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China:Nichts gelernt

Das Regime schönt die Zahl der Opfer. Den Schaden hat die ganze Welt.

In der Stadt Wuhan, in der das Coronavirus zum ersten Mal entdeckt wurde, werden in diesen Tagen die Urnen mit der Asche der Verstorbenen an die Hinterbliebenen übergeben. 2548 Menschen sollen laut offiziellen Angaben dort gestorben sein. Nun geben die sieben größten Krematorien der Stadt jeweils 500 Urnen pro Tag aus, ein sicheres Indiz dafür: Die Opferzahlen sind falsch. Sie könnten fast 20 Mal so hoch liegen.

Überraschen kann das wenig. Von Anfang an haben Chinas Behörden Fälle vertuscht, Krankenakten gefälscht, Proben vernichtet. Das Zeitfenster, in dem das Virus hätte lokal eingedämmt werden können, hat das Land verpasst. Mit erstaunlicher Chuzpe präsentiert sich Peking nun als vorbildlicher Krisenmanager. Dabei ist das systemische Versagen Chinas der Grund für die globale Ausbreitung. Dass man zwischenzeitlich positiv Getestete aus den Statistiken strich, weil sie angeblich keine Symptome hatten, ist nur ein weiterer Beleg: Peking hat nichts gelernt.

Mit den Fälschungen verhöhnt das Regime nicht nur die Opfer. Das Land ist den anderen Krisenregionen um Wochen voraus. Für Entscheidungen dort wäre es hilfreich, von den Zahlen aus China lernen zu können. Doch wegen der geschönten Statistiken ist es anderen Staaten fast unmöglich, Lehren aus Chinas Krisenmanagement zu ziehen.

© SZ vom 01.04.2020

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