Corona:Keine Testpflicht mehr für drei Mal Geimpfte

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Cafe Kosmos Bar offers COVID-19 vaccinations, in Munich

Impfen zwischen Hot-Dogs im Café Kosmos in München. Impfzentren und Ärzte stoßen an ihre Grenzen.

(Foto: Lukas Barth/Reuters)

Karl Lauterbach will den Deutschen mehr Freiheiten nach dem Booster gewähren. Die Politik hofft so auf ein höheres Impftempo im Wettlauf mit der Omikron-Variante. Doch schon jetzt stoßen Impfzentren und Ärzte an Grenzen.

Von Markus Balser und Joachim Käppner, Berlin

Im Kampf gegen die deutlich ansteckendere Corona-Variante Omikron will die Bundesregierung schon in dieser Woche neue Anreize für eine Booster-Impfung schaffen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plant, die Testpflicht für dreimal Geimpfte abzuschaffen. Lauterbach bereite einen "Vorschlag zu dem Thema vor" und werde ihn bereits auf der Gesundheitsministerkonferenz der Länder am Dienstag vorlegen, kündigte ein Sprecher des Ministerium am Sonntag an.

Vollständig Geimpfte müssten sich dann bei den immer häufiger geltenden 2-G-plus-Regeln (Zugang nur für Geimpfte und Genesene mit negativem Corona-Test) bundesweit nicht mehr testen lassen.

Experten raten zu Verkürzung des Abstands zwischen Zweit- und Drittimpfung

Ein Aus der Testpflicht sei "nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern liefert auch einen zusätzlichen Impfanreiz", sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), der auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz der Länder ist.

Die Dreifachimpfung soll laut Studien auch gegen die Omikron-Variante einen "signifikanten Schutz" bieten. Er fällt zwar schwächer aus als bei der Delta-Variante, jedoch sind Geimpfte nach dem Booster auch gegen die neue Variante viel besser geschützt als nach nur zwei Impfungen. Sie könnte laut EU-Gesundheitsbehörde schon in wenigen Monaten die dominante in Europa sein.

Experten plädieren deshalb auch für noch mehr Tempo beim Impfen und eine Verkürzung des Abstands zwischen Zweit- und Drittimpfung von sechs auf bis zu drei Monate. Fraglich ist allerdings, ob Ärzte und Impfzentren in den nächsten Wochen mehr Impfwillige versorgen können. Vielerorts sind die Impftermine über Wochen ausgebucht. Bislang haben fast 19 Millionen Menschen und damit rund 23 Prozent der Bevölkerung eine dritte Impfung bekommen.

Deutschlands Städte und Gemeinden drängen derweil auf zügige Entscheidungen und verlässliche Impfstofflieferungen. "Der Bund muss sehr schnell entscheiden, ob Geimpfte bereits nach drei Monaten eine Auffrischungsimpfung bekommen sollen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages Helmut Dedy der Süddeutschen Zeitung. Wenn sich die Bundesregierung wegen Omikron für frühzeitiges Boostern entscheide, brauche man auch "viel mehr Impfstoff vor Ort".

Doch noch immer kommt es zu Engpässen. "Die neue Bundesregierung und die Länder müssen jetzt dringend sicherstellen, dass der Nachschub auch überall ankommt", sagte auch Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Er forderte zudem, "die Impfzentren sämtlich wieder zu öffnen und langfristig rund um die Uhr in Betrieb zu halten". Fachleute wie der Chef des Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt rechnen ohnehin bereits damit, dass spätestens im Herbst eine vierte Impfung nötig werde.

Nachdem am Wochenende in verschiedenen Städten erneut Corona-Demonstrationen eskalierten, kündigt die Bundesregierung an, stärker gegen eine Radikalisierung vorzugehen. "Die Gewaltbereitschaft nimmt zu", sagte Innenministerin Nancy Faeser (SPD). "Viele Querdenker werden radikaler." Bedrohungen und Einschüchterungen seien aber völlig inakzeptabel. Die Gesellschaft müsse "Spaltungsversuche der antidemokratischen Kräfte überwinden".

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