Christian Lindner:Merkwürdiges Bankdarlehen

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Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) soll einem Bericht des "Spiegel" zufolge einen Immobilienkredit von der BBBank bekommen haben, für die er auch geworben hat. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Die Umstände eines Immobilienkredits von Bundesfinanzminister Christian Lindner werfen Fragen auf.

Von Angelika Slavik, Berlin

Christian Lindner bevorzugt gehobenen Lebensstandard. Das ist kein Geheimnis - er lässt ja gern die ganze Republik dabei zusehen: Lindners Porsche, Linders Hochzeit auf Sylt, Deutschland kennt die Vorlieben des Bundesfinanzministers. Es verwundert also wenig, dass Lindner auch beim Kauf einer privaten Immobilie nicht im günstigen Segment gestöbert hat. Doch wie er dieses Geschäft finanziert hat, das wirft nun eine Menge Fragen auf.

Im Januar 2021 soll Lindner ein Haus im Berliner Stadtteil Nikolassee erworben haben. Angeblicher Kaufpreis: 1,65 Millionen Euro, so berichtet es das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Den Kredit dafür bekam er bei der BBBank. Und die Details dieses Kredits scheinen mindestens ungewöhnlich zu sein.

So bekam Lindner deutlich mehr Geld, als er für den Kauf des Hauses benötigt hätte: Eingetragen wird eine Grundschuld von 2,35 Millionen Euro zugunsten der BBBank. Eineinhalb Jahre später wird sein Grundstück mit weiteren 450 000 Euro belastet. Selbst wenn man von einem sehr hohen Sanierungsbedarf des Hauses ausgeht, ist die Höhe der geliehenen Summe bemerkenswert - ob und wie viel Eigenkapital Lindner aufgebracht hat und welcher Zinssatz für seine Kredite gilt, ließen er und sein Anwalt gegenüber dem Magazin unbeantwortet. Auf eine Anfrage der SZ zur Causa beim Bundesfinanzministerium verwies man am Wochenende auf Lindners Anwalt: Dieser habe erklärt, dass alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten wurden und es keine Unregelmäßigkeiten gebe.

Als Abgeordneter pflegte er offensichtlich eine lukrative Geschäftsbeziehung mit der BBBank

Die Konditionen von Lindners Kredit und die Frage, ob er möglicherweise bevorzugt behandelt worden sein könnte, sind aus zwei Gründen relevant. Zum einen ist Lindner in seiner heutigen Funktion als Bundesfinanzminister der Bankenaufsichtsbehörde Bafin unterstellt. Ein sehr günstiger Kredit wäre also mindestens politisch heikel, zumal Lindner beim zweiten Teil des Darlehens - also den 450 000 Euro - schon Minister war.

Zum Zweiten pflegte Lindner in seiner Zeit als Abgeordneter offensichtlich eine lukrative Geschäftsbeziehung mit der Bank. So hielt er Vorträge bei mehreren Veranstaltungen oder gab sich für ein Image-Video her. Die Aufnahme, die 2018 publiziert worden sein soll, ist heute noch auf einer Internetseite der Bank abrufbar. Darin wird Lindner grundsätzlich. "Ich bin eben ein großer Anhänger der Freiheit", sagt er. "Ich liebe meine. Liebe die Selbstverantwortung. Bei niemandem Danke sagen zu müssen."

Zumindest bei der BBBank hätte er aber Grund gehabt, sich zu bedanken, denn allein 2017 und 2019 soll er für seine Dienste als Stargast bei den "exklusiven Abenden" der Bank zwischen 35 000 und 73 000 Euro Honorar bekommen haben. Der Spiegel bezieht sich dabei auf die gemeldeten Nebeneinkünfte. Die wurden damals nur in Stufen veröffentlicht, deshalb lassen sich die Summen nicht genau benennen. Verbunden blieb Lindner der Bank jedenfalls auch als Minister: Im vergangenen Mai schickte er zur 100-Jahr-Feier des Instituts ein Gratulationsvideo.

Hinweis der Redaktion: Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft hat am 27. Januar 2023 mitgeteilt, sie habe den Prüfvorgang geschlossen, sie sehe im Zusammenhang mit dem fraglichen Immobilienkredit keinen Anfangsverdacht strafbaren Verhaltens.

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