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Chinesischer Menschenrechtler Chen:Blinder Dissident flieht aus Hausarrest

Die chinesische Regierung hält Chen Guangcheng für einen gefährlichen Mann. Seit Jahren kämpft er in seiner Heimat China gegen Zwangsabtreibungen und Sterilisationen. Das Regime bestrafte ihn mit Schlägen, Gefängnis und jahrelangem Hausarrest. Jetzt gelang dem blinden Aktivisten die Flucht, als er nachts über die Mauer seines Anwesens kletterte.

Der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist aus seinem Hausarrest geflohen. Wie seine Familie und internationale Menschenrechtsorganisationen berichteten, entkam der 40-Jährige seinen Bewachern im Dorf Dongshigu nahe der Stadt Linyi in der ostchinesischen Provinz Shandong.

Chen Guangcheng

Der blinde Bürgerrechtler Chen Guangcheng auf einer undatierten Aufnahme in einem chinesischen Dorf.

(Foto: AP)

Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation ChinaAid berichtete, der blinde Bürgerrechtler verstecke sich "an einem absolut sicheren Ort in Peking". Zu Spekulationen, Chen befinde sich in der amerikanischen Botschaft in Peking, sagte eine US-Sprecherin: "Wir haben im Moment keine Informationen."

Die Bürgerrechtlerin He Peirong berichtete der britischen Zeitung The Times, Chen sei am Sonntagabend über eine Mauer seines Hauses geklettert. Ohne Hilfe sei der Blinde stundenlang zu Fuß gelaufen, bevor er Kontakt zu ihr aufgenommen habe. Mit Hilfe von Freunden habe sie ihn dann aufgegriffen und an einen sicheren Ort gebracht.

Chen ist seit einer Erkrankung in seiner Kindheit blind. Er ist einer von zahlreichen autodidaktischen "Rechtsanwälten", die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren und Betroffene beraten. Chen hatte sich mit seinem Einsatz für Opfer von Machtwillkür einen Namen gemacht.

Er zog vor allem mit Kritik an der rigiden Ein-Kind-Politik den Zorn Pekings auf sich, nachdem er zahlreiche erzwungene späte Abtreibungen und Sterilisationen von Frauen in seiner Provinz Shandong aufgedeckt hatte. Nach vier Jahren in Haft war Chen im September 2010 aus dem Gefängnis entlassen worden und stand seither unter Hausarrest. Die USA hatten sich wiederholt für seine Freilassung eingesetzt.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/dapd/schu/beitz
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