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Chinesischer Dissident:Chen Guangcheng wirft Peking unerbittliche Kampagne vor

Blinder chinesischer Dissident Chen Guangcheng

Der chinesische Dissident Chen Guangcheng ist von der NYU enttäuscht. 

(Foto: dpa)

Die spektakuläre Flucht des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng in die USA löste eine Krise zwischen Washington und Peking aus. Jetzt gibt es wieder Ärger - und zwar um ein nicht verlängertes NYU-Stipendium.

Der blinde chinesische Dissident Chen Guangcheng wirft der New York University (NYU) vor, ihn wegen seiner China-Kritik loswerden zu wollen. Die Hochschule fürchte, dass seine offene Kritik an der chinesischen Regierung deren akademische Zusammenarbeit mit China gefährde, sagte er in einer Erklärung, die verschiedenen Medien vorliegt.

Die NYU weist die Vorwürfe zurück: Chen Guangchengs Jura-Stipendium sei lediglich auf ein Jahr angelegt gewesen. Die Flucht des heute 41-Jährigen in die USA vor einem Jahr hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und eine diplomatische Krise zwischen beiden Ländern ausgelöst. Nach 19-monatigem Hausarrest in einem Dorf in Ostchina war ihm zunächst die Flucht in die US-Botschaft in Peking gelungen. Nach seiner Ausreise in die USA im Mai 2012 hatte Chen Guangcheng ein Forschungs-Stipendium an der NYU erhalten.

Der Dissident richtet massive Vorwürfe an die chinesische Regierung: Seit Monaten übe Peking Druck auf die NYU aus. Diese habe kürzlich einen Campus in Shanghai eröffnet und mehrere Professoren seien in Forschungsprojekte in China eingebunden. "Akademische Unabhängigkeit und akademische Freiheit werden durch ein totalitäres Regime massiv bedroht", sagt Chen Guangcheng in seiner Erklärung, die das Wall Street Journal veröffentlichte. "Es ist richtig, die New York University hat uns gebeten, vor Ende Juni zu gehen", erklärte er.

Der Einfluss chinesischer Kommunisten auf akademische Zirkel in den USA sei viel größer als viele Leute dächten. Dagegen spricht die Universität von Spekulation ohne Faktengrundlage. "Das hat nichts mit der chinesischen Regierung zu tun", teilte Hochschulsprecher John Beckman mit. Trotz der Anschuldigungen, die die Hochschule "verwirrt und traurig" zurücklasse, werde die NYU Chen Guangcheng und seine Familie weiter unterstützen.

© Süddeutsche.de/dpa/jst/fzg
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