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CIA-Folterbericht:Britische Geheimdienste ließen Passagen schwärzen

  • London hat Medienberichten zufolge zugegeben, dass britische Geheimdienste Passagen des CIA-Folterberichtes schwärzen ließen.
  • Cameron begründet dies mit Bedenken hinsichtlich der "nationalen Sicherheit".
  • Das entfacht neue Spekulationen um die Rolle des US-Partners Großbritannien bei den Verhörmethoden der CIA.

CIA-Folterbericht wurde stellenweise geschwärzt - auf Wunsch Großbritanniens

Die Verhörmethoden der CIA sind als Folter anzusehen und der Geheimdienst unterhielt Geheimgefängnisse in mindestens fünf Ländern: Das ist seit der Veröffentlichung des sogenannten CIA-Folterberichtes klar. Am Mittwoch machte die Demokratin und Chefin des Geheimdienstausschusses, Dianne Feinstein, eine 528 Seiten lange Zusammenfassung des Senatsberichts für die Öffentlichkeit zugänglich. Was daraus aber nicht deutlich wird: Welche Rolle spielen Großbritannien und die britischen Geheimdienste in den Foltermethoden ihrer US-Kollegen?

Entsprechende Hinweise seien in dem Bericht unkenntlich gemacht worden, berichtet der Guardian - auf den Wunsch der britischen Geheimdienste hin. Die Tageszeitung zitiert einen Sprecher von Premierminister David Cameron, der nun zugab: Vor der Veröffentlichung seien Passagen entfernt worden.

Vermutung, dass britische Geheimdienste an Folter beteiligt waren

Zuvor hatte Cameron noch gesagt, der Bericht sei seines Wissens nach "überhaupt nicht" bearbeitet worden. Die britische Regierung teilte mit, Veränderungen seien ausschließlich auf Bedenken hinsichtlich der "nationalen Sicherheit" zurückzuführen. Die Passagen enthielten demnach nichts, was die Vermutung nahelegen könnte, dass britische Geheimdienstmitarbeiter an der Folter beteiligt gewesen seien - oder an geheimen Gefängnissen.

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Doch die Streichungen befördern neue Spekulationen um die Rolle Großbritanniens. Als enger Verbündeter der USA könnte das Land in die Praktiken verwickelt sein, die die USA nach den Terrorangriffen des 11. September 2001 anwendete. Der Folterbericht sei zwar kritisch gegenüber der CIA, schreibt der Guardian, doch die Manipulation durch britische Geheimdienste lege den Verdacht nahe, dass die Rolle der Briten bewusst verschleiert werden sollte.

Zweifel an Rolle der Briten in der Vergangenheit

In mehreren Fällen waren in der Vergangenheit bereits Vorwürfe gegen die britische Regierung aufgekommen. Im April berichtete der TV-Sender Al Jazeera über Geheimgefängnisse der CIA, unter anderem im Indischen Ozean. Demnach wurden einige Verdächtige auf dem Atoll Diego Garcia gefangen gehalten. Die Insel liegt etwa 750 Kilometer vom südlichsten Punkt der Malediven entfernt und ist britisches Territorium. Dort wurde bei Verhören gefoltert, hieß es schon in den damaligen Berichten. Das Gefängnis sei im "vollsten Einverständnis" mit der britischen Regierung eingerichtet worden, berichtete Al Jazeera.

Im Jahr 2010 schilderte der freigelassene Guantánamo-Häftling Binyam Mohamed aus Großbritannien Details der Folter in US-Gefangenschaft. Er berichtete, dass auch britische Geheimdienste in seine Folter verwickelt gewesen seien. Mohamed verbrachte sieben Jahre in Gefangenschaft in mehreren Ländern, vier Jahre war er im US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Als er in Marokko gefangen gehalten wurde, habe der britische Geheimdienst der CIA zwei Telegramme mit Fragen an ihn zukommen lassen. Dort habe er sich wegen der Folter fälschlicherweise schuldig bekannt.

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