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Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs:Rabatt für Chinesen - für Japaner gebrochene Knochen

Die Propaganda ist also nicht immer clever. Bemerkenswert erfolgreich allerdings schürt sie einen von Ressentiments getragenen Nationalismus und einen latenten Hass auf Japan. Dabei spielen ihr die halbherzigen Entschuldigungen japanischer Regierungschefs und das unselige Treiben von Japans Ultranationalisten in die Hände. Gleichzeitig zogen Pekings Geschichtsumschreiber aber schon immer alle Register. Sie verschwiegen ihrem Volk Japans Nachkriegs-Pazifismus ebenso wie die beachtlichen Summen an japanischer Entwicklungshilfe und Investitionen, die Chinas neuen Wohlstand in den letzten drei Jahrzehnten mit ermöglichten.

Die Militärparade nun sei gegen Japan gerichtet? "Unsinn!", schrieb die Volkszeitung. Die Parade stehe ganz im Zeichen des "Friedens" und der "Zukunft". Gleichzeitig werden in Chinas Kinos die Japaner allerdings in drei großen Propagandaschinken besiegt, und es laufen auf allen TV-Kanälen antijapanische Kriegsserien, in denen wieder einmal Legionen grausamer Japaner unschuldige Chinesen martern, vergewaltigen und vierteilen, bevor heroische Kommunisten die Barbarei beenden. Der Staatssender CCTV hat ein Webportal über den antijapanischen Krieg zusammengestellt, darauf lassen sich nicht weniger als 161 Propagandafilme und 50 Fernsehserien abrufen. Ein großes Restaurant in Peking hängte letzte Woche ein Plakat aus, auf dem es "für Chinesen 50 Prozent Discount" versprach und "für Japaner gebrochene Knochen".

Schon die Schulkinder üben sich im "antijapanischen Kampf"

All das fällt in China auch deshalb auf fruchtbaren Boden, weil die ewige Empörung über die Japaner eine Kost ist, mit der Chinas Kinder schon im Kindergarten gefüttert werden. Der Parade wegen wird diesmal der Schulanfang in Peking verschoben, auf den 7. September. Die zentrale Propagandabehörde erklärte nun, der erste Schultag im ganzen Land solle dem "antijapanischen Kampf" gewidmet werden. Leitspruch soll sein: "Vergesst nie die nationale Schande, verwirklicht den chinesischen Traum." Der "Aktionsplan" für den Schulanfang sieht vor, dass die Schüler beim Fahnenappell "Kriegs- und Heldengeschichten" erzählen sollen. Das Singen patriotischer Kriegslieder und Besuche auf Märtyrerfriedhöfen stehen ebenfalls auf dem Lehrplan. Im Internet können Schülerinnen zusammen mit der Boyband The Fighting Boys die Nationalhymne singen ("Gemeinsam voran ins feindliche Kanonenfeuer").

Dabei hat sich der Furor deutlich abgekühlt im Vergleich zum Sommer 2012, als ein antijapanischer Mob durch Chinas Straßen zog. Chinas Städter nutzen die patriotischen Feiertage nun zum Reisen - und viele reisen nach Japan. Im Juli besuchten 500 000 Chinesen das Nachbarland, mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr. Die meisten zum Shopping. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen Hautcremes, Reiskocher und der letzte Schrei: elektronisch aufgerüstete Toilettensitze. Im Frühjahr schon riefen in China beleidigte Konsumpatrioten zum Boykott der Hightech-Gesäßwärmer vom Feind auf. Vergebens.

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