Christian Lindner Vertreter eines "mitfühlenden Liberalismus"

Zusammen mit dem damaligen Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, dem FDP-Landeschef in NRW Daniel Bahr und der Europa-Abgeordneten Silvana Koch-Mehrin gehörte Lindner dann zu dem Team junger Politiker, die sich als Vertraute Westerwelles gegen die Ambitionen des damaligen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle auf die Position des Parteichefs aufstellten.

Christian Lindner war 2000 als jüngster Abgeordneter in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gewählt worden - der Beginn einer steilen Politikerkarriere.

(Foto: Reuters)

Lindner hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich als Vertreter eines "mitfühlenden Liberalismus" von der Haltung eines Guido Westerwelle distanziert, der für seine Angriffe auf Hartz-IV-Empfänger in die Kritik geraten war.

Er hatte sich zum Ziel gesetzt, die FDP, die viele als Partei der Steuersenkungen, als Lobby der Wohlhabenden wahrnehmen, stärker für soziale Themen zu öffnen. Er betonte die Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft, forderte klare Regeln für die Finanzmärkte und signalisierte sogar die Bereitschaft zu Bündnissen mit den Grünen. Und er bekam vom Bundesvorstand den Auftrag, ein neues Grundsatzprogramm der Partei zu erarbeiten.

Ob er sich im vergangen Jahr nun selbst für zu jung hielt, um Westerwelles Nachfolger als Parteichef zu werden, ob es tatsächlich eine Frage des Teamgeistes war, wie Lindner in der Diskussion um die Führung der Partei erklärte, oder ob er die Gefahr für zu groß hielt, in diesem Amt zu schnell verschlissen zu werden - Parteichef wurde schließlich Philipp Rösler.

Dass Lindner nun zurückgetreten ist, kommt überraschend - trotz der vehementen Kritik aus der eigenen Partei an seinem Umgang mit dem Mitgliederentscheid über den Euro-Rettungsschirm. Und ob sein Rücktritt das Ende seiner politischen Karriere bedeutet, ist alles andere als klar.

Lindner selbst will nun als Bundestagsabgeordneter weitermachen. Und angesichts seiner bisherigen Karriere und seines jungen Alters endet der Absturz zwar möglicherweise mit einer harten Landung. Aber bekanntlich muss sich ein Politiker nach einer solchen Erfahrung noch lange nicht endgültig geschlagen geben - sondern nur vorerst.