Kristina Schröder ist schwanger Ministerin im Praxistest

Geradezu inszeniert wirkt die Bekanntgabe von Kristina Schröders Schwangerschaft. Dahinter steckt wohl die Hoffnung der Ministerin, zugleich ein politisches Problem loszuwerden.

Von Stefan Braun

Eigentlich ist das Ganze eine sehr persönliche Sache. So jedenfalls sehen das viele, und Kristina Schröder hat es lange Zeit auch nicht anders betrachtet. Vor Publikum hat die Bundesfamilienministerin immer wieder erklärt, die Frage nach Kindern gehe niemanden etwas an außer ihren Mann und sie selbst. Doch jetzt, da der Termin für die Geburt des eigenes Kindes immer näher rückt, hat sich Schröder für das Gegenteil entschieden: Sie hat ihre Schwangerschaft via Bild-Zeitung unters Volk getragen. Verbunden mit der Botschaft: "Wir sind glücklich und sehr dankbar."

Kristina Schröder verkündete ihre Schwangerschaft via Bild-Zeitung.

(Foto: dpa)

Damit wird die junge CDU-Politikerin im Juli die erste Ministerin in einem Bundeskabinett sein, die in ihrer Amtszeit ein Kind zur Welt bringt. Das allein schon wird für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgen. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die Deutschen auch darüber hinaus sehr genau verfolgen werden, wie die Familienministerin ihre eigene Familie managt. Ihr Mann Ole Schröder gehört als Staatssekretär im Innenministerium ebenfalls dem Bundeskabinett an. So gesehen bekommen die 33-jährige Ministerin und ihr 39-jähriger Ehemann die seltene Gelegenheit, sehr konkret von der Theorie in die Praxis zu wechseln. Mit anderen Worten: Sie werden zwangsläufig zeigen müssen, wie sie den "Zielkonflikt" einer Familie lösen möchten.

Schön ist dieses Wort nicht. Aber da Schröder es vor einem Jahr beim Besuch eines Gymnasiums selbst verwendet hat, kann man heute noch einmal daran erinnern. Damals ging es ganz allgemein um die Frage, wie sich berufstätige Paare mit Kind neu organisieren. Heute geht es darum, wie Schröder das selbst macht. Politisch ist die Ministerin in ihrer gut einjährigen Amtszeit vor allem für drei Dinge eingetreten. Das Elterngeld soll es berufstätigen Eltern erleichtern, ihrem Kind zuliebe eine Auszeit zu nehmen; mit dem Krippenausbau will Schröder jenen helfen, die früh eine Betreuung für den Nachwuchs brauchen. Und fürs Betreuungsgeld tritt sie ein, damit Eltern auch weiterhin genau das Gegenteil tun können, nämlich zu Hause bleiben.

Das alles bedeutet: Als Ministerin hat sie bislang vor allem dafür gekämpft, den Spielraum für unterschiedliche Wege möglichst groß zu halten. Persönlich wird sie sich jetzt selbst für einen Weg entscheiden müssen. Auf die Frage, wie sie diese Aufgabe lösen möchte, antwortete sie am Mittwoch: "Wir werden vor den gleichen Herausforderungen stehen wie viele andere Paare in Deutschland." Aber sie seien zuversichtlich, das mit der Unterstützung ihrer beider Familien gut hinzubekommen.

Merkel bekundete Freude

Immerhin konnte Schröder auch von anderer Stelle noch Hilfe und Wohlwollen verbuchen. Von der Person nämlich, die sie zur Ministerin gemacht hat: Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin ließ über ihren Sprecher verlauten, sie freue sich sehr und werde Schröder voll unterstützen - was im übrigen für alle im Kabinett gelte. Das klingt natürlich schön, so wünscht man es sich vom Arbeitgeber. Darüber hinaus steht schon jetzt fest, wer sie in der Zeit des Mutterschutzes vertreten wird: In der täglichen Sacharbeit werden das die beiden Staatssekretäre machen. Und die sogenannte Vertretung im Ministerrang übernimmt Bildungsministerin Annette Schavan.

So inszeniert all das am Mittwoch bekannt wurde, so wahrscheinlich ist es, dass Schröder insgeheim hofft, nun auch politisch ein Problem loszuwerden. Immer wieder gab es hinter vorgehaltener Hand den Vorwurf, eine Frau ohne Kinder könne das Amt einer Familienministerin nur unzureichend ausfüllen. Jetzt besteht für sie die Chance, auch familiär ein klein wenig aus dem Schatten ihrer Vorgängerin herauszutreten - Ursula von der Leyen, siebenfachen Mutter.

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