China: Prügel für Staatskünstler Ai Weiwei erhebt schwere Vorwürfe gegen Peking

Chinas berühmtester Künstler Ai Weiwei behauptet, durch Polizeiprügel eine Gehirnblutung erlitten zu haben. Er wurde in München operiert.

Von H. Bork

Der international bekannteste chinesische Künstler und Architekt Ai Weiwei hat der chinesischen Polizei vorgeworfen, ihn so schwer verprügelt zu haben, dass er sich im Münchener Klinikum Großhadern wegen einer Gehirnblutung operieren lassen musste. "Ich bin gestern Abend um zehn Uhr operiert worden", sagte Ai am Dienstag vom Krankenbett aus im Telefonat mit der Süddeutschen Zeitung. Der Bluterguss im Kopf sei die Spätfolge von Schlägen, die ihm chinesische Polizisten in der Provinz Sichuan zugefügt hätten, sagte Ai, der das Pekinger Olympiastadion, "Vogelnest" genannt, mitentworfen hatte.

Ai Weiwei setzte sich für die Aufklärung des "Tofu-Schulen"-Skandals ein. In schlecht gebauten Schulen waren bei dem Erdbeben in Sichuan am 12.Mai vergangenen Jahres Tausende Schulkinder gestorben. Er hatte mit Nachforschungen vor Ort und einer Namensliste der Opfer im Internet Druck auf die chinesische Regierung ausgeübt, die Korruption beim Bau aufzuklären. Auch wegen seines Engagements hatte Peking einräumen müssen, dass 5335 Kinder in den Tofu-Schulen gestorben waren. Sie waren eingestürzt, obwohl viele Gebäude in ihrer Nachbarschaft unversehrt blieben.

Am 12. August dieses Jahres war Ai Weiwei erneut in Sichuan, um den Prozess gegen den Aktivisten Tan Zuoren zu verfolgen. Dieser hatte sich ebenfalls um die Aufklärung des Skandals bemüht und sollte vor Gericht mundtot gemacht werden. Noch im Hotel in Chengdu hatten Polizisten Ai Weiwei abgefangen und "schwer auf den Kopf geschlagen", wie er sagt. "Seit sie mich geschlagen haben, litt ich unter Kopfschmerzen und konnte mich nicht mehr konzentrieren", fügte er hinzu.

Als sich die Schmerzen während eines Deutschland-Aufenthaltes verstärkten, habe er sich zur Untersuchung entschlossen. Der Direktor der Neurochirurgie im Klinikum Großhadern habe ihm zu einer dringenden Operation geraten, sagte Ai. Es seien zwei Löcher in seine Schädeldecke gebohrt worden, um so den Druck zu reduzieren.

"Sie haben mich so hart geschlagen, dass ich auch leicht bleibende Schäden hätte davontragen können. Welches Licht wirft das auf unseren Staat, der sich gerade anschickt, sein sechzigjähriges Jubiläum zu feiern, wenn dies die Antwort auf legale Nachforschungen ist?", sagte Ai. "Es war Glück im Unglück, dass sie mich geschlagen haben und nicht einen meiner Mitarbeiter, die mit mir in Sichuan waren", fügte Ai mit noch schwacher Stimme hinzu. "Zumindest kann ich mir eine gute medizinische Versorgung leisten. Tausende Landsleute, die jedes Jahr von der Polizei misshandelt werden, können das nicht.''

Der Sprecher der Kliniken der Ludwig-Maximilians-Universität sagte am Dienstag: "Es geht dem Patienten gut." Ai Weiwei werde noch "einige Tage" zur Beobachtung in Großhadern bleiben. Ai sagte, er wolle sich zunächst in München erholen und hoffe, am 11. Oktober bei der Eröffnung seiner Ausstellung im Münchener Haus der Kunst anwesend sein zu können.

Die Bilder hat Ai Weiwei auf seiner Twitterseite veröffentlicht: http://twitpic.com/photos/aiww