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Corona-Bekämpfung:EU stoppt erstmals Vakzin-Export

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250 000 Dosen wollte Astra Zeneca von seinem in Italien hergestellten Vakzin nach Australien liefern. Die Regierung in Rom sagte Nein.

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Italien lehnt einen Ausfuhrantrag für Impfstoff von Astra Zeneca ab. Das Unternehmen ist mit seinen Lieferungen in der EU im Rückstand.

Von Björn Finke, Brüssel

In der EU ist erstmals der Export von Corona-Impfstoff verboten worden. Der britisch-schwedische Hersteller Astra Zeneca hatte bei der italienischen Regierung die Ausfuhr von 250 000 Dosen nach Australien beantragt. Der Konzern lässt Impfstoff in Italien abfüllen. Ende voriger Woche lehnte Rom dieses Ansinnen ab und informierte die EU-Kommission über diesen Beschluss. Da die Behörde keine Einwände hatte, trat der Exportstopp schließlich in Kraft, wie es in Brüssel heißt.

Das Unternehmen und die EU-Kommission wollten zu dem Vorgang zunächst nicht Stellung beziehen. Exporte von Corona-Vakzinen aus der EU müssen seit Ende Januar genehmigt werden. Bis Ende Februar erteilte die Kommission 150 Genehmigungen für Ausfuhren in 29 Staaten - abgelehnt wurde bis dahin kein einziger Antrag. Eine Ablehnung ist nur vorgesehen, wenn die Exporte die Erfüllung der Lieferverpflichtungen gegenüber der EU gefährden würden. Etwa 95 Prozent der exportierten Vakzine stammen von Biontech und Pfizer, und diese Unternehmen halten ihre Verträge mit Brüssel ein.

Im Rückstand ist dagegen Astra Zeneca. In den Monaten Dezember bis März kann das Unternehmen wegen Problemen in einer europäischen Fabrik nur 40 statt der versprochenen 120 Millionen Dosen liefern. Trotzdem bekam der Konzern die Erlaubnis für kleinere Ausfuhren, die klinischen Studien dienen. Doch die Großbestellung für Australien wurde nun gestoppt.

Brüssel will die Genehmigungspflicht bis Ende Juni verlängern

Die Lieferverzögerungen bei Astra Zeneca waren auch der Grund dafür, wieso die EU die Genehmigungspflicht überhaupt Ende Januar eingeführt hat. Damals stand der Verdacht im Raum, dass der Konzern Impfstoff aus der EU nach Großbritannien exportiert hat - trotz der Schwierigkeiten, die Verpflichtungen gegenüber der EU zu erfüllen. Wie es in der Kommission heißt, hat sich dieser Verdacht inzwischen bestätigt.

Die Genehmigungspflicht ist vorerst bis Ende März befristet, doch die Kommission hat eine Verlängerung bis Ende Juni vorgeschlagen, wie in Brüssel zu hören ist. Insgesamt hat die Behörde bis zu 2,6 Milliarden Dosen Impfstoff bestellt. Bis Ende September soll mehr als eine Milliarde ausgeliefert sein. Trotzdem laufen die Impfkampagnen schleppend an, weil Hersteller wie Astra Zeneca im Moment weniger zur Verfügung stellen als erhofft oder versprochen.

© SZ/bac
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