Corona-Impfungen:Eile mit Weile

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In Pilotprojekten geht es schon: Impfung in einer Hausarztpraxis im fränkischen Hof. (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Hausärzte sollen von Mitte April an in Deutschland mitimpfen. Aber so schnell wird das wohl nicht gehen - aus einem banalen Grund.

Von Jana Anzlinger

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben sich darauf geeinigt, dass Arztpraxen künftig den Großteil der Corona-Impfungen übernehmen. Was bedeutet das für impfwillige Bürger? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wann sollen Kassen- und Fachärzte bundesweit impfen?

Spätestens Mitte April sollen die niedergelassenen Ärzte schrittweise beim Impfen eingebunden werden. Ursprünglich war von Anfang April die Rede. Die Länder bestanden aber darauf, dass die Impfzentren weiterhin mindestens 2,25 Millionen Impfdosen pro Woche erhalten sollen. Den genauen Termin will Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit den Ministerpräsidenten festsetzen. Zuvor hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt, als Nächstes würden die Hausärzte einbezogen, in einem weiteren Schritt dann die Betriebsärzte. Die bundesweit 12 000 Werksmediziner könnten "pro Monat etwa fünf Millionen Beschäftigte impfen", sagte die Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Anette Wahl-Wachendorf, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die regionalen Impfzentren der Länder sollen parallel weiterarbeiten, bereits vergebene Termine bleiben bestehen.

Warum waren Arztpraxen bisher nicht bundesweit eingebunden?

Die Impfzentren und -teams sollten zunächst vor allem die Verteilung der sehr knappen Impfstoffe an die Patienten der Gruppen mit höchsten Impfprioritäten sicherstellen. Einige Experten haben vor der allzu schnellen Einführung der Impfung in Praxen gewarnt. Thomas Mertens, der Chef der Ständigen Impfkommission, sagte, dass es für Hausärzte schwieriger sei, die Priorisierung besonders gefährdeter Menschen einzuhalten. Hinzu kommen weitere Herausforderungen bei der Verteilung, Lieferung, Lagerung und Kühlung der Impfstoffe. Der Vorteil der Impfstoffe von Astra Zeneca und Johnson & Johnson ist, dass man sie bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad Celsius über Monate lagern kann.

Wie beurteilen Ärzteverbände die Entscheidung?

Für die Hausärzte spricht, dass ihnen gerade ältere Patienten vertrauen und die Praxis meist leichter zu erreichen ist als das nächste Impfzentrum. Bei Impfungen gegen andere Krankheiten sind Hausärzte auch die Hauptanlaufstelle. Zudem würden die Kapazitäten der etwa 400 Impfzentren gesprengt, wenn sich die Zahl der gelieferten Impfdosen maßgeblich erhöhen würde. Laut dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, stehen die Hausärzte längst bereit. "Lasst uns einfach impfen", forderte er. Allerdings zweifelte Gassen daran, dass der Apriltermin zu halten sei. "Ich würde da im Moment sehr vorsichtig sein", sagte Gassen im ZDF. Da der Impfstoff zunächst prioritär an die Impfzentren der Länder gehen solle, sehe er die Haus- und Fachärzte im April eher nicht im Impfgeschehen. Sie dürften dafür wohl zu wenig Impfstoff bekommen.

Auch der Hausärzteverband würde den Impfstart in den Praxen am liebsten vorziehen. Jeder Tag zähle, auch weil im Sommer die Impfbereitschaft abflauen könne, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt, der mehr als 30 000 Hausärzte vertritt. "Warum bis zum April warten? Wir stehen bereit." Weigeldt begrüßte es, dass den Praxen ein flexiblerer Umgang mit der Priorisierung ermöglicht werden soll. In den Praxen kenne man die Patienten: "Wir wissen, wer wie alt ist, welche Erkrankungen hat. Springt einer ab, rufen wir den nächsten Berechtigten auf der Liste an. So einfach ist das."

Wie sollen die Praxen an die Vakzine kommen?

Die Gesundheitsminister haben ein bundesweit einheitliches Vorgehen vereinbart. Die Praxen sollen den Impfstoff über den für sie gewohnten Weg über Apotheken und Großhandel beziehen.

Wie viele Impfungen sollen dadurch möglich werden?

Der KBV zufolge stehen fürs Impfen 75 000 Haus- und Facharztpraxen in Deutschland bereit. Wenn 50 000 Arztpraxen täglich jeweils 20 Impfstoffdosen verabreichten, könnten laut KBV allein dadurch bis zu fünf Millionen Patienten pro Woche geimpft werden. Zweifel indes äußerte KBV-Chef Gassen an dem von Bundesfinanzminister Olaf Scholz in Aussicht gestellten Ziel von wöchentlich insgesamt bis zu zehn Millionen Impfungen. Das scheitere wohl an Kapazitäts- und Impfstoffmangel.

Geht es das Impfen nun schneller voran?

Die Bundesregierung hat versprochen, dass jeder impfwillige Bürger bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot erhalten kann. Im Februar hatte die Bundeskanzlerin dieses Versprechen erneuert. Wenn nun alles so kommt wie geplant - Impfstart mit Johnson & Johnson, mehr gelieferte Impfdosen der anderen Hersteller, Einbeziehung der Hausärzte -, dann dürfte das Tempo beim Impfen von April an erkennbar zulegen.

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