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Colonia Dignidad:Die deutsche Botschaft pflegt immer noch enge Kontakte zur Villa Baviera

Gleichwohl pflegt die deutsche Botschaft seit eh und je enge Kontakte zur Villa Baviera. Botschaftsrat Jens Lütkenherm hat sich dort vor wenigen Wochen mit Schreiber und Zeitner zum Mittagessen getroffen, wie eine wackelige Aufnahme belegt. Auch der verurteilte Colonia-Dignidad-Mittäter Wolfgang Hermann Müller saß mit am Tisch - vor den Augen der dort noch lebenden Opfer. Noch so ein Sorgfaltsfehler? Eher nicht.

Das Auswärtige Amt hat die Nachfolgeorganisation Paul Schäfers über Jahre hinweg mit Bundesmitteln gefördert. Rund eine Million Euro sind seit 2008 - unter anderem über Projekte der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) - in den Aufbau der Villa Baviera geflossen. Unabhängig von der Frage, worin das öffentliche Interesse besteht, einen solch makabren Tourismusbetrieb zu unterstützen, heißt das aus Sicht von Anwalt Hempel auch: "Gefördert wird die Fortführung des Unrechtsregimes und nicht die Aufarbeitung."

Das Schweigen der Opfer soll erkauft werden

Hans Schreiber wird von Opferseite als "der Verbindungsmann" der heutigen Colonia zur Botschaft beschrieben. Er ist auch der Autor eines Vertragsangebots, das unlängst den Siedlerinnen und Siedlern vorgelegt wurde, die immer noch auf dem Gelände der Villa Baviera leben. Darin wurden ihnen ein eigenes Stück Land zugesagt - gebunden an die Abtretung der Exklusivrechte auf die künstlerische Verwertung ihrer "Lebensgeschichten in der ehemaligen Colonia Dignidad" an die Führung der heutigen Villa Baviera.

Für Winfried Hempel steht fest, dass mit diesem Vertrag das Schweigen der Opfer erkauft werden sollte - nicht zuletzt um aufwühlende Kinofilme wie den des deutschen Regisseurs Florian Gallenberger künftig unmöglich zu machen. Hempel konnte die Unterschrift seiner Klienten unter den Knebelvertrag im letzten Moment verhindern.

In der Villa Baviera war am Dienstag niemand zu erreichen. Die Botschaft in Santiago verweist an das Auswärtige Amt in Berlin. Dort heißt es auf Anfrage, man habe die Botschaft unverzüglich um Aufklärung gebeten.