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Häusliche Gewalt:Mehr Hilferufe von Frauen in der Pandemie

Jahresbericht des Hilfetelefons 'Gewalt gegen Frauen'

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey: "Ein großes Thema durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch".

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Seit dem ersten Lockdown im März 2020 wächst die Zahl Hilfe suchender Frauen, die Gewalt in den eigenen vier Wänden erleiden. Vor allem der Bedarf an fremdsprachlicher Beratung ist gestiegen.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Belastungen hinterlassen Spuren in vielen Familien und Partnerschaften - bis hin zu häuslicher Gewalt. Diesen Schluss lässt der aktuelle Jahresbericht des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen" zu, den Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) am Montag in Berlin vorgestellt hat. 51 407 Beratungen verzeichnet der Bericht für das vergangene Jahr, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zum Teil liege dieser Anstieg laut Giffey daran, dass das Hilfetelefon durch Kampagnen deutlich bekannter gemacht worden sei. "Aber wir sehen eben auch, dass der Hilfebedarf groß ist und das Dunkelfeld vermutlich noch größer", sagte sie, "das ist ein großes Thema durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch."

Bei den gut 51 400 Beratungen im vergangenen Jahren sei es in 24 000 Fällen um häusliche Gewalt gegangen, sagte Petra Söchting, die Leiterin des Hilfetelefons. Die anderen Anfragen drehten sich um weitere Formen von Gewalt gegen Frauen, von Stalking bis zu sexualisierter Gewalt.

Giffey geht von mehr Gewalttaten aus

Während es im März 2020, also zumindest zum Teil noch vor dem ersten Lockdown, rund 850 Anfragen gab, darunter 385 zur häuslichen Gewalt, waren es seit April laut Söchting im Schnitt 1030 Anfragen im Monat, davon etwa 480 zur häuslichen Gewalt. Giffey sagte, bei diesem Anstieg müsse man davon ausgehen, dass er nicht nur auf der gestiegenen Aufmerksamkeit für das Hilfetelefon beruhe, sondern auf "gestiegenen Zahlen von Gewalt".

Unter der Nummer 08000 116 016 erreichen betroffene Frauen, aber auch Menschen aus ihrem Umfeld, mehr als 80 Beraterinnen, die anonym und in 18 Sprachen weiterhelfen. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage an fremdsprachlicher Beratung nach Angaben des Ministeriums um 25 Prozent. Das lasse eine schwierigere Situation von Frauen mit Migrationserfahrung in der Pandemie vermuten.

© SZ/min
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