommen. Sie riefen um Hilfe, aber als die Sanitäter eintrafen, war nichts mehr zu tun."

Seit dieser Woche schweigt nicht nur die Totenglocke in Nembro, auch die Krankenwagen sind, wenn möglich, in aller Stille unterwegs, damit nicht alle ständig den Sirenenton hören müssen, der ihnen so sehr aufs Gemüt schlägt. Jetzt, da keine Beerdigungen mehr stattfinden können, kann Don Matteo die Toten nur noch zum Friedhof begleiten. "Die Familien benachrichtigen uns, wir segnen dann die Särge oder Urnen, bevor die Überreste begraben werden. Es ist sehr traurig. Ich tue mein Bestes, um ein Minimum an Menschlichkeit zu vermitteln", erzählt Don Matteo.

Die Menschen sterben in völliger Einsamkeit

"Die Menschen", fährt er fort, "sterben unter außergewöhnlichen Umständen im Krankenhaus, in völliger Einsamkeit. Die Verwandten haben einen Krankenwagen mit ihren Liebsten wegfahren sehen, hören danach aber nie etwas - bis dann der Tod ihrer Verwandten bekannt gegeben wird und sie aufgefordert werden, ihre persönlichen Sachen abzuholen. Und ich spreche nicht von einem einzelnen Vorfall."

Als die Geschäfte schlossen, bat die Stadtverwaltung die Pfarrei um Hilfe: Sie sollte die Nachricht verbreiten, dass Lebensmittel jetzt per Lieferdienst bestellt werden können. Die Geschäfte organisierten sich, und Don Matteo stellte ein Team von vierzig Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren zusammen, die von Tür zu Tür gingen, um Flugblätter in alle Briefkästen zu werfen. "Beeindruckend", sagt er, "sind die Freiwilligen, die den Kranken, den alten Menschen und denjenigen, die in Quarantäne sind, Medikamente bringen. Wir haben in unserer Region ein starkes Gemeinschaftsgefühl wiederentdeckt, ein tief bewegendes Gefühl menschlicher Güte."

Manchmal kursieren fürchterliche Fehlinformationen

Die Menschen in Nembro versuchen, sich auf dem Laufenden zu halten. Sie wollen wissen, wer gestorben ist, wer ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Aber manchmal werden in den vielen Nachrichten, die auf Whatsapp kursieren, auch fürchterliche Fehlinformationen weitergegeben, nicht selten, weil es Menschen gleichen Namens gibt und deshalb Verwirrung herrscht, wer denn gestorben ist.

"Am gestrigen Morgen", erzählt der Vikar, "gab es Berichte, dass der ehemalige Pfarrer, der bis zum letzten Jahr bei uns war und im Krankenhaus liegt, gestorben ist. Viele Leute haben sich mit mir in Verbindung gesetzt, um mir ihr Beileid auszudrücken. Aber dann rief auch er an, um mir zu sagen, dass es ihm besser geht und er endlich wieder sprechen kann. Ich hatte nicht den Mut, ihm zu sagen, dass die Stadt bereits um ihn getrauert hatte."

Ein schwerer Schlag für Nembro war der Tod von Ivana Valoti, einer 58-jährigen Hebamme. Sie starb im Krankenhaus in Alzano, in dem sie auch gearbeitet hat: "Es hatte sich herumgesprochen, dass es ihr besser geht. Wir wussten, dass sie sich um ihre Mutter gekümmert hatte, die vor zwei Wochen am Coronavirus gestorben war. Aber die Menschen hofften für sie. Dann hatte sie plötzlich einen Anfall, von dem sie sich nie mehr erholt hat. Wir waren alle sehr traurig, denn Ivana half bei der Entbindung der meisten Kinder in der Stadt. Sie repräsentierte das neue Leben, das entsteht. Ihr vorzeitiger Tod war der härteste Schlag."

"Wir müssen vergeben, bis wir nicht mehr zählen können"

In dieser Zeit der Leere und Stille nutzt Don Matteo die moderne Technik, um seine Gemeinde zu erreichen. Er feiert in der leerstehenden Kirche die Messe und lädt anschließend einen Film davon auf Youtube hoch. Gemeindegruppen treffen sich in Video-Chatrooms, jeden Morgen nimmt er einen Podcast auf, mit dem Evangelium des Tages und seinen Erläuterungen dazu. Die Gemeindemitglieder können diesen Podcast auf fast jeder digitalen Plattform finden, von Spotify bis Apple, von Facebook bis Twitter, und sie teilen ihn untereinander. Fünfhundert Menschen laden den Podcast jeden Tag herunter.

"Jetzt muss ich das Evangelium von morgen fertig bearbeiten, es ist das Matthäus-Evangelium, das von Schuld, Zahlen und Vergebung spricht", sagt Don Matteo.

Ich habe mir diesen Podcast später angehört, und ein Satz blieb mir im Gedächtnis haften: "Die kalte, harte Präzision der Zahlen hält uns oft rücksichtslos gefangen. Aber wir müssen vergeben, bis wir nicht mehr zählen können."

Mario Calabresi arbeitet als freier Journalist und Buchautor in Italien und betreibt einen Blog, auf dem dieser Text zuerst erschienen ist. Er war sieben Jahre Chefredakteur der Tageszeitung La Stampa und danach drei Jahre Chefredakteur von La Repubblica.

© SZ.de/usc/chge/cat
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