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Corona:Impfung für alle im Juni

Health Authorities Provide Pandemic Update

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verkündet in düsterer Lage eine frohe Botschaft - mit Warnhinweis.

(Foto: Sean Gallup/Getty)

In ein paar Wochen soll sich jeder, der will, gegen Covid spritzen lassen können - grundsätzlich ohne Beschränkungen nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe. Doch in einem entscheidenden Punkt warnt Gesundheitsminister Spahn vor überzogenen Erwartungen.

Von Angelika Slavik, Berlin

Kleine Worte können einen großen Unterschied machen, aber nicht viele Menschen referieren darüber mit einer solchen Leidenschaft wie Jens Spahn. "Präpositionen sind wichtig", sagt der Bundesgesundheitsminister am Freitagmorgen in Berlin. Deshalb möge man doch bitte genau - ganz genau! - darauf achten, wenn er nun sage, dass man im Juni wohl die Impfpriorisierung werde aufheben können. "Im Juni, nicht ab Juni", sagt Spahn. "Also: Nicht erster Juni, sondern im Verlauf des Junis."

In ein paar Wochen also soll jeder, der eine Impfung gegen das Coronavirus möchte, auch eine bekommen können - dann gibt es keine Kriterien wie Alter, Vorerkrankungen oder Berufsgruppe, die über das Recht auf eine Impfung entscheiden. Allerdings sei es wichtig für das "Erwartungsmanagement", sagt Spahn - ein langes Wort diesmal, aber auch bedeutsam - dass alle verstünden, dass man deshalb nicht jedem und jeder binnen einer Woche auch einen Impftermin werde anbieten können. Man müsse in seinen Erwartungen da schon realistisch bleiben.

Trotzdem ist die Aussicht auf eine Impfung für alle natürlich die beste Nachricht, die Spahn bei dem nun schon traditionellen Auftritt in der Bundespressekonferenz am Freitag zu verkünden hat. Ansonsten ist die Lage düster: Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitagmorgen bei 164, nach 161,1 am Tag zuvor. Binnen 24 Stunden gab es 265 gemeldete Todesfälle.

Manche Kliniken müssen Patienten in andere Bundesländer verlegen

Zudem sei Long Covid, also oft monatelang anhaltende, schwere Einschränkungen nach der Infektion, ein immer größeres Problem vor allem bei jungen Menschen. Die Belastung auf den Intensivstationen sei zudem "sehr, sehr hoch", manche Kliniken müssten Patienten bereits in andere Bundesländer verlegen lassen. Auch deshalb müssten die Infektionszahlen unbedingt gedrückt werden, sagt Spahn: "In dieser Phase der Pandemie ist es so, dass Inzidenz und Intensiv miteinander zusammenhängen." Deshalb sei es richtig, die Pandemiepolitik stark am Inzidenzwert zu orientieren.

Der Inzidenzwert von 100 ist in vielen Regionen Deutschlands gerade ziemlich weit entfernt - und überall dort greift nun die bundeseinheitliche Notbremse, die der Bundestag in dieser Woche beschlossen hat. Die Regeln gelten ab Samstag 0 Uhr: Dann darf außer zum Joggen oder alleine Spazierengehen nach 22 Uhr abends nur noch aus dem Haus, wer das gut begründen kann. Eine Reise, ob nun mit dem Auto oder mit dem Zug, gehöre nicht dazu, stellte das Bundesinnenministerium klar. "Das heißt also, wer in der Zeit zwischen 22 und 5 Uhr aus Anlass einer touristischen Reise reisen möchte, sollte besser umbuchen oder umplanen", sagte ein Ministeriumssprecher.

Bei der Deutschen Bahn heißt es auf Anfrage, man wolle den Fahrplan dennoch nicht ändern - "zur Sicherstellung einer stabilen Grundversorgung", wie ein Sprecher formuliert. Schließlich gebe es ja auch Personengruppen, die beruflich bedingt unterwegs sein müssten. Fahrgäste sollten sich vorab über die Regeln informieren.

Sollen die Einschränkungen in Zukunft auch für Geimpfte gelten?

Inwieweit die Einschränkungen in Zukunft auch für Menschen mit vollständigem Impfschutz gelten, soll am Montag auch Thema in einer Ministerpräsidentenkonferenz sein, zu der auch Spahn eingeladen ist. Absehbar ist, dass Einreisebeschränkungen und Quarantäneauflagen wohl schnell fallen sollen. Komplexer ist die Lage etwa bei Ausgangsverboten oder Kontaktbeschränkungen. Zudem ist offen, inwieweit Geimpfte, tagesaktuell negativ Getestete und Genesene gleichzustellen sind. Das Thema berge insgesamt die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung, sagt Spahn, deshalb sei die offene Debatte besonders wichtig.

In mehreren Bundesländern müssen Menschen, die in der Impfreihenfolge nicht priorisiert werden, aber mitunter gar nicht bis Juni warten, um eine Chance auf einen Impftermin zu haben. In Berlin, Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wird die Impfung mit der Arznei von Astra Zeneca für alle Bevölkerungsgruppen angeboten. Weil Ärzte und Impfzentren auf dem umstrittenen Impfstoff sitzen bleiben?

Aktuell seien insgesamt etwa vier Millionen Dosen nicht verimpft, sagt Spahn, etwa die Hälfte davon werde in den kommenden Tagen bis zu den neuen Lieferungen in der nächsten Woche verwendet werden. Nur ein Bruchteil davon, also einige Hunderttausend Dosen, seien von Astra Zeneca. Aber ja, es gebe "natürlich mehr Fragen und manchmal auch Zurückhaltung" bei diesem Impfstoff, der wegen sehr seltener, aber gefährlicher Nebenwirkungen in die Schlagzeilen geriet. Es sei keineswegs der Fall, dass es für die Arznei nicht ausreichend impfbereite Patienten gebe: Eine "hinreichend große Zahl" an Deutschen würde eine schnelle Impfung mit Astra Zeneca sofort wahrnehmen.

© SZ/jbb
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