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CIA-Dokument:Camouflierte Vorhaben

Überraschend oder gar neu daran ist nicht, dass die CIA darüber nachdenken lässt, wie nützlich es ist, ohne Rechtsgrundlage Menschen umzubringen. Sondern die Art, wie das Vorhaben camoufliert wird. Es könnte ja auch sein, wird da überlegt, dass man auf das Eliminieren der erwähnten Ziele verzichten wolle. Die CIA-Strategen sind da offen für alles, sie machen ja nur wissenschaftlich fundierte Vorschläge. Menschen kommen in diesem Papier naturgemäß nicht vor, nur Gegner, und auch die nur in Gestalt von "Zielen" oder "Zielpersonen". Immerhin wird den Opfern die Ehre zuteil, dass ihnen ein high value zugestanden wird, dass es sich also um hochwertige Ziele handelt, aber damit ist nur gemeint, dass den höchstrangigen Politikern und militärischen Planern, die das CIA-Papier lesen sollen, ebenso hochrangige Zielpersonen vor die Flinte geschoben werden.

Es irritiert der wissenschaftliche Jargon, zu dem auch gehört, dass (fast) alle Behauptungen durch Fußnoten und Literaturhinweise abgesichert werden. Das Papier offenbart seine besondere Brutalität in seinem um äußerste Sachlichkeit bemühten Stil. Die CIA verfügt offensichtlich über genügend historisch gebildete, wissenschaftlich geschulte Mitarbeiter, die um keinen Vergleich mit den algerischen Aufständischen des FLN oder dem von der IRA Jahrzehnte lang geführten irischen Bürgerkrieg verlegen sind.

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Sie haben genug Zeit, sich eingehend mit früheren Konflikten auseinanderzusetzen, um Ratschläge für aktuelle und künftige Auseinandersetzungen zu liefern. Gestützt sowohl auf interne Papiere wie auf Forschungsliteratur wird durchdekliniert, wie erfolgreich die Aufstandsbekämpfung zum Beispiel gegen die IRA, gegen die Hamas oder al Qaida verlaufen ist, vor allem wenn sie sich des High-Value Targeting (HVT) bedienen konnte, sich also um "Operationen gegen bestimmte Einzelpersonen oder Netzwerke" handelte.

Akademiker, die sich nicht der Sprache der Folterknechte bedienen

Die sprachliche Brutalität steht in der Tradition des Behaviorismus, des Milgram-Experiments, der Auslöschungsstatistiken des Kybernetikers Herman Kahn, ein Dr. Seltsam, der im Namen strengster Sachlichkeit mit seiner Inhumanität auffiel.

Die Akademiker, denen diese Handreichung für Politik, Militär zu verdanken ist, bedienen sich niemals der Sprache der Folterknechte von Abu Ghraib oder Guantanamo, es ist nicht einmal die betonharte Argumentation des unverbesserlichen Dick Cheney, sondern Technokratie in schönster Blüte, die Möglichkeit, alles denken, alles auch sagen zu können.

Da von Töten, Ermorden, Auslöschen, Umbringen oder ähnlich schlimmen Dingen nicht gesprochen werden kann, kommen euphemistische Begriffe ins Spiel. Das Töten wird klinisch sauber, eine bloße strategische Überlegung. Dass dieser quasi chirurgische Eingriff nicht immer funktioniert, führen die Autoren selber am Beispiel des algerischen Bürgerkriegs vor, wo es den Franzosen gelang, die Häuptlinge des FLN im Flugzeug zu entführen, dafür aber radikalere Kämpfer den Bürgerkrieg gegen Frankreich fortsetzten und endlich die Unabhängigkeit Algeriens erzwangen. Die Ergreifung Abimael Guzmáns vom Sendero Luminoso wird als bestes Regierungshandeln bezeichnet, aber es wird kein Beleg dafür erbracht.

Die Studie ist historisch einigermaßen fundiert und erkennt sehr wohl, dass die gezielte Tötung von Anführern auch das Gegenteil des erwünschten Effekts haben kann, dass nämlich die Unterstützung für die Aufständischen durch gezieltes Töten eher größer wird als abzunehmen. Es finden sich auch ganz vernünftige Überlegungen wie die, dass man auf die inneren Spannungen einer aufständischen Gruppe bauen könne und sich mit den gemäßigten und eher politisch Orientierten zusammentut, um gemeinsam die Radikalen zu bekämpfen.

Auf das nächstliegende, zudem das erfolgreichste Beispiel für "strategisches Enthaupten" haben die anonymen Autoren verzichtet. Kein Wunder, denn es würde zeigen, wie drastisch und jenseits von Recht und Gesetz die USA im Zweifel vorgehen. Im Frühjahr 1967 war es der bolivianischen Regierung gelungen, den Verbleib des ehemaligen kubanischen Industrieministers zu klären.

Che Guevara die Hände abgehackt

Ernesto Guevara hielt sich mit einem zerlumpten Haufen in den Bergen auf und versuchte wenig erfolgreich, die Campesinos zu agitieren. Der Große Bruder im Norden wurde alsbald informiert und zu Hilfe gerufen. Unterstützt von exilkubanischen Beratern verfolgten bolivianische Soldaten den ausgezehrten Guerillero. Nach einer Verwundung war er leicht gefangen zu nehmen und wurde dann auf Weisung aus der Hauptstadt erschossen. Ganz sicher, ob man den Richtigen erwischt hatte, war man sich in Washington nicht und bat um Fingerabdrücke. Der Einfachheit halber wurden Che Guevara gleich die Hände abgehackt.

Die Mordstrategen von der CIA führen einen Inneren Dialog mit sich: Sollen wir "zielen" und "enthaupten"? Und wenn wir uns entschlossen haben (denn natürlich können wir es): Was bringt uns das Umbringen? Als Mittel der Wahl, das zeigt nicht nur dieses Papier, sondern der selbstverständliche Einsatz von Drohnen, ist der politische Mord Tagesgeschäft.

Moralische Skrupel sind den Autoren fremd, davon haben sie zuletzt vielleicht in Yale, Harvard oder Stanford gehört, als im Literaturkurs Raskolnikow durchgenommen wurde. Selbst so neumodische Überlegungen wie das Völkerrecht oder sei's ganz allgemein die Einhaltung der Menschenrechte haben in dieser Machbarkeitsstudie keinen Platz. Es geht allein um das "strategische Enthaupten". Was man zählen kann, muss man zählen, hat Robert McNamara zu Zeiten des Vietnamkriegs verkündet. Hier heißt das Motto: Wenn es den Vereinigten Staaten nützt, sollte man töten, wen man töten kann.

Umdeutung der Worte hat historische Tradition

1946, nach Stalins "Säuberungen", nach Hitlers "Endlösung", nach der ganzen Umwertung aller Worte, war sich George Orwell sicher, dass auch diese unter den politischen Verhältnissen der Diktatur gelitten habe, denn "die Sprache der Politik legt es darauf an, Lügen als Wahrheit und Mord als ehrenwert erscheinen zu lassen". Aber gut, was wusste Orwell schon von den Sprachkünstlern der CIA?

Francis Ford Coppola, der Regisseur von "Apocalypse Now", hatte übrigens 1975 das amerikanische Verteidigungsministerium aufgesucht und sich nach der Möglichkeit erkundigt, Unterstützung für seinen Film zu bekommen: Flugzeuge, Hubschrauber, Waffen. Er plane ja keinen Anti-Kriegsfilm, versicherte er, seiner sei zutiefst "pro-menschlich und deshalb pro-amerikanisch".

Als er das Drehbuch vorlegte, wurde ihm unter anderem vom damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beschieden, dass er keinerlei Unterstützung erwarten könne, solange er sein Drehbuch nicht umschreibe. Der Befehl an Willard könne allenfalls lauten "untersuchen und dann die entsprechenden Maßnahmen ergreifen". So etwas wie "terminate", nein, so etwas gebe es nicht.