USA:Ex-US-Außenminister Powell an Covid-19 gestorben

USA: Ex-Außenminister Colin Powell

Archivbild von Colin Powel

(Foto: imago)

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge ist der US-Politiker im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer entsprechenden Erkrankung gestorben.

Der frühere US-Außenminister Colin Powell ist tot. Der 84-Jährige sei an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben, teilte seine Familie auf Facebook mit.

In dem Statement heißt es, Powell sei am Montagmorgen im Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Bethesda bei Washington D.C. verstorben. "Wir danken dem medizinischen Personal für die fürsorgliche Behandlung. Wir verlieren einen herausragenden, liebenden Ehemann, Vater, Großvater und einen großen Amerikaner", heißt es in dem Schreiben. Powell sei vollständig geimpft gewesen.

Der Vier-Sterne-General, ein Sohn jamaikanischer Einwanderer aus New York, war Ende der 1980er-Jahre Nationaler Sicherheitsberater des US-Präsidenten Ronald Reagan, anschließend fungierte er unter den Präsidenten George H. W. Bush und Bill Clinton als Vorsitzender des Vereinigten Generalstabes und war Befehlshaber der US-Streitkräfte während des Golfkriegs von 1991.

Unter dem Präsidenten George W. Bush war er von 2001 bis 2005 US-Außenminister; er war der jüngste Secretary of State, den es bis dahin gab, außerdem war er der erste Schwarze in diesem Amt, was in den USA damals als wichtiges politisches Signal gesehen wurde.

Entfremdung von den Republikanern

Powells Amtszeit wurde von den Ereignissen nach den Anschlägen vom 11. September überschattet, also dem Kampf gegen den Terror und dem Beginn der Kriege in Afghanistan und dem Irak. Powell galt in der Bush-Regierung als Verfechter des Multilateralismus und als gemäßigte Kraft, wohingegen Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Ruf von Hardlinern hatten. Dies zeigte sich besonders vor dem Beginn des Irakkriegs: Die Hardliner drängten unter Berufung auf angebliche Erkenntnisse der Geheimdienste zu Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen auf ein militärisches Vorgehen. Im Februar 2003 warb Powell schließlich in einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat unter Berufung auf die später diskreditierten Geheimdiensterkenntnisse um Zustimmung für den Irakkrieg. Im Ruhestand bezeichnete Powell diese Rede später als großen Fehler.

Powell war seit Mitte der 1990er-Jahre Mitglied der Republikaner, entfremdete sich in den vergangenen Jahren wegen des Rechtsrucks jedoch zunehmend von seiner Partei. Nach Bushs Wiederwahl im November 2004 erklärte er seinen Amtsverzicht. Vor der Wahl 2008 überraschte der Republikaner seine Parteikollegen, als er sich für den demokratischen Kandidaten Barack Obama aussprach. Nach dem 6. Januar dieses Jahres, als ein Mob von gewaltbereiten Trump-Anhängern das US-Kapitol stürmte, trat er endgültig aus der Partei aus.

Zahlreiche Politiker haben ihre Trauer über Powells Tod zum Ausdruck gebracht: George W. Bush und seine Frau Laura erklärten, Powell habe dem Land herausragend gedient, "beginnend mit seiner Zeit als Soldat in Vietnam". Viele Präsidenten hätten seinem Rat vertraut. Er sei ein Freund und herausragender Mann gewesen.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte während einer Reise in Georgien, die Welt habe "eine der herausragendsten Führungspersönlichkeiten verloren". Powell sei seit vielen Jahren ein Freund und Mentor für ihn gewesen. "Wir werden ihn definitiv vermissen. Ich fühle mich, als hätte ich ein Loch in meinem Herzen", sagte Austin.

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Colin Powell spricht vor UN-Sicherheitsrat über Massenvernichtungswaffen im Irak, 2003

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:Zu allem entschlossen

Colin Powell war Soldat, General und US-Außenminister. Von seiner Rolle im Irak-Krieg hat sich sein Ruf nie wieder richtig erholt.

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