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Pandemie:Impfungen auch für Kinder ab zwölf Jahren

Die Immunisierung soll Anfang Juni beginnen, beschließen Bund und Länder. Weil zu wenig Vakzin vorhanden ist, werde es aber keine Vorzugsbehandlung für die Jüngeren geben.

Von Angelika Slavik und Nico Fried, Berlin

Kinder zwischen 12 und 15 Jahren können sich im Falle der erwarteten Freigabe des Biontech-Impfstoffs und nach der Aufhebung der Priorisierung in Deutschland ab dem 7. Juni impfen lassen. Allerdings ist nicht geplant, sie vorrangig zu immunisieren. Darauf verständigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag in einer Videokonferenz. Merkel bekräftigte ihre Ankündigung, dass bis zum Ende des Sommers jedem Impfwilligen ein Angebot gemacht werden soll. Dies schließe nun auch die 12- bis 15-jährigen ein.

Mit rund drei Millionen zusätzlichen Impfberechtigten stehen vor allem die Arztpraxen vor einer zusätzlichen Herausforderung. Das Bemühen, für die Kinder zwischen 12 und 15 einen Impftermin zu bekommen, "wird natürlich auch dazu führen, dass ein gewisser Andrang da ist, das ist klar", sagte Merkel. In jedem Falle solle ein sicherer Schulbetrieb nach den Sommerferien unabhängig von der Frage gewährleistet sein, ob ein Kind geimpft ist oder nicht, sagte die Kanzlerin. Es gebe keine Impfpflicht und es solle auch "kein indirekter Zwang entstehen für die Eltern", so Merkel. Gleiches gelte für den Urlaub. Im europäischen Ausland und in Deutschland könne man ungeimpft Urlaub machen, sagte die Kanzlerin. Die Tests würden dafür "vollkommen ausreichen".

Keine eigene Impfkampagne für Kinder

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sagte: "Wir werden den Kindern und Jugendlichen, wir werden den Familien ein Angebot machen können." Müller, wie auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder betonten allerdings, dass es dafür keinen zusätzlichen Impfstoff geben werde. Das Vakzin sei nicht "unendlich" vorhanden, sagte Söder. Einige Lieferungen seien "sogar wacklig", deshalb müsse man klug haushalten. Kinder vorrangig zu impfen, ginge nur durch Umverteilung des vorhandenen Impfstoffs. Dafür hätte man aber anderen Impfberechtigten den Impfstoff wegnehmen müssen, so Söder. Auch Müller bekräftigte, es werde keine eigene Impfkampagne für Kinder geben. "Das ist nicht der Fall, das muss man ganz klar sagen", sagte der Regierende Bürgermeister, der auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist.

Zuvor war zwischen Bund und Ländern ein Streit um die Verteilung der Impfstoffdosen entbrannt. Vor dem Beginn des Impfgipfels am Donnerstagnachmittag in Berlin beklagten mehrere Regierungschefs, ihre Bundesländer würden bei der Verteilung der knappen Vakzine nicht in angemessenem Umfang berücksichtigt.

So sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Brandenburg bekomme "prozentual weniger" als andere Länder. "Ich will wissen, woran das liegt." Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) monierte, der Hansestadt seien gut 40 000 Impfdosen zu wenig geliefert worden. Auch aus Baden-Württemberg gab es Kritik: Das Land habe bis Ende vergangener Woche gut 95 000 Dosen weniger bekommen, als der Bevölkerungsschlüssel vorgebe, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Hintergrund seien demnach nicht abgerufene Dosen von niedergelassenen Ärzten in Baden-Württemberg. Diese müssten an die Impfstoffzentren gehen und dürften nicht an Ärzte anderer Bundesländer verteilt werden.

Deutlich mehr Vakzin als geplant ging nach Nordrhein-Westfalen

Tatsächlich belegt ein Papier des Paul-Ehrlich-Instituts, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, dass neben Baden-Württemberg auch Sachsen viel weniger Impfstoff bekommt als vorgesehen: Für die niedergelassenen Ärzte dort trafen mehr als 110 000 Dosen zu wenig ein. Deutlich mehr Vakzin als geplant ging nach Nordrhein-Westfalen, wo CDU-Chef Armin Laschet regiert. Hier weist die Statistik 140 000 Dosen zu viel aus. Auch Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bayern bekamen mehr Dosen, als es der Bevölkerungsschlüssel vorsehen würde.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wies die Kritik an der Verteilung des Impfstoffs zurück. "Im Moment ist mir das zu viel Schauen, wer bekommt was", sagte Spahn. Es ginge nicht darum, genau aufzurechnen, wie viel Impfstoff Praxen oder Betriebsärzte exakt erhielten. Entscheidend sei, dass möglichst viele Menschen schnell geimpft werden könnten. Auf die konkreten Vorwürfe aus den Ländern ging Spahn zunächst nicht ein. Er werbe dafür, die aktuellen Erfolge der Impfkampagne in den Vordergrund zu stellen, so Spahn. Noch am Ostermontag seien nur zwölf Prozent der Deutschen mindestens einmal geimpft gewesen, nun wären es mehr als 40 Prozent. Das hätte noch vor wenigen Wochen "keiner gedacht", sagte der Minister. Nun sei absehbar, dass Anfang Juli mehr als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland mindestens eine Impfung bekommen haben werden.

© SZ
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