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Chinas Präsident Xi Jinping zu Besuch bei Obama:Zwei Freunde müsst ihr werden

Sie treffen sich für zwei Tage in Kalifornien: Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Barack Obama.

(Foto: AFP)

Der Führer der neuen Supermacht besucht den Präsident der alten Supermacht: Zwei Tage lang wollen sich der Chinese Xi Jinping und der Amerikaner Barack Obama in Kalifornien kennenlernen. Geplant sind sechs Stunden Gespräche und ein Abendspaziergang. Streitthemen gibt es viele und die Stimmung war auch schon besser: Das bilaterale Verhältnis verschlechtert sich seit Jahren.

Nun also bleibt Michelle Obama doch zu Hause. Für ihre Töchter Sasha und Malia endet diese Woche das Schuljahr. Da müsse die Mutter bei ihren Mädchen sein, heißt es, etwas lahm, zur Begründung im Weißen Haus. Tagelang hatten zuvor Blogger - die Auguren des 21. Jahrhunderts - darüber spekuliert, dass sich an diesem Freitag und Samstag im sonnigen Kalifornien nicht nur die zwei wohl mächtigsten Männer der Welt, Barack Obama und Xi Jinping, die Präsidenten Chinas und der USA, sondern auch ihre Frauen treffen könnten. Und dass es den beiden First Ladys anheimfallen werde, ein bisschen Glamour und Bewegung zu bringen in das reichlich verkrampfte Verhältnis zwischen der Weltmacht und dem Land, das sich auf dem Weg dahin sieht. Nun müssen die beiden Männer es allein machen.

Der Hype im Internet hatte viel mit Peng Liyuan zu tun, Xis Frau. Sie war als Sängerin schon lange vor ihrem Mann in China eine Berühmtheit. Und nun tritt sie zur Begeisterung vieler Chinesen bei öffentlichen Anlässen selbst- und modebewusst und wie selbstverständlich an seiner Seite auf. So etwas kannte China bisher nicht, wo die Frauen der mächtigen Männer seit dem Sturz der übel beleumundeten Mao-Witwe Jiang Qing in der Öffentlichkeit keine Rolle mehr spielten.

Neues Kabinett

Team Obama II

Das allein war aber nicht der Grund für die Welle der Spekulationen über ein Gipfeltreffen der First Ladys. Die dürften vielmehr auch damit zu tun haben, dass es bei diesem Treffen der Giganten wirklich in erster Linie um eines gehen dürfte: um die Verbesserung der reichlich angespannten Atmosphäre zwischen beiden Ländern. Feste Vereinbarungen, ein Kommuniqué gar, sind nicht zu erwarten.

Denn das Verhältnis zwischen Peking und Washington befindet sich seit Obamas Amtsantritt in einer kontinuierlichen Abwärtsspirale. Die Konflikte mehren sich, der Ton beider Seiten wird rauer. In großen außenpolitischen Streitfragen - Syrien, Iran - stehen die Chinesen inzwischen fast unweigerlich auf der entgegengesetzten Seite. Gegenüber dem wilden Diktator in Nordkorea warten die USA - bisher weitgehend vergeblich - auf Unterstützung aus China.

Schriller Ton

Beide Seiten streiten über Pekings Währungspolitik und die groß angelegte chinesische Internetspionage in den USA. Irritiert ist Washington auch über das Nachbarschaftsmobbing: China streitet sich mittlerweile mit einem halben Dutzend Nachbarstaaten über die Eigentumsrechte an Inseln oder den genauen Grenzverlauf. Und zusehends auf die Nerven geht den Amerikanern der schrille Kalte-Kriegs-Ton der staatlichen Propaganda Pekings, in der den USA und "westlichen Kräften" routinemäßig vorgeworfen wird, sich wider ein erstarkendes China zu verschwören.

Die Chinesen wiederum fühlen sich seit dem von Obama proklamierten und von seiner früheren Außenministerin Hillary Clinton mit Verve betriebenen "Asiatischen Schwenk" militärisch und diplomatisch zunehmend eingekreist von den USA. In Pekings offiziösen außenpolitischen Denkfabriken ist immer öfter die Rede von "einer neuen Art der Großmachtsbeziehung" zwischen beiden Ländern. Was man wohl nicht völlig missdeutet, wenn man die Formel als eine Chiffre dafür versteht, dass die USA die Interessen Chinas in Asien anerkennen und sich gefälligst nicht weiter einmischen sollten. Einen Gefallen, den die Amerikaner den Chinesen gewiss nicht tun werden.