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Corona-Maßnahmen in Europa:Andere Länder, andere Mittel, anderes Tempo

"Ist Ihre Reise notwendig?" Die Frage richtet sich an Menschen, die in London unterwegs sind.

(Foto: TOLGA AKMEN/AFP)

Fünf der zehn Länder mit der höchsten Zahl an Sars-COV-2-Neuinfektionen liegen in Europa. Um die Verbreitung der neuen Corona-Variante zu verhindern, wählen ihre Regierungen unterschiedliche Maßnahmen.

Von Lilith Volkert

Die Nachricht löst kurz Erschrecken, dann Erstaunen aus: In China ist die Zahl der Sars-COV-2-Neuinfektionen so stark gestiegen wie seit mehr als zehn Monaten nicht mehr. Die Anzahl der von der Gesundheitsbehörde gemeldeten Fälle an diesem Freitag: 144. Das ist der höchste Wert seit dem 1. März 2020. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die offiziellen Zahlen geschönt sind: Das Land mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern scheint die Pandemie durch strenge Maßnahmen weiterhin im Griff zu haben. Dem traditionellen Neujahrsfest Mitte Februar - normalerweise Hauptreisezeit - sieht die Regierung betont gelassen entgegen. Wenn die Kontrollen und die Vorsorgemaßnahmen ordnungsgemäß umgesetzt würden, sei ein massives Wiederaufleben unwahrscheinlich, erklärte die Gesundheitsbehörde CCDC zuletzt.

In Europa sieht es ganz anders aus. Fünf der zehn Länder mit der höchsten absoluten Anzahl an bestätigten Neuinfektionen weltweit liegen nach Informationen der Johns Hopkins University hier. In Großbritannien - auf Platz zwei nach den USA und vor Brasilien - füllt die Virusmutation B 1.1.7 weiterhin die Krankenhäuser. In London wurde deshalb vergangene Woche der Katastrophenfall ausgerufen. Ab Montag gelten außerdem nun verschärfte Einreiseregeln: Alle Reisenden benötigten ein negatives Testergebnis und müssten sich unmittelbar nach ihrer Ankunft in Quarantäne begeben.

In den anderen vier Ländern - Spanien, Deutschland, Frankreich und Italien - versucht man nach Kräften, deren Verbreitung zu verhindern - zum Teil mit unterschiedlichen Mitteln, auf jeden Fall in unterschiedlichem Tempo. Während in Deutschland Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten sich gerade dazu durchgerungen haben, ihr nächstes Krisentreffen um sechs Tage auf kommenden Dienstag vorziehen, verschärft Frankreich bereits seine ohnehin strengen Maßnahmen. Von diesem Samstag an gilt die tägliche Ausgangssperre von 18 Uhr an - zwei Stunden früher als bisher. Wer aus einem Nicht-EU-Land einreisen möchte, muss von Montag an einen negativen PCR-Test vorweisen können. Bisher genügte ein Schnelltest. Außerdem müssen sich Einreisende anschließend sieben Tage in Quarantäne begeben. Von dieser Regelung betroffen sind insbesondere Lastwagenfahrer, die Waren aus Großbritannien transportieren, das seit 1. Januar nicht mehr zur Europäischen Union gehört.

In Spanien hat sich die dritte Welle auf die zweite gesetzt. Noch bevor die Infektionszahlen mit verschärften Maßnahmen in den Wochen vor Weihnachten gesenkt werden konnten, kamen die Neuinfektionen während der Feiertage hinzu. Nun erreichen die Zahlen fast im ganzen Land neue Höchstwerte. Am Mittwoch wurde der höchste Anstieg an Neuinfektionen innerhalb eines Tages seit Ausbruch der Epidemie gemeldet. Gerade Regionen wie die Balearen, die bis zum Winter relativ gut durch die Pandemie kamen, verzeichneten zuletzt besonders viele Neuinfektionen. Die Regionalregierungen, die für die Eindämmung des Virus zuständig sind, reagierten deshalb in dieser Woche mit neuen Maßnahmen. Auf den Inseln im Mittelmeer etwa sind seit Mittwoch private Treffen von Menschen, die nicht im selben Haushalt leben, verboten. Die meisten anderen Regionen haben ihre Gebiete abgeriegelt, sie dürfen also nur in begründeten Fällen besucht werden. Die für den 14. Februar geplante Parlamentswahl in Katalonien wird auf Ende Mai verschoben.

Portugal hat wegen neuer Rekordzahlen bei den Neuinfektionszahlen einen einmonatigen Lockdown verhängt, der an diesem Freitag beginnt. Das Haus darf nur aus triftigem Grund verlassen werden. Home-Office ist - wo möglich - Pflicht, dafür bleiben Schulen geöffnet.

In Irland hat die neue Virusvariante aus dem benachbarten Großbritannien Anfang Januar zu einem der schlimmsten Ausbrüche seit Beginn der Pandemie geführt. Die gemeldeten Neuinfektionen sind von etwa 300 auf zwischenzeitlich 8000 pro Tag gestiegen - bei 4,9 Millionen Einwohnern. Wissenschaftler schätzen, dass fast die Hälfte der irischen Ansteckungen auf die neue Variante des Coronavirus zurückzuführen ist. Experten werfen der Regierung vor, den zweiten Lockdown zu früh beendet und über die Weihnachtsfeiertage zu viele Kontakte zugelassen zu haben.

© SZ/mcs
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