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Corona:China - machtlos in der Krise

Das Virus verbreitet sich weiter rapide, mehr als 14 000 Menschen haben sich infiziert. Die Verunsicherung im Land wächst. Immer mehr Staaten verweigern Chinesen die Einreise.

Chinese People's Liberation Army (PLA) Air Force aircraft arrive at the Wuhan Tianhe International Airport with medical personnel and supplies to help fight the outbreak of the new coronavirus in Wuhan

Soldaten der chinesischen Armee nach ihrer Landung am Sonntag in Wuhan – sie sollen dabei helfen, das Coronavirus einzudämmen.

(Foto: China Daily/Reuters)

Etwa einen Monat nach Bekanntwerden des Coronavirus-Ausbruchs in der chinesischen Stadt Wuhan wächst der Unmut über die Zentralregierung in Peking weiter. Bildmaterial aus überfüllten Notaufnahmen, eine Lokalregierung, die sich aus dem Bestand eines Krankenhauses bedient, und die rasant steigenden Neuinfizierungen lösen Wut im Land aus. Inzwischen liegt die Zahl der an dem Virus erkrankten Menschen in China bei mehr als 14 300. Mindestens 304 Personen sind gestorben. Am Wochenende gab es auf den Philippinen das erste Todesopfer außerhalb Chinas.

Nach einer landesweit geltenden dreitägigen Verlängerung der Neujahrsferien bis Montag bleiben viele Geschäfte auch darüber hinaus in dieser Woche geschlossen. Unter anderem in Shanghai sind die Firmen angewiesen, die Betriebspause noch um mindestens eine Woche zu verlängern. Auch viele globale Unternehmen mit Niederlassungen in China haben ihre Mitarbeiter gebeten, zu Hause zu bleiben. Mehr als 10 000 Flüge wurden als Reaktion auf den Virusausbruch weltweit in den vergangenen Tagen gestrichen. Chinas Zentralbank hat angekündigt, die Wirtschaft finanziell zu stützen. Peking müsse sich auf das Schlimmste vorbereiten, warnt die Staatspresse.

Vor der Wiedereröffnung der Börsen am Montag geht die Regierung Insidern zufolge gegen Leerverkäufe vor. Dabei wird mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse gewettet. Die chinesische Börsenaufsicht CSRC habe Börsenmaklern mündlich aufgetragen, ihren Kunden am Montag solche Geschäfte zu verweigern.

Währenddessen schotten sich immer mehr Länder gegen China ab. Die USA, Singapur, Neuseeland und Australien verweigern Menschen aus China die Einreise. Taiwan, Südkorea und Japan lassen keine Personen aus betroffenen Regionen einreisen. Auch Russland hat sein Visa-Abkommen mit China ausgesetzt. In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong drohen Tausende Mitarbeiter in Krankenhäusern zu streiken, sollte Regierungschefin Carrie Lam nicht die Grenzen nach Festlandchina komplett schließen.

In Deutschland wurden zwei Menschen positiv auf das Coronavirus getestet, die am Samstag mit einer Sondermaschine der Bundeswehr aus Wuhan auf dem Frankfurter Flughafen eingetroffen waren. Die Bundeswehr hatte 124 Menschen ausgeflogen, unter ihnen 102 Deutsche. Eine kleinere Gruppe wurdezunächst in die Frankfurter Uniklinik gebracht, die anderen Rückkehrer in eine Quarantänestation in einer Bundeswehrkaserne im rheinland-pfälzischen Germersheim. Für Personal, ehrenamtliche Helfer und Bevölkerung in Germersheim bestehe "kein Grund zur Sorge", teilten die Behörden mit.

In Bayern wurde derweil ein achter Infektionsfall bekannt. Es handelt sich nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit um einen 33-jährigen Mann aus München. Die bisher acht in Bayern mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen befinden sich nach Auskunft des bayerischen Gesundheitsministeriums in guter Verfassung.

© SZ vom 03.02.2020
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