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Coronavirus in Deutschland:Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 56,4

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Die Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut angestiegen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Montagmorgen lag sie bei 56,4 - am Vortag hatte der Wert 54,5 betragen, vor einer Woche 36,2. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 3668 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.30 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 2126 Ansteckungen gelegen.

In Nordrhein-Westfalen ist die Inzidenz erstmals seit langer Zeit mit 103,3 wieder dreistellig und damit so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Am Vortag waren es 99,2 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gewesen, vor einer Woche hatte der Wert 57,2 betragen. Den zweithöchsten Wert unter den Bundesländern verzeichnet Hamburg mit einer Inzidenz von 71,6.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden. (23.08.2021)

Leichtes Anziehen bei Impfunganmeldungen in einigen Bundesländern

Trotz Einschränkungen für die Menschen ohne Corona-Impfung im Alltag verzeichnen Impfzentren und Arztpraxen in Deutschland derzeit keine generelle Trendwende hin zu mehr Impfungen. Einige Bundesländer meldeten aber wieder ein leichtes Anziehen des zuletzt stark nachgelassenen Impftempos. "Die Impfungen ziehen leicht an", sagte etwa ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums. Die Zweitimpfungen dominierten. Keinen Positivtrend gibt es in den westfälisch-lippischen Arztpraxen, wie eine Sprecherin der dortigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sagte.

In Baden-Württemberg sei eine Zunahme bei den Erstimpfungen auf niedrigem Niveau zu beobachten, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Stuttgart mit. Für Bayern hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag von steigenden Anmeldezahlen im Impfportal des Landes berichtet. In Schleswig-Holstein sei in der Tendenz eine leicht erhöhte Inanspruchnahme von Impfangeboten feststellbar, hieß es beim Sozialministerium in Kiel.

In anderen Ländern ist von einer Trendwende zu wieder mehr Impfungen bisher nichts zu spüren. Entsprechend äußerten sich etwa Vertreterinnen und Vertreter der Behörden und KVen in Niedersachsen, Hessen, Hamburg, Thüringen und Sachsen. Teils deutliche Rückgänge werden aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt gemeldet. In den Ländern, in denen noch Sommerferien sind, erwarten die Ärzte-Vereinigungen und Behörden teils für danach steigende Impfzahlen. Ab diesem Montag gelten in Deutschlands teils ausgeweitete "3G"-Regeln: Zutritt zu Restaurants, Friseuren, Kliniken, Schwimmbädern und anderen Innenräumen gibt es bei hohem Infektionsgeschehen nur noch für Geimpfte, Genese oder negativ Getestete. (23.08.2021)

Heil will Impfungen während der Arbeitszeit ermöglichen

Nach dem Willen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sollen sich Beschäftigte künftig auch während der Arbeitszeit impfen lassen können. Eine entsprechende Anpassung der Corona-Arbeitsschutzverordnung kündigte Heil in der Augsburger Allgemeinen an. "Wir werden die Arbeitgeber anhalten, dass sie stärker an der Impfaufklärung mitwirken und Impfungen im Zweifelsfall auch während der Arbeitszeit ermöglichen", erläuterte der Minister.

Bislang haben Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, sich während der Arbeitszeit bei einem Arzt oder im Impfzentrum eine Spritze gegen den Erreger geben zu lassen. Zudem müssen sich die Unternehmen laut Heil darauf einstellen, dass sie im Herbst und Winter ihren Angestellten weiter kostenfreie Corona-Tests anbieten müssen. "Wir müssen weiter dafür sorgen, dass der Arbeitsplatz nicht zum Ansteckungsort wird", sagte der Minister. Um die wirtschaftliche Erholung zu stabilisieren, sei es wichtig, dass die Impfkampagne wieder an Tempo gewinne. Für den Fall, dass die Pandemie wieder schwer um sich greift, denkt Heil über eine neuerliche Home-Office-Pflicht nach. Für ihn sei klar, "dass wir eher wieder verpflichtendes Homeoffice einführen, als Schulen und Kitas zu schließen", sagte Heil. (21.08.2021)

Griechische Urlaubsinseln werden Hochrisikogebiete

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen stuft die Bundesregierung Kreta und weitere griechische Urlaubsinseln von Dienstag an als Hochrisikogebiete ein. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind "die Regionen Kreta und die südliche Ägäis" betroffen. (Eine Liste der Hochrisikogebiete finden Sie hier.)

Nach Schätzung des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind derzeit etwa 150 000 Pauschalurlauber aus Deutschland in Griechenland unterwegs. Hinzu komme eine unbekannte Anzahl Individualreisende. Das Land zählt auch in diesem Jahr zu den Top-Zielen rund um das Mittelmeer. Gefragt sind insbesondere Inseln wie Kreta, Rhodos und Korfu.

Bereits am Sonntag werden die Kanarischen Inseln und Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava von der Liste der Hochrisikogebiete gestrichen, wie das RKI mitteilte.

Seit dem 1. August gilt laut RKI eine generelle Nachweispflicht, wonach Personen ab zwölf Jahren zur Einreise ein negatives Testergebnis, einen Impfnachweis oder einen Genesenennachweis brauchen. Nach einem Aufenthalt in einem Hochrisikogebiet in den letzten zehn Tagen vor Einreise gilt eine Anmeldepflicht. Zudem muss ein Test-, Impf- oder Genesenennachweis vorhanden sein und beim Einreiseportal hochgeladen werden.

Grundsätzlich gilt eine häusliche Quarantäne nach der Rückkehr, die jedoch vorzeitig beendet werden kann wenn einer der drei Nachweise beim Einreiseportal hochgeladen wird. Eine Testung kann frühestens fünf Tage nach Einreise vorgenommen werden. Geimpfte und Genesene können die Quarantäne beenden, sobald sie den Nachweis hochgeladen haben, erledigen sie das vor der Einreise muss die Quarantäne nicht angetreten werden. (20.08.2021)

Spahn erwägt Angebot für Auffrischimpfung an alle

Gesundheitsminister Jens Spahn erwägt, allen Bürgern eine Corona-Auffrischimpfung anzubieten. Die Länder starteten jetzt schrittweise mit den sogenannten Booster-Impfungen in den Pflegeeinrichtungen und für besonders gefährdete Menschen, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Zudem könnten sich diejenigen noch einmal impfen lassen, die bislang nur Vektorimpfstoffe bekommen hätten. "In einem zweiten Schritt können wir dann darüber nachdenken, auch allen anderen eine Auffrischimpfung anzubieten", sagte der Minister.

"Eine Booster-Impfung ist von den Zulassungen gedeckt, sie verstärkt und verlängert den Impfschutz", erklärte er. Auch Impfstoff sei ausreichend vorhanden. Für die Auffrischimpfungen setzt Spahn nach eigenen Worten vor allem auf die Arztpraxen. Ende September gingen viele Impfzentren in den Standby-Modus, sagte er. "Aber die Arztpraxen sind ja noch da. Allein die schafften bis zu fünf Millionen Impfungen in der Woche."

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet derweil mit einer deutlichen Zunahme von sogenannten Impfdurchbrüchen. "Durchbruchinfektionen ereignen sich bei Personen, deren Corona-Impfung länger als sechs Monate zurückliegt", sagt er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Bei allen Corona-Vakzinen steige das Risiko eines Impfdurchbruchs nach sechs Monaten an. Lauterbach zeigte sich auch besorgt über mögliche Folgen solcher Impfdurchbrüche: "Laut einer neuen Studie kommt es bei 19 Prozent der Menschen mit Impfdurchbrüchen zu einem Long-Covid-Problem." (20.08.2021)

RKI registriert 9280 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz bei 48,8

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Freitagmorgen lag sie bei 48,8 - am Vortag hatte der Wert 44,2 betragen, vor einer Woche 30,1. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 9280 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.06 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert für Deutschland bei 5578 Ansteckungen gelegen. (20.08.2021)

RKI: Die vierte Welle hat begonnen

Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat in Deutschland die vierte Welle in der Corona-Pandemie begonnen. Der Anteil der positiven Proben unter den PCR-Tests in Laboren sei innerhalb einer Woche bis Mitte August von vier auf sechs Prozent gestiegen, heißt es im jüngsten Wochenbericht des Instituts. Von Infektionen betroffen seien vor allem jüngere Altersgruppen. "Damit zeigt sich nun deutlich der Beginn der vierten Welle, die insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt aufnimmt", heißt es im Bericht.

Das RKI schätzt eine Gefährdung für die Gesundheit der noch nicht oder nur einmal geimpften Menschen in Deutschland insgesamt weiterhin als hoch ein. Für vollständig Geimpfte stufen die Forscher sie als moderat ein. Bereits seit Anfang Juli komme es in Deutschland wieder zu einem Anstieg der Inzidenz vor allem in den Altersgruppen der Zehn- bis 49-Jährigen, heißt es in der Analyse. Ein ähnlicher Anstieg in dieser Bevölkerungsgruppe sei im Sommer 2020 zu beobachten gewesen - allerdings erst fünf Wochen später, also Ende September bis Anfang Oktober. Damals gab es noch keinen Impfschutz. In diesem Sommer dominiert bisher die ansteckendere Delta-Variante - inzwischen zu 99 Prozent.

Der Wochenbericht des RKI erscheint zeitversetzt. Die meisten Ergebnisse in der jüngsten Analyse beziehen sich auf Daten aus der ersten Augustwoche. (20.08.2021)

Drosten: Für Großteil ist im Herbst keine Auffrischungsimpfung nötig

Für den Großteil der Geimpften wird dem Virologen Christian Drosten zufolge im Herbst keine Auffrischungsimpfung nötig sein. "Die Schutzwirkung der Corona-Vakzine ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch das baldige Aufkommen einer neuen Virusvariante, die gegen die verfügbaren Impfstoffe resistent ist, erwartet Drosten nicht.

Bei alten Menschen sowie bestimmten Risikopatienten hält Drosten eine Auffrischungsimpfung in diesem Herbst für sinnvoll. "Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter." In Sondersituationen wie Seniorenheimen sei eine Auffrischung daher denkbar. Dies stünde zahlenmäßig kaum im Konflikt mit der internationalen Knappheit von Impfstoff. Für die übrige Bevölkerung werde irgendwann vielleicht ein Altersniveau definiert werden, ab dem eine Auffrischungsimpfung sinnvoll werde. "In diesem Herbst kommt es aber darauf an, überhaupt erst einmal die Impflücken bei den über 60-Jährigen zu schließen." (19.08.2021)

Kinder- und Jugendärzte sehen Impfungen an Schulen kritisch

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat die Pläne mehrerer Bundesländer kritisiert, Kinder und Jugendliche an und im Umfeld von Schulen zu impfen. "Die Jugendlichen stehen in den Schulen sehr stark unter Gruppenzwang, so dass eine freie und unabhängige Entscheidung schwierig wird", sagte der Bundessprecher des Verbandes, der Kinderarzt Jakob Maske, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Maske riet stattdessen zur Impfung in den Praxen: "Das Impfen beim eigenen Kinder- und Jugendarzt hat den Vorteil, dass der Arzt die Familie und das Umfeld gut kennt und die Eltern besser beraten kann, ob die Impfung für die Familie sinnvoll ist oder nicht."

Nachdem die Ständigen Impfkommission (Stiko) eine Empehlung zur Impfung von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen hat, sind in mehreren Bundesländern Impfaktionen für diese Altersgruppe angelaufen oder in Planung, etwa mit mobilen Impfteams an Schulen, "Familienimpftagen" in Impfzentren oder Impfungen in Freizeiteinrichtungen oder Tierparks.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) schließt sich der Kritik der Kinderärzte an. Zwar begrüße man die Impfempfehlung der Stiko grundsätzlich, eine informierte Entscheidung der betroffenen KInder und ihrer Eltern sei aber beim Haus- oder Kinderarzt besser möglich. "Ob dies einzulösen ist, wenn die Impfung in Impfmobilen vor der Schule erfolgt, halten wir für fraglich", sagte der Verbandsvorsitzende Udo Beckmann. Er warnt außerdem vor möglichen Konflikten, wenn Eltern oder Jugendliche, die gegen eine Impfung sind, sich durch die Präsenz von Impfteams bedrängt sähen. "Es hilft natürlich, dass wir mehr Sicherheit an den Schulen haben, wenn sich die Zwölf- bis 17-Jährigen auch impfen lassen, aber es muss Freiwilligkeit gewahrt werden", sagte Beckmann der Deutschen Presse-Agentur.

Der Deutsche Lehrerverband befürwortete hingegen die Pläne, Impfungen an Schulen durchzuführen. "Alles, was die Sicherheit an Schulen schnell erhöht, ist gut", sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger dem RND. "Es ist völlig klar, dass eine hohe Impfquote der Schülerinnen und Schüler der wohl wichtigste Baustein für mehr Gesundheitsschutz an Schulen in der Pandemie und damit letztendlich für eine baldige Rückkehr zur Normalität im Schulbetrieb ist." Die Befürchtung, dass Konflikte in die Schulen hineingetragen und ein Gruppendruck auf nicht impfwillige Schüler beziehungsweise deren Eltern ausgeübt werden könnte, teilt er nach eigenen Worten nicht. Es gebe Möglichkeiten, Impfungen so zu organisieren, dass der Schulbetrieb kaum tangiert und die notwendige Anonymität und Freiwilligkeit absolut gewahrt werde, sagte Meidinger. (19.08.2021)

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