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Corona-Impfstoff:Biontech verteidigt Preisangebot an die EU

Jahreswechsel

Biontech-Chef Ugur Sahin.

(Foto: dpa)

Biontech-Chef Sahin wehrt sich gegen Berichte, der Europäischen Union den Corona-Impfstoff zunächst zu einem sehr hohen Preis angeboten zu haben. SZ, NDR und WDR hatten diese Woche berichtet, dass das Unternehmen ursprünglich 54,08 Euro pro Dosis verlangte. 

Von Markus Grill und Georg Mascolo

Biontech-Gründer Ugur Sahin hat sich in der Bild-Zeitung gegen den Eindruck gewehrt, sein Unternehmen habe der EU den Corona-Impfstoff zunächst zu einem sehr hohen Preis angeboten. Sahin sagte: "Es war Anfang, Mitte Juni und es war unsere erste Preisberechnung mit einer großen Reihe von Unbekannten." Tatsächlich stammt das "vertraulich" eingestufte Angebot vom 24. Juni, ist mehrere Seiten stark und begründet den Preis ausführlich.

Es wurde vom Pharmakonzern Pfizer im Namen von Biontech und Pfizer an die EU übermittelt. Konkret bieten darin Pfizer/Biontech der EU 500 Millionen Impfdosen zum Preis von 54,08 Euro an. Wörtlich heißt es in dem Angebot: "Basierend auf unserer Übereinkunft, dass die geschätzte Zahl an Impfdosen, die die Kommission plant zu reservieren (500 Mio.), der Preis 54,08 Euro pro Dosis ist, welches der höchste prozentuale Rabatt ist, der bisher irgendeiner fortgeschrittenen Wirtschaft irgendwo auf der Welt angeboten wurde."

Der Satz legt auch nahe, dass die Überlegungen zur Preisgestaltung in den Unternehmen bereits seit einiger Zeit liefen. Schliesslich werden Vorauszahlungen von 3,50 Euro pro Dosis genannt, die unmittelbar bei Vertragsabschluss fällig werden ("Advance Payment"). Sahin betont jetzt gegenüber der Bild, dass man zum Zeitpunkt des Angebots noch nicht habe wissen können, "wie sich die Produktion genau skalieren lässt" und auch nicht "wie die Produktionsabläufe und Kosten genau sein werden".

"Wenn man die wirtschaftlichen Auswirkungen in Höhe von Billionen Euro in ein traditionelles Kosten-Nutzen-Modell einbezieht, ergibt sich ein Preis, der während einer globalen Pandemie unangemessen wäre"

NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung hatten am Dienstag dieser Woche Biontech mit dem Verkaufsangebot konfrontiert und unter anderem gefragt, wie sich der Preis von 54,08 Euro erkläre. Darauf hatte das Unternehmen weder geantwortet, dass dies eine "erste Preisberechnung" gewesen sein soll, noch dass die Produktionskosten damals noch unklar gewesen sein sollen.

Das Unternehmen hatte lediglich mitgeteilt: "Der Preis für den Impfstoff ist von verschiedenen Faktoren abhängig und liegt in einer gewissen Spanne für alle Länder mit höherem Einkommen. Bei Ländern mit niedrigerem Einkommen wird der Preis entsprechend angepasst."

Eine Anfrage zu einem Gespräch über das hohe Preis-Angebot an die EU ließ Sahin diese Woche unbeantwortet. Tatsächlich hatten Pfizer/Biontech in ihrem Schreiben an die EU den Preis sogar mit verschiedenen Argumenten begründet, so etwa, dass sie die Forschung und Entwicklung "vollständig selbst finanziert" hätten und dass die Corona-Pandemie weltweit gewaltige wirtschaftliche Schäden verursache. "Wenn man die wirtschaftlichen Auswirkungen in Höhe von Billionen Euro in ein traditionelles Kosten-Nutzen-Modell einbezieht, ergibt sich ein Preis, der während einer globalen Pandemie unangemessen wäre", heißt es in dem Angebot. Erst danach folgt die geforderte Summe von 54,08 Euro pro Impfdosis. Die Bild zitiert in ihrem Bericht weiter eine anonyme Quelle "aus Kreisen der Bundesregierung", die angeblich sage, dass allen klar gewesen sei, dass das Angebot vom Juni "eine Wasserstandsmeldung" gewesen sei. Einen Beleg dafür gibt es nicht und auch Biontech/Pfizer hatten das bisher nicht so dargestellt.

Wie SZ, NDR und WDR berichtet hatten, hat sich Pfizer/Biontech mit der EU-Kommission bereits im Sommer auf einen endgültigen Preis in Höhe von 15,50 Euro geeinigt und auch die USA hatte im Juli 100 Millionen Impfdosen zum Preis von 19,50 US-Dollar (16 Euro) bestellt.

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