Gesundheitspolitik:Doppelt hält besser

Coronavirus - Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Spahn

Schutz vor den Viren: RKI-Chef Lothar Wieler und Gesundheitsminister Spahn werben fürs Impfen.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler rufen zum Impfen auf - nicht nur gegen Corona, sondern auch gegen die Grippe.

Von Angelika Slavik, Berlin

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, haben die Bürger aufgerufen, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Anders als im vergangenen Jahr habe man frühzeitig zusätzlichen Impfstoff bestellt, weswegen bereits in den kommenden Wochen 27 Millionen Dosen für eine Influenza-Impfung bereitstünden, sagte Spahn. Der Verlauf einer Grippe-Saison sei stets schwer vorherzusagen, sagte Wieler, es sei aber unbedingt notwendig, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Die könne eintreten, wenn es gleichzeitig viele schwere Influenza- und viele schwere Covid-19-Verläufe gebe. Wer nun also noch nicht gegen Corona geimpft sei, solle das unbedingt tun - das könne auch gleichzeitig mit der Grippe-Impfung geschehen. Auch wer eine dritte Dosis als Corona-Auffrischungsimpfung bekomme, könne sich beim gleichen Termin gegen Influenza impfen lassen. "Doppelt Impfen-Gehen führt auch zu doppeltem Schutz", so Spahn.

In der vergangenen Grippe-Saison wurden laut Spahn etwa 22 Millionen Dosen verimpft, deutlich mehr als in den Jahren zuvor, als meist zwischen 15 und 18 Millionen Grippeschutzimpfungen durchgeführt wurden. Im vergangenen Jahr habe zeitweise die Nachfrage das Angebot überstiegen, das solle nun nicht mehr passieren. Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, sagte, es gebe keine Bedenken, beide Impfungen bei einem Arzttermin zu erhalten. Der Abstand von 14 Tagen, den man im vergangenen Jahr noch aus Sicherheitsgründen empfohlen habe, sei angesichts der Datenlage mittlerweile nicht mehr nötig.

Spahn zeigt sich zuversichtlich

In Hinblick auf die Corona-Impfung zeigten sich Mertens und Wieler unzufrieden mit der Impfquote. Der RKI-Chef sagte, es sei mit einem Anstieg der Corona-Infektionszahlen und damit auch mit einer steigenden Zahl an schweren Krankheitsverläufen im Winter zu rechnen. Es sei offensichtlich, dass vor allem Ungeimpfte davon betroffen seien.

Spahn hingegen zeigte sich zuversichtlich: Immerhin seien fast vier von fünf Erwachsenen in Deutschland geimpft. Ihnen sei er "dankbar". Man habe nun auch nach dem Ende der Ferien und den damit verbundenen Reiserückkehrern eine Inzidenz und eine Situation auf den Intensivstationen, mit denen man umgehen könne - "nicht zuletzt auch aufgrund der Erfolge beim Impfen", so Spahn. "Man stelle sich eine solche Inzidenz und eine solche Lage ohne Impfung vor."

In Deutschland meldete das RKI am Mittwoch eine Sieben-Tages-Inzidenz von 62,3. Im vergangenen Jahr seien nach einem Plateau, also einer scheinbaren Stabilität des Infektionsgeschehens, die Zahlen deutlich gestiegen, so Spahn. Man habe den weiteren Verlauf der Pandemie deshalb "miteinander in der Hand". Er plädierte neben dem Impfen für eine Aufrechterhaltung der Hygieneregeln und der Maskenpflicht, vor allem im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel. Auch die 3-G-Regel, also der Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, habe einen Unterschied gemacht.

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