Meldungen zum Coronavirus:Inzidenz steigt auf höchsten Wert seit Beginn der Pandemie

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Der vom Robert-Koch-Institut angegebene Wert von 201,6 übersteigt die alte Höchstmarke von Dezember 2020. Mediziner warnen davor, dass sich die Zahl der Intensivpatienten schon bald verdoppeln könnte. Der Lehrerverband befürchtet einen Kontrollverlust über das Virus an Schulen.

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Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz hat den höchsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie erreicht. Das Robert-Koch-Institut gab die Zahl der bestätigten Fälle pro 100 000 Einwohner und Woche am Montagmorgen mit 201,1 an. Der bisherige Maximalwert wurde auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle am 22.12.2020 mit 197,6 erreicht. Am Vortag hatte die Inzidenz bei 191,5 gelegen, vor einer Woche bei 154,8 (Vormonat: 63,8). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 15 513 Corona-Neuinfektionen. Vor genau einer Woche hatte der Wert bei 9658 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 33 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 23 Todesfälle. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI zuletzt am Freitag mit 3,91 an (Donnerstag: 3,73). Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit 2020 bei rund 15,5.

Anders als im vergangenen Winter sind mittlerweile viele Menschen geimpft, insbesondere unter den besonders gefährdeten Hochbetagten ist die Impfquote hoch. Experten gehen deshalb davon aus, dass das Gesundheitssystem jetzt mehr Neuinfektionen aushalten kann als vor den Impfungen, da diese sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Intensivmediziner sind angesichts des rasanten Anstiegs der Inzidenz in den vergangenen Tagen dennoch beunruhigt. (08.11.2021)

Zahl an Corona-Intensivpatienten könnte sich bald verdoppeln

Mediziner befürchten eine Verdopplung der Corona-Patienten auf Intensivstationen. Schon jetzt müssten mit knapp 2500 Fällen genauso viele Corona-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen versorgt werden wie zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr bei der zweiten Corona-Welle, sagte Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), der Augsburger Allgemeinen. In den kommenden Wochen werde sich die Zahl voraussichtlich fast verdoppeln, wenn die Neuinfektionen weiter so steigen wie bisher. "Bei einer Inzidenz von 300 erwarten wir bundesweit etwa 4500 Covid-Patienten mit großen regionalen Unterschieden", warnte Karagiannidis.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek warnte: "Eine weitere Verdoppelung würde zahlenmäßig weit über den Höchstwerten der vergangenen Wellen liegen und von unserem Gesundheitssystem in Deutschland nicht mehr verkraftet werden." Eine der Hauptursachen sieht der CSU-Politiker in der niedrigen Impfquote. "Auch in Bayern fluten insbesondere die Ungeimpften unsere Krankenhäuser. Zu mehr als 90 Prozent sind das Patienten, die die Chance auf eine Impfung bis heute ausgeschlagen haben", sagte Holetschek.

Intensivmediziner Karagiannidis hält längerfristige Voraussagen über den Verlauf der Pandemie für schwierig. Man könne anhand der Inzidenzen relativ klar vorhersehen, was in den kommenden Wochen passiere. "Was wir nicht vorhersehen können, ist, auf welchem Niveau das Ganze zum Stillstand kommt", sagte er. So sei unklar, welchen Effekt 2-G-Regeln und Auffrischungsimpfungen hätten oder ob die Bevölkerung ihr Verhalten ändere. (08.11.2021)

Lehrerverband warnt vor Kontrollverlust über Virus an Schulen

Der Deutsche Lehrerverband warnt angesichts steigender Corona-Infektionszahlen vor einem Kontrollverlust über das Pandemie-Geschehen an den Schulen. "Es gibt erschreckende Inzidenzen in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Gefahr, die Kontrolle darüber zu verlieren, sei immens.

Meidinger plädierte dafür, weiter an der Maskenpflicht festzuhalten: "Ich halte es für höchst bedenklich, wenn Bundesländer sich entgegen der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts von der Maskenpflicht an Schulen verabschieden, obwohl die Infektionen bei Schulkindern durch die Decke gehen." Studien zeigten, dass die Maskenpflicht die Schulen sicherer mache. Die Verantwortlichen in den Ländern dürften die eigenen politischen Wünsche nicht über die wissenschaftliche Expertise stellen, mahnte der Verbandspräsident. (08.11.2021)

Bayern und Baden-Württemberg kurz vor höchster Corona-Alarmstufe

In Bayern gilt die sogenannte Krankenhaus-Ampel, Baden-Württemberg unterscheidet in Basis-, Warn- und Alarmstufe. Gemeinsam haben die beiden südlichen Bundesländer, dass bald die höchste Stufe erreicht sein dürfte und die Bewohnerinnen und Bewohner sich auf drastische Verschärfungen der Beschränkungen einstellen müssen.

Die Ampel springt in Bayern bei 600 Intensivpatienten mit einer Corona-Infektion auf Rot. Am Sonntagvormittag wiesen die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin und das Robert-Koch-Institut (RKI) auf ihrer gemeinsamen Homepage 591 Patienten aus. Am Freitag waren es noch 537, am Samstag 552.

Bei roter Ampel wird die 2-G-Regel im ganzen Freistaat deutlich ausgeweitet. In vielen Betrieben haben Arbeitnehmer dann nur noch Zutritt zum Arbeitsplatz, wenn sie geimpft oder genesen sind. Für das gesellschaftliche Leben gilt das dann ohnehin.

Seit Sonntag steht die bayerische Krankenhaus-Ampel schon auf Gelb. Damit gilt in Gasthäusern und bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen die 3-G-plus-Regel, also: geimpft, genesen oder PCR-getestet. Ein Antigen-Schnelltest reicht dann nicht mehr. Ausnahmen gelten für Hochschulen, außerschulische Bildungsangebote und Bibliotheken und Archive - hier reicht für Ungeimpfte weiterhin ein Schnelltest. Der Maskenstandard wird generell auf FFP2 erhöht. Für den Handel und den öffentlichen Personenverkehr gibt es keine neuen Einschränkungen. Alle Schülerinnen und Schüler müssen ab Montag wieder Masken im Unterricht tragen.

Viele bayerische Regionen sind aber ohnehin "regionale Hotspots", dort gelten schon jetzt die verschärften Regeln.

Auch in Baden-Württemberg ist mit einer baldigen Ausrufung der Corona-Alarmstufe zu rechnen. Mit Blick auf aktuelle Prognosen und Modellrechnungen der Universität Freiburg gehe man davon aus, dass möglicherweise schon Ende der Woche, "in jedem Fall" aber Mitte November die Alarmstufe ausgerufen werden könnte, teilte eine Ministeriumssprecherin am Sonntag in Stuttgart mit. Im Moment gilt dort noch die sogenannte Warnstufe.

Die Corona-Verordnung des Landes sieht für die Alarmstufe landesweit die 2-G-Regel etwa in Restaurants, Museen, bei Ausstellungen oder den meisten öffentlichen Veranstaltungen vor. Viele ungeimpfte Menschen hätten dann in vielen Bereichen keine Möglichkeit mehr, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Ausnahmen würden unter anderem für Kinder und Schwangere sowie Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, gelten. (07.11.2021)

Österreich: 2 G soll bis 2022 gelten

In Österreich werden angesichts rekordhoher Neuinfektionen die soeben verschärften Corona-Maßnahmen wohl über Weihnachten und den Jahreswechsel hinaus gelten. Kanzler Alexander Schallenberg geht nicht davon aus, dass die Situation so sei, dass die Maßnahmen wieder zurückgenommen werden könnten. "Also es wird wohl ein 2-G-Weihnachten werden", sagte er der Kronen Zeitung. Vizekanzler Werner Kogler fügte hinzu: "Allerhöchstwahrscheinlich werden wir zu Weihnachten und zu Silvester noch 2 G haben."

Österreich verzeichnet derzeit täglich Neuinfektionen von fast 10 000 und hat erst vor wenigen Tagen mit der Ankündigung einer landesweiten 2-G-Pflicht darauf reagiert. Von Montag an dürfen nur noch Geimpfte und Genesene etwa Gaststätten, Hotels, Kultureinrichtungen und Sportstätten besuchen - auch die Skilifte des Wintersportlandes bleiben ihnen vorbehalten.

Nach der Ankündigung der Maßnahme am Freitag stieg die Wartezeit in der größten Impfstraße Wiens auf eineinhalb Stunden. Im Salzburger Land holten sich am Samstag knapp 1400 Menschen spontan ohne Termin einen Piks - in den Wochen zuvor waren es nur 2000 pro Woche gewesen. Auch in anderen Regionen wie Vorarlberg war der Andrang groß.

Noch ist etwa ein Drittel der Österreicher nicht immunisiert, und die niedrige Impfquote gilt als Hauptgrund dafür, dass Österreichs Krankenhäuser und deren Intensivstationen in der vergangenen Woche immer mehr Covid-Patienten behandeln mussten. (07.11.2021)

Mehr Impfbereitschaft durch schärfere Regeln

In Griechenland hat sich die Zahl der wöchentlichen Erstimpfungen gegen das Coronavirus nahezu verdoppelt, seit die Regierung härtere Regeln für Menschen ohne Impfschutz beschlossen hat. In der ersten Novemberwoche ließen sich nach einem Bericht der Tageszeitung Kathimerini mehr als 40 000 Menschen erstmals spritzen. In der letzten Oktoberwoche waren es etwa 25 000 Menschen.

Seit Samstag dürfen Ungeimpfte öffentliche Einrichtungen nun nur noch besuchen, wenn sie einen negativen Test vorlegen. Das gilt selbst für Behördengänge. Ausgenommen sind lediglich Supermärkte und Apotheken. Zudem müssen ungeimpfte Arbeitnehmer pro Woche zwei negative Tests vorlegen.

Die Maßnahmen werden streng kontrolliert. Die Regierung hat dafür zusätzlich etwa 8000 Polizisten abgestellt. Nach Angaben der Polizei gab es allein am Samstag landesweit rund 85 000 Kontrollen. Die Beamten verhängten Hunderte Strafen. Mehrere Gastronomiebetriebe wurden vorübergehend geschlossen. Für ungeimpfte Gäste ohne aktuellen Test gab es Geldstrafen von je 300 Euro. (07.11.2021)

Immer mehr Angriffe auf Ärzte durch Impfgegner

Impfgegner schrecken immer seltener vor verbaler oder körperlicher Gewalt gegen Ärzte zurück. Dies reiche von verleumderischen Bewertungen im Internet über Beschimpfungen per Telefon und E-Mail bis hin zu Morddrohungen, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet. In der Süddeutschen Zeitung erzählen sechs Mitarbeiter einer bayerischen Klinik in einem Corona-Hotspot von gewalttätigen Ungeimpften. Unter den Patienten auf der Intensivstation seien auch immer mehr Querdenker, die die Ärzte und Pfleger teilweise auch anfeinden; die psychische und physische Belastung beim medizinischen Personal ist enorm.

Das Bundeskriminalamt schätzt "Impfgegner oder Corona-Leugner" als "relevantes Risiko" im Zusammenhang mit Angriffen auf Impfzentren oder Arztpraxen ein. Für das "dort tätige Personal besteht die Gefahr, zumindest verbalen Anfeindungen bis hin zu Straftaten" wie etwa Körperverletzung ausgesetzt zu sein, teilte das Bundeskriminalamt mit. Genaue Zahlen gibt es zwar noch nicht. In vielen Fällen ermittele aber der Staatsschutz.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, bestätigte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Bedrohungslage. Er erklärte, die Entwicklung sei Teil einer "Hysterisierung der Gesellschaft", unter der nun das medizinische Personal in den Arztpraxen leiden müsse. Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, monierte, dass insbesondere impfkritische Menschen Arztpraxen zunehmend als "Instrument der Politik" wahrnähmen. (06.11.2021)

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