Süddeutsche Zeitung

China:Verschwundener Außenminister Qin Gang aus Amt entfernt

Mehr als einen Monat lang ist der 57-Jährige nicht mehr öffentlich aufgetreten. Seine Abwesenheit hatte viele Spekulationen ausgelöst. Nun soll sein Vorgänger übernehmen.

Der seit einem Monat nicht mehr öffentlich aufgetretene chinesische Außenminister Qin Gang ist aus dem Amt entfernt worden. Wie der Staatssender CCTV berichtete, stimmte der Ständige Ausschuss des Volkskongresses bei einer Sitzung am Dienstag dafür. Bislang wurde noch keine Begründung für den Schritt genannt. Sein Vorgänger Wang Yi soll erneut das Amt übernehmen.

In den vergangenen Wochen hatte es viele Spekulationen über das Schicksal von Qin gegeben. Der 57-Jährige hatte am 25. Juni seinen letzten öffentlichen Termin in Peking. Seitdem wurde er nicht mehr gesehen und fehlte bei wichtigen außenpolitischen Terminen. Chinas Top-Diplomat Wang Yi, der in der Hierarchie noch über Qin steht, hatte den Außenminister mehrfach vertreten.

Anfangs hatte ein Sprecher des Außenministeriums auf Anfrage erklärt, Qin sei aus gesundheitlichen Gründen verhindert. Allerdings kamen auch Spekulationen über eine mögliche außereheliche Affäre auf. Darauf angesprochen sagte eine Sprecherin des Außenministeriums, dass sie "keine Informationen" dazu habe.

Erst im Dezember hatte Qin seinen Posten als Außenminister angetreten, er galt als enger Vertrauter von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Davor war Qin nicht einmal zwei Jahre als chinesischer Botschaft in Washington stationiert. Bekannt wurde er durch seine Rolle als Sprecher des Außenministeriums. Immer wieder attackierte Qin bei Pressekonferenzen andere Staaten oder Journalisten und setzte damit den Ton für eine neue Generation von Diplomaten, die Pekings neues Selbstbewusstsein inzwischen lautstark kundtun.

Das Verschwinden von hohen Beamten, Prominenten und Geschäftsleuten kommt in China immer wieder vor. Oft stellt sich später heraus, dass sie in Ermittlungen oder andere Kontroversen verwickelt waren. Zu den bekanntesten Fällen der vergangenen Jahre gehört der ehemalige chinesische Interpol-Chef Meng Hongwei, der 2018 auf einer Reise in China verschwand. Zwei Jahre später verurteilte ihn ein chinesisches Gericht wegen der Annahme von Bestechungsgeldern zu einer langen Haftstrafe.

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