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Comeback von Newt Gingrich:Kaltblütige Attacke

Romneys Leute haben das nicht vergessen. In Iowa hatten sie Gingrichs Fehltritte den Wählern in Wahlspots mit Erfolg eingehämmert. Sie werden das in Florida zu wiederholen versuchen, wo Anfang kommender Woche die nächste Vorwahl stattfindet.

Newt Gingrich

Immer mehr Republikaner scheinen mittlerweile überzeugt zu sein: Wer so gnadenlos mit seinen Parteifreunden umspringt, der kann auch gegen Obama bestehen.

(Foto: AP)

Gingrich hat bisher nicht das Geld, um zu kontern. Und er verfügt nicht über die Organisation, die Wahlkampfbüros wie sein Konkurrent. Sein Büro in Orlando zum Beispiel, der drittgrößten Metropole in Florida, hat er erst vor zehn Tagen eröffnet.

Romneys Leute sind schon seit Monaten quer durch den so wichtigen Vorwahlstaat unterwegs. Gingrich aber, stets improvisierend, aus der Situation lebend, geradezu mit Lust auf die neue Herausforderung reagierend, setzt nun ohne Zweifel auf das, was ihm vor den Primarys schon so geholfen hatte, als seine Kandidatur eine Zeit lang völlig aussichtslos erschien, und nun wieder in South Carolina: auf seine Debattenauftritte. Zwei Drittel aller Wähler gaben an, dass sie das entscheidende Kriterium für ihre Stimmabgabe waren.

Offenkundig war es Gingrichs aggressives Auftreten, die kaltblütige Attacke auf seinen Konkurrenten Romney, was am Ende die Menschen für ihn eingenommen hat. Einer wie er, der mit ein, zwei Sätzen, so scharf wie Säbelhiebe, seinen größten Rivalen ins Stottern bringt, der so gnadenlos mit seinen Konkurrenten umspringt, hat das Zeug, gegen den Präsidenten zu bestehen - so dürfte ihre Überlegung gewesen sein.

Warum Millionär Romney nicht seine Steuererklärung jetzt veröffentliche, wenn er doch nichts zu verbergen habe, hatte Gingrich in der TV-Debatte süffisant gefragt, und nicht erst im April, wenn die wichtigsten Vorwahlen schon gelaufen seien. Darauf hatte Romney keine Antwort parat. Und die Leute mögen nicht, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass einer etwas zu verbergen hat.

Damit hat Newt Gingrich den bisherigen Favoriten nicht nur in der Debatte ins Schlingern gebracht, sondern auch dessen Strategie in Frage gestellt. Die republikanischen Wähler sind im tiefsten Herzen nicht von Romney überzeugt: zu glatt wirkt er, zu wenig fassbar.

Kombination von Intelligenz und Durchsetzungskraft

Sie nehmen ihm nicht ab, dass er der in der Wolle gefärbte Konservative ist, als der er sich immer gibt. Daran bestehen nach den ersten drei Vorwahlen, die drei unterschiedliche Sieger hervorbrachten, nun keine Zweifel mehr. Aber gezogen hat bisher immer sein Argument, dass er derjenige unter allen Kandidaten sei, der am ehesten gegen den verhassten Präsidenten bestehen könne.

Das hat sich in South Carolina zum ersten Mal verändert: Unter den 45 Prozent der Republikaner, für die das entscheidende Kriterium bei ihrer Stimmabgabe war, dass ihr Kandidat im Herbst auch eine Chance gegen Barack Obama hätte, hat nun erstmals Gingrich die Nase vorn. Mit anderen Worten: Sie trauen auf einmal diesem großmäuligen Rabauken zu, es mit dem Präsidenten aufzunehmen als dem stets abwägenden, so offenkundig berechnenden Manager Romney.

Für den konservativen Politberater Pete Wehner, der Gingrich schon seit 20 Jahren kennt, kommt das nicht überraschend. Gingrich zeichne "eine Kombination von Intelligenz und Ehrgeiz, von Durchsetzungskraft und Ego" aus, urteilt er. "Er will etwas, und er will es mit aller Macht. Und dafür ist er bereit alle Konventionen über den Haufen zu werfen."

Letzteres könnte auch sein Problem sein. Immer wieder hat Newt Gingrich Fehler gemacht - als Sprecher im Kongress und auch im Wahlkampf. Und zwar immer dann, wenn er ganz obenauf zu sein schien. Newt Gingrichs größter Feind, so sagen nicht nur seine Gegner, war immer er selbst.