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Coronavirus in Deutschland:Ganz Spanien und die Niederlande nun Hochinzidenzgebiet

  • Auch die Niederlande, Spanien und Georgien zählen nun zu den Hochinzidenzgebieten. Einige weitere Länder wurden neu zu Risikogebieten erklärt.
  • Nach einem Disco-Besuch müssen in Aachen 900 Menschen in Quarantäne, in Osnabrück hat sich ein ähnlicher Fall ereignet.
  • Der Inzidenzwert in Deutschland steigt auf 13,2, bei Menschen zwischen 15 und 34 Jahren liegt er bei 32.
  • Wegen einer möglichen Sicherheitslücke stellen Apotheken seit Mittwoch keine digitalen Corona-Impfnachweise mehr aus.
  • Aktuelle Corona-Meldungen weltweit.

Die Bundesregierung hat ganz Spanien und die Niederlande wegen hoher Corona-Infektionszahlen in der Pandemie zum Hochinzidenzgebiet erklärt. Die Einstufe gelte von Dienstag an, teilte das Robert-Koch-Institut mit. Damit gilt für Einreisende oder Reiserückkehrer eine zehntägige Quarantänepflicht, sofern sie nicht geimpft oder von Corona seit höchstens sechs Monaten genesen sind. Bei Hochrisikogebieten kann ein vorgelegter Negativtest erst nach fünf Tagen von der Quarantänepflicht befreien.

Bei der Einreise aus einem einfachen Risikogebiet sind die Einreiseregeln nicht ganz so streng: Es muss ein Meldeformular ausgefüllt und spätestens bis 48 Stunden nach der Einreise ein negatives Testereignis vorgelegt werden. Für vollständig Geimpfte und Genesene entfällt diese Pflicht.

Als einfache Risikogebiete gelten künftig die Länder Dänemark (mit Ausnahme von Grönland), Irland, Malta und Monaco sowie die Regionen Korsika, Okzitanien, Provence-Alpes-Côte d'Azur und das Übersee-Département Martinique in Frankreich. Georgien gilt als bereits von Sonntag an als Hochrisikogebiet.

Nach der Einstufung zum Hochinzidenzgebiet durch Deutschland hat Spanien betont, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen nicht mehr das Maß aller Dinge sein könne. Für die Einschätzung des Corona-Risikos müssten auch andere Größen wie die Lage in den Krankenhäusern und der Stand der Impfkampagne berücksichtigt werden, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen in Madrid. Eine offizielle Stellungnahme gab es zunächst nicht. Es handele sich um die souveräne Entscheidung eines anderen Landes, die man nicht kommentieren wolle, hieß es.(23.07.2021)

Hunderte müssen nach Disco-Besuch in Quarantäne

Wegen zweier Corona-Fälle sollen in Aachen etwa 900 Besucher einer Discothek in Quarantäne. Das Gesundheitsamt weiß allerdings nicht, wer. Denn die hinterlegten Kontaktdaten seien "oft unleserlich" gewesen, teilte das Gesundheitsamt mit, die Nachverfolgung der Kontaktpersonen scheitere "am Zustand der Liste". Daher fordert das Amt nun alle, die am vergangenen Freitag oder Samstag in der Disco "Apollo" waren, dazu auf, sich sofort in Quarantäne zu begeben. "Man darf nicht noch schnell ein letztes Mal einkaufen gehen oder an anderen Treffen mit Freunden teilnehmen", sagte Gesundheitsdezernent Michael Ziemons. Am Freitag und am Samstag waren jeweils etwa 450 Menschen in der Disco feiern - und unter ihnen auch jeweils eine infizierte Person.

Wegen eines mit dem Coronavirus infizierten Besuchers könnten auch in Osnabrück mehr als 400 Menschen in Quarantäne geschickt werden. Das hänge davon ab, welche Virus-Variante der Discobesucher gehabt habe, sagte eine Stadtsprecherin am Freitag. Bei der Delta-Variante seien die Geimpften und Genesenen von der Quarantäne ausgenommen, bei der ansteckenderen Gamma-Variante müssten auch sie in Quarantäne. Die Bestimmung des Virustyps sei vom Labor noch nicht abgeschlossen. Insgesamt hatten den Angaben zufolge etwa 405 Menschen aus der Region Osnabrück mit dem aus dem Landkreis Vechta stammenden Besucher Kontakt. In der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag hatten sich in der Discothek 1370 Menschen per App registriert. (23.07.2021)

Inzidenz steigt auf 13,2

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit mehr als zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von Freitagmorgen lag sie bei 13,2 - am Vortag betrug der Wert 12,2. Der jüngste Tiefststand lag am 6. Juli bei 4,9. Demnach meldeten die Gesundheitsämter zuletzt binnen eines Tages 2089 Corona-Neuinfektionen. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 34 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 18 Tote gewesen.

Der Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz ist nach Angaben des RKI bisher vor allem bei Menschen zwischen 15 und 34 Jahren zu beobachten. Während sich die Werte in den Gruppen ab 60 Jahren in den vergangenen Wochen nur minimal und auf sehr niedrigem Niveau veränderten, verzeichnet das RKI für Jüngere relativ starke Zuwächse. Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz von 32 in der vergangenen Woche wies die Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 34 Jahren auf. In dem Alter sind schwere Krankheitsverläufe von Covid-19 relativ selten. Die Impfquoten bei den Menschen unter 60 sind deutlich geringer als bei den über 60-Jährigen. In diesen Gruppen sind weniger als fünf Fälle pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen erfasst.

In einer zufällig für Erbgutanalysen ausgewählten Stichprobe lag der Anteil der Delta-Variante bei 84 Prozent, so das RKI. Das ist ein weiterer Zuwachs im Vergleich zur Vorwoche, als der Anteil noch rund zwei Drittel betragen hatte. (23.07.2021)

Apotheken stoppen Ausgabe von Impfzertifikaten

Apotheken in ganz Deutschland können seit Mittwoch keine Corona-Impfzertifikate mehr ausstellen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) teilte am Donnerstag mit, dass die Ausstellung von Zertifikaten in Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium gestoppt worden sei. Dem Handelsblatt sei es gelungen, "mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten" auf dem DAV-Server einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber zu erzeugen; mit diesem seien dann zwei Impfzertifikate ausgestellt worden. Aktuell würden deshalb die angemeldeten Betriebsstätten einer Überprüfung unterzogen. Doch gebe es bislang keine Hinweise auf andere unberechtigte Zugänge.

Das Handelsblatt teilte auf Anfrage mit, es sei richtig, dass das Blatt eine gravierende Sicherheitslücke bei der Erstellung digitaler Impfnachweise aufgedeckt habe. "Jedoch hat nicht das Handelsblatt selbst sich einen Zugang zum System verschafft; zwei IT-Sicherheitsspezialisten haben die Schwachstelle offengelegt und damit demonstriert, dass es bei dem Portal deutliche Mängel gibt", sagte eine Verlagssprecherin.

Wann die Apotheken wieder Impfzertifikate ausstellen können, steht nach Angaben des DAV noch nicht fest. Es sei aber davon auszugehen, dass die mehr als 25 Millionen Impfzertifikate, die bisher ausgestellt worden seien, alle von rechtmäßig registrierten Apotheken stammen. (22.07.2021)

Schärfere Corona-Regeln in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat eine Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen angekündigt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liege bei 14,4 (Donnerstag) mit steigender Tendenz. "Ab Montag gilt daher vermutlich für das Land wieder die Inzidenzstufe 1 mit ersten zusätzlichen Schutzmaßnahmen", sagte Laumann dem Kölner Stadt-Anzeiger. Während es in der Inzidenzstufe null keine Kontaktbeschränkungen gibt, sind in der Stufe 1 Treffen im öffentlichen Raum ohne Test für Angehörige aus fünf Haushalten erlaubt. In einzelnen Städten und Kreisen gilt Stufe 1 bereits, weitere Kommunen folgen ab Freitag.

"Wir werden jetzt in den nächsten Wochen genau anschauen, welche Dynamik der Infektionsanstieg erreicht und auch welche Auswirkungen die steigenden Inzidenzen auf die Belegung der Krankenhäuser haben", sagte Laumann. (22.07.2021)

Spanien und Niederlande werden wohl Hochinzidenzgebiete

Die Bundesregierung will einem Medienbericht zufolge Spanien und die Niederlande am Freitag zu Hochinzidenzgebieten erklären. Die Funke-Mediengruppe beruft sich in ihrem Vorabbericht auf Regierungskreise. Damit müssten nicht vollständig geimpfte Reiserückkehrer in eine zehntägige Quarantäne gehen, die frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beendet werden kann.

Deutschland hatte am 9. Juli ganz Spanien zum Risikogebiet erklärt. Bei dieser Einstufung kann die Quarantäne mit einem negativen Test umgangen werden. Für Geimpfte und Genesene gilt sie nicht.

In Spanien waren die Corona-Fallzahlen in den vergangenen Wochen stark gestiegen, das hat sich zuletzt etwas abgeflacht. Die Zahl der Neuerkrankungen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums leicht auf 333. Das war nur ein Zähler mehr als am Vortag. Für die Balearen, zu denen auch die Urlaubsinsel Mallorca gehört, wurde der Wert mit 365 angegeben. Damit liegen Spanien insgesamt und auch 16 seiner 17 Regionen über dem Wert von 200, von dem an dem Deutschland ein Land oder eine Region zum Hochinzidenzgebiet erklären kann. Bei der Entscheidung darüber sollen aber auch andere Faktoren als nur die Inzidenzen berücksichtigt werden. Dies könnten etwa die Lage im Gesundheitssystem, die Todesrate und der Stand der Impfkampagne sein. (22.07.2021)

Polizei: Ärzte sollen falsche Corona-Impfausweise ausgestellt haben

Mediziner einer Gemeinschaftspraxis im Landkreis Gifhorn sollen falsche Corona-Impfausweise ausgestellt haben - und zwar in "größerem Umfang". Die Anzahl könne bisher nur gemutmaßt werden, möglich sei eine zweistellige Zahl, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hildesheim. Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten die Praxis, Unterlagen und Computerdaten wurden sichergestellt. Gegen die Ärzte wird den Angaben zufolge wegen gewerbsmäßigen Betrugs, der Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse und Körperverletzung ermittelt.

Den Ermittlungen ging eine anonyme Anzeige voraus, wie der Sprecher sagte. Demnach gab es den Vorwurf von Schein-Impfungen gegen die Masern - die Ärzte sollen Kindern statt des Impfstoffs Kochsalzlösung gespritzt haben. Im Laufe der Ermittlungen stellte sich heraus, dass es möglicherweise auch bei der Corona-Impfung "nicht mit rechten Dingen" zuging, wie der Sprecher sagte. Ein Durchsuchungsbeschluss wurde erlassen, am Mittwoch wurde die Praxis durchsucht. Der Verdacht nicht gespritzter Masern-Impfstoffe führte dazu, dass auch wegen Körperverletzung gegen die Mediziner ermittelt wird. Im Falle einer Verurteilung droht den Verdächtigen allein wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Betrugs eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. (22.07.2021)

Schleswig-Holstein lockert

Von kommenden Montag an sind in Schleswig-Holstein wieder größere private Treffen mit bis zu 25 Personen erlaubt. Bislang dürfen sich im Norden nur maximal zehn Menschen aus ebenso vielen Haushalten treffen. Kinder unter 14 Jahren, Genesene und Geimpfte zählen jeweils nicht dazu.

Mit der neuen Corona-Verordnung, die das Landeskabinett jetzt beschlossen hat, gibt es eine Reihe weiterer Erleichterungen: keine Testpflicht mehr für den Besuch von Innenräumen in Restaurants, keine Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Feiern und Empfängen. Auflagen wie eine maximale Auslastung von 50 Prozent gelten aber weiter. Wer im Hotel übernachten will, muss weiter einen negativen Test nachweisen, der höchstens 48 Stunden alt ist. Es wird aber kein Folgetest mehr benötigt. Auf Schiffen muss man draußen keine Maske mehr tragen. Die verbliebenen Testpflichten beim Sport sowie bei Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe fallen künftig weg. (22.07.2021)

Inzidenz steigt auf 12,2

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit mehr als zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von Donnerstagmorgen lag sie bei 12,2 - am Vortag betrug der Wert 11,4 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach meldeten die Gesundheitsämter dem RKI zuletzt binnen eines Tages 1890 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 1642 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 42 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 32 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3 750 503 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. (22.07.2021)

Länder setzen zunehmend auf mobiles Impfen

Angesichts sinkender Nachfrage nach Corona-Impfungen setzen die Bundesländer zunehmend auf flexible Lösungen, um mehr Menschen zu erreichen. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervor. Das Interesse an einer Impfung lässt vielerorts nach, teilweise werden Impfzentren geschlossen. Außerdem gibt es immer mehr mobile Impfteams, und Menschen können sich vielerorts auch ohne Termin eine Spritze holen. Trotz der sinkenden Zahlen sind bislang nur wenige Impfdosen verfallen

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sinkt die Anzahl der verabreichten Impfdosen in Deutschland. Am Dienstag wurden etwa nur 572 482 Dosen gespritzt, der Höchststand lag bei 1,5 Millionen am 9. Juni. Besonders die Impfzentren verzeichneten laut dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung einen Rückgang. In den hessischen Impfzentren erschienen rund 20 Prozent der Menschen nicht zu ihren Terminen, wie das Innenministerium mitteilte. Auch in Berlin wurden laut Gesundheitsverwaltung etwa 20 Prozent der Termine nicht genutzt. In Thüringen seien die überregionalen Impfzentren laut Gesundheitsministerium nur noch zur Hälfte ausgelastet. In Baden-Württemberg sei die Zahl der Erstimpfungen in den Impfzentren zuletzt um 70 Prozent eingebrochen, so das Gesundheitsministerium.

Die geringe Auslastung führt dazu, dass vermehrt Impfzentren schließen. Stattdessen setzen viele Länder auf flexible Impfangebote. Beispielsweise sind mobile Impfteams in Fußgängerzonen, an Universitäten oder vor Fußballstadien unterwegs. Vielerorts kann man nun auch ohne Termin in Impfzentren eine Spritze bekommen.

Immer wieder wird auch darüber diskutiert, zusätzlich Impfanreize anzubieten, um die Impfquote wieder zu steigern. Zuletzt hatte etwa Berlins SPD-Vorsitzende Franziska Giffey eine Art Kulturticket als vorgeschlagen, um Menschen zu einer Corona-Impfung zu bewegen und gleichzeitig die Kultur- und Veranstaltungsbranche zu unterstützen. Ihre Idee: Wer sich impfen lässt, bekommt ein kostenloses Ticket etwa für eine Theatervorstellung, eine andere Veranstaltung, eine Schifffahrt auf der Spree oder ähnliches. Die Kosten dafür trägt die öffentliche Hand. "Wir müssen die Leute zum Impfen kriegen und dafür unkonventionelle Wege gehen, die auch einen Anreiz schaffen", unterstrich Giffey im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. (22.07.2021)

© SZ/dpa/rtr/hij/saul/berj/olkl
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