Urteil gegen Ex-Anwalt Wenn Cohen schuldig ist, dann ist es auch Trump

Trumps ehemaliger Anwalt muss in Haft, weil ihn der US-Präsident nach Ansicht der Ankläger zu einer Straftat angestiftet hat. Wenn das stimmt, dann gehört auch Trump hinter Gitter.

Kommentar von Thorsten Denkler, New York

Im Weißen Haus können sie jetzt nachrechnen, was es für US-Präsident Donald Trump bedeuten könnte, dass sein ehemaliger Anwalt Michael Cohen an diesem Mittwoch in Manhattan zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt wurde. Cohen hat zwei Monate bekommen, weil er vor dem Kongress gelogen hat. Und die restlichen drei Jahre wegen drei weiterer Vergehen: Bankbetrug und Steuerhinterziehung in mehreren Fällen. Sowie - und das sollte Trump besonders interessieren - wegen illegaler Wahlkampffinanzierung. Mal grob über den Daumen gepeilt sind das jeweils ein Jahr für jede Anschuldigung.

Trump wird es nicht wahrhaben wollen, aber das Strafmaß könnte eine Blaupause sein für ein mögliches Verfahren, sollte es irgendwann gegen ihn angestrengt werden. Nach Ansicht der Ankläger im Fall Cohen war es nämlich Trump, der den Anwalt angestiftet hat, Schweigegeld an zwei Frauen zu zahlen, die behaupten, mit Trump außereheliche Affären gehabt zu haben.

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Besonders gefährlich für Trump ist, dass Richter William H. Pauley in seiner Begründung davon ausgeht, dass das Geld gezahlt wurde, damit die Geschichte der beiden Frauen nicht Trumps Wahlkampf gefährdet - also mit dem klaren Vorsatz, den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Damit widerspricht Pauley der Version, die Trump noch diese Woche auf Twitter verbreitet hatte: Die Zahlungen seien eine "simple private Transaktion" gewesen.

Schuldig ohne Schuldspruch

Nein, Trump saß hier nicht auf der Anklagebank. Aber wenn Cohen schuldig ist, dann ist es auch Trump. Der Präsident ist quasi schuldig ohne Schuldspruch. Das haben die Ankläger deutlich gemacht, als sie seine Mittäterschaft in ihrem Empfehlungsschreiben für ein gerechtes Strafmaß gegen Cohen aktenkundig gemacht haben.

Trump und sein Anwalt Rudy Giuliani werden alles von sich weisen. Sie werden Trump weiter als Opfer einer Hexenjagd bezeichnen. Das aber ändert nichts an den Tatsachen. Es gibt jetzt einen weiteren Grund zu hoffen, dass Trump die Wahl 2020 verliert. Die Tat verjährt angeblich 2022. Nur wenn er verliert, kann er angeklagt und womöglich verurteilt werden.

Trump im Gefängnis - das ist kein süßer Rachetraum entnervter Trump-Gegner. Das wäre eine gerechte Strafe für Trumps schwere Vergehen. Wenn die USA beweisen wollen, dass niemand, auch nicht der Präsident, über dem Gesetz steht, dann wäre das eine gute Gelegenheit, diesen Satz unter Beweis zu stellen.

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Vor Gericht hatte sich der Jurist unter anderem schuldig bekannt, Steuern hinterzogen und Schweigegeld bezahlt zu haben. Zudem hatte er den Kongress bei dessen Russland-Untersuchungen belogen.