Coronavirus in Deutschland:Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter leicht

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Sie liegt nun bei 17,8. Die Gesundheitsämter melden dem Robert-Koch-Institut 847 neue Corona-Fälle. Reiserückkehrer müssen seit Sonntags Tests vorweisen. Innenminister Seehofer kündigt dazu stichprobenartige Kontrollen an.

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von Montagmorgen lag sie bei 17,8 - am Vortag hatte der Wert bei 17,5 gelegen. Der jüngste Tiefststand hatte am 6. Juli 4,9 betragen. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 847 Corona-Neuinfektionen. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 958 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden ein Todesfall verzeichnet.

Stichproben: Reiserückkehrer müssen Corona-Test vorweisen

Wer aus dem Ausland nach Deutschland zurückkommt, muss seit Sonntag einen Corona-Test vorweisen. Damit soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zum Ende der Sommerferien verhindert werden. Alle Menschen ab zwölf Jahren müssen bei der Einreise nachweisen können, dass bei ihnen das Übertragungsrisiko verringert ist - mit dem Nachweis einer Impfung, einem Nachweis als Genesener oder einem negativen Testergebnis.

Dazu hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Kontrollen angekündigt. "Wer nach Deutschland einreist, muss damit rechnen, kontrolliert zu werden. Bundes- und Landespolizei arbeiten hier Hand in Hand", sagte er der Bild am Sonntag. An den Binnengrenzen werde es Stichproben geben, um kilometerlange Staus im Urlaubsverkehr zu verhindern. "Bei Einreisen aus Ländern außerhalb der EU, an den Flug- und Seehäfen wird jeder kontrolliert, ohne Ausnahme", so Seehofer. Wer keinen negativen Test habe, müsse eventuell in Quarantäne, darüber hinaus drohten "empfindliche Bußgelder".

Eine Testpflicht gab es schon für alle Flugpassagiere. Jetzt gilt sie auch bei Einreisen per Auto oder Bahn. Bei einem Aufenthalt in Gebieten mit neuen, besorgniserregenden Virusvarianten ist ein Testnachweis Pflicht, da reichen auch die Nachweise als Genesener oder Geimpfter nicht. Außerdem gibt es nur noch zwei statt drei Kategorien für weltweite Gebiete mit höheren Infektionsrisiken: Hochrisikogebiete und Gebiete, in denen neue, besorgniserregende Virusvarianten kursieren.

Innenminister Seehofer gegen Impfpflicht

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich dagegen ausgesprochen, den Druck auf Impfverweigerer durch weitere Maßnahmen zu erhöhen - weder direkt noch indirekt. "Wir haben bislang ein gut funktionierendes Prinzip für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete. Daran sollten wir festhalten", sagte der Minister. Es sollte aber stärker als bisher für die Impfung geworben werden. "Sie ist der einzige Weg, der uns aus der Pandemie herausbringt. Ohne eine ausreichende Impfquote in der Bevölkerung hüpfen wir nur von Welle zu Welle."

Werbung wäre offenbar tatsächlich dringend notwendig. Nur etwa jeder vierte Ungeimpfte will sich noch gegen Corona impfen lassen, wie eine repräsentative Befragung des Instituts Insa für die Bild am Sonntag ergeben hat. 54 Prozent erklärten, sich grundsätzlich nicht impfen lassen zu wollen. 19 Prozent zeigten sich unentschlossen. Als Hauptgrund nannten 67 Prozent der Impfverweigerer mangelndes Vertrauen in die Impfstoffe.

Wer sich für eine Impfpflicht ausspricht - und wer nicht

Immer mehr Jugendliche geimpft

Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland zwischen zwölf und 17 Jahren hat mittlerweile eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das twitterte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag. In absoluten Zahlen sind es 900 000. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die entsprechende Freigabe für Moderna. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung bisher nur Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen - sehr zum Ärger vieler Politiker.

Zum Beginn des neuen Schuljahrs in einigen Bundesländern fordert der Deutsche Städtetag mehr Impfungen für ältere Schüler. "Um den Unterricht in Präsenz abzusichern, appellieren wir an die Länder, mehr Impfungen in Schulen möglich zu machen", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. "Das kann über mobile Impfteams in den Schulen laufen, wie in Schleswig-Holstein. Oder das kann über mehr Angebote für Jugendliche etwa in Fußballstadien oder Einkaufszentren laufen, wo sich viele von ihnen treffen", sagte Dedy. "Wir müssen mit den Impfungen zu den jungen Leuten gehen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder in die Arztpraxis kommen." (31.07.2021)

Amtsärzte plädieren für Reform der Stiko

Angesichts des politischen Drucks auf die Ständige Impfkommission (Stiko) regt der Verband der Amtsärzte an, die Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Einrichtung neu zu organisieren. "Man müsste überlegen, wie die Stiko künftig aufgehängt ist, um ihre Neutralität und Unabhängigkeit zu sichern", sagte die Verbandsvorsitzende Ute Teichert der Ärztezeitung. Derzeit ist die Stiko am Robert-Koch-Institut angesiedelt, einer Bundesbehörde. Damit gerate sie aber "in den Bereich Politik und Politikberatung", sagte Teichert. Auch brauche die Kommission hauptamtliche Strukturen, die die professionelle Arbeit der ehrenamtlich tätigen Kommissionsmitglieder unterstütze.

Die Stiko wird seit Wochen von Politikern massiv bedrängt, eine generelle Corona-Impfempfehlung für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren auszusprechen. Bisher tut sie das nur bei bestimmten Vorerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben. Als Gründe nennt sie fehlende Daten zur Sicherheit des Impfstoffs.

Auf den politischen Druck reagierte Stiko-Chef Thomas Mertens erneut mit Unverständnis. "Die EMA bewertet, ob ein Impfstoff grundsätzlich sicher und wirksam ist", ihr gehe es nicht um individuelle Impfempfehlungen. Die Stiko gehe "wesentlich tiefer in der Auswertung der verfügbaren Daten", sagte Mertens der Schwäbischen Zeitung. "Zum einen zeigen unsere Erhebungen und Modelle deutlich, dass Jugendliche wesentlich seltener schwer erkranken als Erwachsene, und zum anderen hat die Impfung dieser Altersgruppe relativ geringe Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Pandemie." Die Stiko werde an ihrem Vorgehen festhalten, sagte der Virologe. "Wir nehmen uns weiter die Zeit, die wir brauchen, um alle Daten auszuwerten, wie es unserem Auftrag entspricht." (31.07.2021)

Krankenhausgesellschaft entwirft Mix von Corona-Indikatoren

Um angesichts des Impffortschritts die Corona-Pandemie besser einschätzen zu können, plädiert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) für einen neuen Mix aus verschiedenen Indikatoren. Die bisher maßgebliche Sieben-Tage-Inzidenz ist dabei nur noch einer von insgesamt zwölf Indikatoren, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf das ihm vorliegende Konzept berichtet. Weitere Kennzahlen sind unter anderem die Quote der positiven Tests, die Impfrate und die Klinikbelegung durch Covid-19-Erkrankte, zudem Faktoren, die die Dynamik des Geschehens erfassen.

"Mit dieser Matrix lässt sich auf einen Blick leicht erkennen, wie die aktuelle Pandemielage tatsächlich ist und welche Trends beziehungsweise Zusammenhänge es gibt", sagte DKG-Chef Gerald Gaß. "Die Politik muss endlich handeln und einen Indikatorenmix festlegen, auch um durch diese Transparenz die Akzeptanz in der Bevölkerung für Maßnahmen gegen Corona zu erhalten." Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dringt schon seit Längerem darauf, auch andere Kennzahlen als die Inzidenz zur Einschätzung der Lage zu berücksichtigen. Aus Sicht des Robert-Koch-Instituts bleibt diese Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner und Woche aber der wichtigste Frühwarnwert. (31.07.2021)

Studie: Kreuzimpfung ist effektiver

Die Kombination einer Impfung mit den Produkten von Astra Zeneca und von Biontech/Pfizer ist laut einer Studie wirksamer als die Impfung mit Astra Zeneca alleine. Wissenschaftler der Technischen Universität München, des Helmholtz-Zentrums München, des Universitätsklinikums Erlangen und des Universitätsklinikums Köln untersuchten die Immunreaktion im Rahmen einer retrospektiven Studie, die im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseases erschien.

Dafür wurde nach Angaben der Forscher das Blut von etwa 500 Probanden analysiert, die acht bis zwölf Wochen nach ihrer ersten Impfung mit dem Vakzin von Astra Zeneca eine zweite Impfung mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer bekommen hatten. "Die neutralisierende Antikörperantwort war bei diesen Probandinnen und Probanden sehr viel stärker ausgeprägt als bei Menschen, die zweimal das Vakzin von Astra Zeneca bekamen", teilte das Uniklinikum Erlangen mit. Die Immunreaktion auf die Kombinationsimpfung sei mindestens genauso gut wie die Antikörperantwort nach zwei Impfungen mit Biontech gewesen.

Die Forscherinnen und Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Kombinationsimpfung auch bei individuellen Unverträglichkeiten oder bei Versorgungsengpässen zum Einsatz kommen kann. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte Anfang Juli überraschend mitgeteilt, dass Menschen, die eine erste Dosis des Corona-Impfstoffs von Astra Zeneca erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie den von Biontech oder Moderna erhalten sollen. (30.07.2021)

© SZ/dpa/hij/rroi/saul/kast/olkl/aner
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