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Clan-Kriminalität:Der Duft des Geldes

Razzia gegen Clan-Mitglied wegen Verstoß gegen Waffengesetz

Einsatzkräfte stehen vor einem Kiosk im Stadtteil Neukölln. Die Berliner Polizei ist erneut gegen kriminelle arabische Großfamilien vorgegangen.

(Foto: dpa)

Die Polizei versucht zu Recht, den Nimbus der Unverwundbarkeit etlicher Familienbanden mit plakativen Kontrollen zu brechen. Wirklich eindämmen wird sie diese aber nur, wenn sie an ihr Geld geht.

Saftig ist das Dramolett aus Geld, Freundschaft und Loyalität, das da gerade für die Berliner Lokalpresse gegeben wird. In der Hauptstadt tragen der mutmaßliche Clan-Boss Arafat Abou-Chaker und der Rapper Bushido das Ende ihrer Geschäftspartnerschaft auf großer Bühne aus. Die russische Mafia in Deutschland käme nie auf so eine Idee. Die italienische mit ihrer Omertà schon gleich gar nicht.

Das Herausstechende an den sogenannten Clans, den kriminell verwickelten Familiennetzwerken arabischer oder kurdischer Herkunft, ist nicht ihre Größe, selbst in den Hochburgen Berlin und Nordrhein-Westfalen verantworten sie nicht mehr als 20 Prozent der organisierten Kriminalität. Es ist, wie sehr sie die Öffentlichkeit suchen. 20 Prozent der Straftaten, aber 90 Prozent des Rampenlichts: Dafür inszenieren sich die Brüder und Cousins bei Instagram, oder sie zeigen sich eben mit Rappern wie einst die amerikanische Cosa Nostra mit Frank Sinatra.

Manche Beobachter freut's. Das Publikum zeigt sich magisch angezogen, die Mischung aus Familiensaga und Kriminalgeschichte hat schon den Film "Der Pate" so reizvoll gemacht, später die meisterhaften "Sopranos", in Deutschland die Serie "4 Blocks". Für junge Kerle aber, die sich in den Fernsehfiguren wiederzuerkennen meinen, ist das der Anreiz, ihre Baseballschläger erst recht bei helllichtem Tag herauszuziehen und ihre Überfälle auf Pokerturniere oder Museen so in Szene zu setzen, dass die Polizeireporter noch lange etwas zu erzählen haben.

90 Prozent des Rampenlichts: Muss der Rechtsstaat also dort, wo seine Regeln demonstrativ verhöhnt werden, stärker eingreifen als dort, wo Verbrechen jeden Tag unsichtbar geschehen? Von der italienischen Mafia im Ruhrgebiet hört man die meiste Zeit wenig, weil sie lieber geräuschlos erpresst. Trotzdem erpresst sie.

Fünf, sechs Jahre Gefängnis sind schon eingepreist

Für die Polizei gehört das Klappern gerade sehr zum Handwerk, immer wieder werden Kontrollen in Shisha-Bars begleitet von einem Tross von Reportern, auch wenn man am Ende nur ein paar Päckchen unverzollten Tabaks findet oder abgelaufenen Orangensaft. Es geht der Polizei um ein Signal: Wenn die Täter sich wie Kings der Straße gerieren, wie Unantastbare, dann gilt es auch, diesen Nimbus zu brechen. Das ist keine illegitime Überlegung in einem Rechtsstaat. Auch die Gerichte verhandeln ja unter anderem aus diesem Grund öffentlich.

Um die Kriminalität dieser Gruppen einzudämmen, braucht es aber anderes. Nicht solche abstrusen Vorschläge, wie sie im Juni die Innenministerkonferenz gemacht hat: der Entzug des deutschen Passes für Clan-Mitglieder mit zweiter Staatsbürgerschaft. So etwas sieht das Grundgesetz höchstens für Leute vor, die in einem Krieg aufseiten der Gegner kämpfen; nicht für gewöhnliche Kriminelle. Mit so etwas zeigt der Rechtsstaat keine Stärke, sondern nur flatternde Nerven.

Was hilft, ist, dem Geld nachzugehen, das solche kriminellen Organisationen beiseiteschaffen, übrigens nicht nur die arabischstämmigen, sondern auch andere. Viele ihrer Mitglieder preisen schon ein, für fünf oder sechs Jahre ins Gefängnis zu gehen, um danach ihr gewaschenes Vermögen zu genießen. Die deutsche Justiz war lange schwach darin, Geldwäsche aufzudecken. Erst langsam, zu langsam kommt sie in die Gänge. Wenn der Staat den Tätern ihr Vermögen wegnimmt, nimmt er ihnen den Anreiz.

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