Anschlag in Christchurch:Er spricht nicht, als würde er sich als Held fühlen

Während Mirwais bereits aus der Nachbarschaft der Moschee geflohen war, stieg Brenton T. in sein Auto und fuhr einige Minuten durch Christchurch zur zweiten, deutlich kleineren Moschee der Stadt in der Linwood Avenue, wo zu dieser Zeit der 25-jährige Mohamed mit einer kleinen Gruppe an Muslimen betete.

"Nachdem wir das erste Gebet beendet hatten, hörten wir Schüsse"

"Um 13.40 Uhr begannen wir mit dem Freitagsgebet, doch nachdem wir das erste Gebet beendet hatten, hörten wir Schüsse", erzählt Mohamed am Samstagabend, er möchte, wie Mirwais, seinen Nachnamen nicht in der Öffentlichkeit nennen: "Als ich realisierte, dass jemand versucht, uns umzubringen, warf ich mich auf den Jungen, der neben mir saß, und umschloss ihn mit meinem Körper."

Der Junge, den Mohamed unter sich begrub - wie sich später herausstellte ein zwölfjähriges Mitglied der muslimischen Gemeinde von Christchurch - begann laut zu schreien, er rief nach seinem Vater, der mit ihm in die Moschee gekommen war. "Ich drückte ihm meine Hand auf den Mund, denn ich war mir sicher, dass der Attentäter auf die zielen würde, die schrien. So haben wir es gemeinsam überlebt", erzählt Mohamed.

Immer wieder pausiert er zwischen den Sätzen, seine Worte sind abgehackt. Er spricht nicht, als würde er sich als Held fühlen, während er sich an die wahrscheinlich schlimmsten Momente seines Lebens erinnert.

Auch diesmal verließ Brenton T. die Moschee, um aus seinem Auto eine weitere Waffe zu holen. Dort jedoch wartete Abdul Aziz auf ihn, ein weiterer Held des Attentats. Aziz hatte nicht wie Mohamed im Hauptraum gebetet, den der Attentäter als Erstes betreten hatte. "Ich hatte gesehen, wie er in die Moschee ging und bin nach draußen gerannt, dort stand sein Auto mit den Waffen auf dem Beifahrersitz. Ich ergriff eine Shotgun, die jedoch keine Munition mehr hatte, dann kam er aus dem Gebäude, sah mich mit dem Gewehr in der Hand, rannte panisch an mir vorbei und verfluchte mich. Ich versuchte, ihn mit dem Gewehr zu stoppen und haute damit gegen sein Auto, doch er konnte davonfahren."

Hätte Aziz nicht so mutig gehandelt, es wären sehr wahrscheinlich noch weitere Menschen an diesem Tag gestorben. Dasselbe gilt für zwei Polizeibeamte, die das verdächtige Auto sahen, von der Straße rammten und den Attentäter anschließend in Gewahrsam nahmen, wie die Zeitung The New Zealand Herald am Sonntag berichtete.

Aziz sagt im Gespräch, er habe so gehandelt, wie jeder handeln sollte, ein Held will er nicht sein. Auch er sei traumatisiert, aber er wolle seine Geschichte erzählen, um andere zu inspirieren.

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